Baguette, Croissant und alles andere, was Frankreich so bietet

Glücklicherweise habe ich mit drei weiteren Europäischen Freiwilligen in einer internationalen WG gewohnt, was mir den Start um einiges erleichtert hat. Meine WG war ziemlich bunt, bestehend aus einem Italiener, einer Ungarin, einer Litauerin und meiner Wenigkeit. Die Litauerin liebte die Natur und sammelte jede Art von Blumen, Steinen und Blättern, mit denen sie die Wohnung freundlicher dekorierte. Die Ungarin bekochte uns immer mit leckerem traditionellem Essen aus Ungarn. Dank des Italieners hatten wir einen 10 Jahresvorrat an original italienischer Pasta im Abstellraum. Und ich sorgte mit meiner deutschen Pünktlichkeit immer dafür, dass wir auf jedem Treffen zehn Minuten zu früh erschienen.

Meine Aufnahmeorganisation hieß "Unis Cité" und befand sich in Saint-Etienne, Frankreich. Ich hatte das Glück zwei Projekte auf einmal zu bekommen. Das bedeutet zwei Tage die Woche war ich in dem Museum d'Art moderne et contemporain in Saint-Etienne und zwei Tage der Woche in einer Einrichtung für Kinder mit Behinderung. In jedem der Projekte habe ich mit einem Team aus mindestens drei weiteren französischen Jugendlichen, die ein Service Civique absolvieren, gearbeitet. Einen Tag in der Woche habe ich für mein Sprachtraining genutzt. Jedes Projekt hatte ein Ziel, das wir am Ende erreichen sollten. Im Museum sollten wir zum Beispiel Jugendliche aus verschiedenen Jugendzentren, die nicht unbedingt in Museen gehen, beziehungsweise nicht die nötigen Mittel dazu haben, motivieren an einem Kunstprojekt mit uns und einer einheimischen Künstlerin zu arbeiten. Das zu organisieren war jedoch ein langer Weg. Wir mussten uns im Museum einfinden, wir konnten die verschiedenen Berufsfelder erkunden und sind mit Jugendzentren in Kontakt getreten um unser Projekt vorzustellen. Vier Jugendzentren haben freudig zugesagt. Damit die Jugendlichen sich aus den Jugendzentren kennenlernen, haben wir an einem von uns organisierten Kennenlerntag in einer Turnhalle Spiele rund um Kunst gespielt und zusammen gepicknickt.  Daraufhin haben wir an einem geführten Rundgang im Museum teilgenommen, was für einige unter ihnen die erste Führung im Museum war. Am Ende wurde in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin und circa 30 Jugendlichen ein Kunstwerk erstellt, was anschließend im Museum ausgestellt wurde.

In meinem zweiten Projekt war das Ziel der intergenerationelle Austausch zwischen Jung und Alt. Da es bei meiner Organisation ein weiteres Projekt gab, in einem Altersheim für Menschen mit Behinderung, haben jene und die Einrichtung für Kinder mit Behinderung, bei der ich gearbeitet habe, uns dabei geholfen gemeinsame Aktivitäten zu finden. Wir haben zum Beispiel zu Ostern Schokoeier-Suchen in dem Park einer Einrichtung organisiert. Dafür sind wir mit ein paar Kindern und den älteren Personen zusammen einkaufen gegangen.

Natürlich wurde ich auch mit Situationen konfrontiert, die mich überfordert haben. Tage, an denen ich schlecht drauf war. Aber das gehört einfach dazu.

Ich habe gefühlt 2184 verschiedene Käsesorten probiert, 1726 mal „Salut ça va“ gesagt, 102 mal Baguette gegessen und ganz viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und das in wenigen Monaten. Dennoch habe ich mich nie ganz an die Begrüßung "faire des bisous" gewöhnt. Jedes Mal war ich total verwirrt, wenn die Franzosen mir zur Begrüßung die Wange hinhielten und es dauerte immer einen Moment bis ich es erwiderte. Die Franzosen sind aber wirklich sehr nett und hilfsbereit. Leicht verloren ist man, wenn man innerhalb Frankreichs verreisen will. Denn alle Wege führen nach Paris, aber meistens nur Umwege in andere schöne Städte Frankreichs. Möglichkeiten finden sich jedoch immer Städte zu besuchen, die unerreichbar scheinen.

Liebe Grüße

Defne

Ansprechpartner EFD

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