Sveiki! 

Obwohl es erst zwei Monate her ist, dass ich hier bin, kommt es hier mir schon viel länger vor – im positiven Sinne natürlich! Ich habe so viel erlebt, getan, Neues ausprobiert und nette Menschen kennengelernt, dass ich kaum zur Ruhe kam und es kaum erwarten kann, euch alles zu erzählen.

Drei Worte, die Lettland ziemlich treffend beschreiben sind: Schön, freundlich und kalt. Wenn man sich Reiseberichte durchliest wird immer die Natur und Landschaft Lettlands angepriesen und ich kann aus Erfahrung sagen – ja, es stimmt alles. Es gibt hier Gesetze, die das Fällen von Bäumen erschweren, weshalb viele Menschen teilweise auch in ihren Gärten Bäume haben, die 10-20 Meter groß sind. Selbst in den Städten ist dies teilweise so. Daher ist die Natur hier so gut erhalten und Lettland schon deshalb eine Reise wert. Wenn man die Menschen fragt, wie sie sich selbst beschreiben, sagen fast alle, dass Letten unfreundlich sind. Das stimmt aber nicht. Sie sind ein bisschen zurückhaltend, aber sobald man versucht auf sie zuzugehen (indem man zum Beispiel ein paar Brocken Lettisch oder Russisch spricht), helfen sie einem immer gerne. Was hier auch sehr populär ist, ist das Trampen, was für nicht so reiche Freiwillige natürlich eine feine Sache ist. Oftmals muss man hier keine 30 Minuten warten bis ein Auto anhält und einen an sein Ziel bringt. Ich finde, dass das schon eine Menge über die Hilfsbereitschaft der Letten aussagt. Das letzte Adjektiv ist ziemlich offensichtlich, aber trotzdem muss das nochmal erwähnt werden. Es ist hier eisig kalt und zwar jetzt schon. Schon jetzt, Anfang November, liegt mehr Schnee als ich in den letzten Jahren in Deutschland miterleben durfte. Schon jetzt sinken die Temperaturen tagsüber auf bis zu -4°C und nachts -8°C. Ab Januar/Februar sind tagsüber -10°/-15°C anscheinend die Norm.

Trotzdem bereue ich es nicht nach Lettland gekommen zu sein. Die beiden ersten Adjektive machen es wieder wett. Auch mein Projekt läuft mittlerweile richtig gut. Anfangs gab es hier ein paar Schwierigkeiten, weil hier keiner Englisch sprach bis auf meine Projektkoordinatorin, die nur montags und freitags kam. Auch konnte mir so keiner richtig was über die Busverbindungen sagen. Ich habe auch keine Aufgaben bekommen, sondern sollte mich irgendwie selber beschäftigen. Ich wollte aber vor neue Herausforderungen gestellt werden und die habe ich dann auch bekommen, sogar mehr als ich wollte. Mittlerweile läuft es aber ziemlich gut, da ich jetzt schon relativ gut lettisch kann, um mich zu verständigen. Wenn man viel Selbstinitiative zeigt, dann hat man auch etwas zu tun, sogar ziemlich viel. Dieses Projekt lebt von den Ideen, die man als Freiwilliger selber einbringt. So habe ich zum Beispiel für die Kinder hier erst neulich eine Halloween-Party organisiert und der nächste lettische Feiertag steht auch schon vor der Tür, für den ich was mit den Kindern basteln möchte. Außerdem haben sie mich gefragt, ob ich das gesamte Haus weihnachtlich dekorieren könne, weshalb ich nun viel Zeit damit verbringe weihnachtliche Motive herauszusuchen und zu zeichnen. Dann stehen demnächst noch eine Menge interkultureller Abende von Projekten anderer Freiwilliger an, wo ich mithelfen werde. 

Obwohl Lettland für mich vorher eines der uninteressantesten Ländern überhaupt war – immerhin ist es so klein und man hört kaum etwas über dieses Land – genieße ich meine Zeit hier gerade einfach und bin jetzt schon über die Ausreise im Februar traurig gestimmt. Ein EFD hier in Lettland hat in so vielen Sachen meine Augen geöffnet. Ja, es war ein Sprung ins kalte Wasser und manchmal war es unangenehm, aber ich bin immer noch am Leben, gesund, munter und glücklich. Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus.

Hanh

Ansprechpartner EFD

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