Das gute Leben in Griechenland

Schon in der Unterstufe wusste ich: Nach der Schulzeit musst du raus, in ein anderes Land und etwas von der Welt sehen. Lange habe ich überlegt, wo genau es denn so am interessantesten werden könnte. Als es dann richtig ernst wurde mit der Entscheidung, war grade ein Thema in aller Munde: Die Eurokrise und ihre Auswirkungen auf die von ihr betroffenen südeuropäischen Länder.

Im Internet fand ich Informationen zum Europäischen Freiwilligendienst (EFD) mit ODI e.V., ein Programm, von dem ich bis dahin nie gehört hatte. Es würde mir die Möglichkeit bieten, mich in einem von vielen Projekten auf dem ganzen Kontinent zu engagieren und meinen Teil zur europäischen Verständigung zu leisten. Und das ganze auch noch kostenlos, von der EU finanziert?

Ich bewarb mich also und freute mich sehr, als sich eine griechische Jugendorganisation bei mir meldete. Als Aushilfskellner in einem griechischen Restaurant war ich bereits ein wenig mit der griechischen Kultur vertraut und auch im Bereich der Jugendarbeit hatte ich in meiner Kirchengemeinde bereits gearbeitet. 

Kann man als Deutscher in Griechenland leben?

In den Wochen vor meiner Ausreise intensivierten sich jedoch die Spannungen zwischen Deutschland und Griechenland. In den Medien beider Seiten kam es zu offenen Auseinandersetzungen über die Frage, wer die Schuld an der Situation Griechenlands trage. Genau jetzt als Deutscher in Griechenland leben? Mir kamen Zweifel. Nach meinem Ausreiseseminar bei ODI e.V. in Köln, bei dem ich auf meinen Dienst im Ausland vorbereitet wurde, überwog dann aber die Vorfreude.

Neue griechische Heimat

Angekommen an meinem Einsatzort lösten sich meine Bedenken jedoch sofort auf. Wir - die neuen Freiwilligen - wurden mit einer Gastfreundschaft empfangen, wie man sie bei uns in „Nordeuropa“ (griechische Perspektive) nur selten erlebt. Mit Xylokastro (auf Deutsch „Holzburg“) bekamen wir eine typische griechische Kleinstadt als neue Heimat. Direkt am Golf von Korinth in der Mitte Griechenlands gelegen und darüber hinaus mit einer Vielzahl von Kaffees, Restaurants, Bar und Pita-Läden ausgestattet, wurde uns schnell klar, dass es sich hier ganz gut leben lässt.

Für die Zeit meines Freiwilligendienstes lebte ich in einer WG mit zehn anderen Freiwilligen aus ganz Europa. Eine sehr bereichernde Erfahrung, auch wenn es natürlich auch mal zu Missverständnissen kam. Ich hatte großes Glück und eine wunderbare Zeit mit meinen Mitfreiwilligen. Wie schade wäre es doch, hätte ich diese Menschen nie kennenlernen dürfen.

Arbeitsstelle und Aufgaben

Mein Arbeitsstelle befand sich direkt im Stadtkern, im hintersten Teil eines Bürgerbüros der Stadtverwaltung. Für Orfeas - meine Aufnahmeorganisation - kümmerte ich mich hier acht Monate um die Erledigung administrativer Dinge, die Organisation von Veranstaltungen, die Koordination neuer Freiwilliger aus ganz Europa und einer Menge anderer Kleinigkeiten, die noch so anfielen. Auch schrieb bzw. editierte ich den monatlichen Newsletter unserer Organisation.

Erlebnisse

Neben der Arbeit blieb uns aber auch immer genug Zeit, Griechenland und seine Nachbarländer zu bereisen. Griechenland selber bietet mit seinen vielen Inseln, Stränden, Bergen und historischen Orten eine unglaubliche Vielzahl an Ausflugsmöglichkeiten. Hitchhiking, Couchsurfing und Ryanair ermöglichten es uns, vieles davon zu entdecken. Mein erstes Mal Snowboardfahren in den Bergen der Peloponnes oder in der Abendsonne mit dem Squad über Santorini zu heizen, werde ich wohl so schnell nicht vergessen.

Auch wenn mir die träge Unorganisiertheit der Verwaltung, die Entfernung zu Freunden und Familie in Deutschland oder die Hitze im Sommer manchmal zusetzten, weiß ich doch, dass diese Zeit wahrscheinlich mit die Beste meines Lebens war. Ich werde mich noch gerne und viel zurückerinnern und plane schon meinen nächsten Besuch in meiner zweiten, doch so anderen Heimat.

Danke ODI vielmals

Ich bin Open Doors International e.V. sehr dankbar für die Vorbereitung, Organisation und konstante Unterstützung vor sowie während meines Freiwilligendienst. Inzwischen bin Mitglied bei ODI e.V. und werde versuchen durch eigenes Engagement (z.B. bei Ausreiseseminaren oder als Mentor für Internationale in Deutschland) Verantwortung zu übernehmen, um so Anderen kulturellen Austausch zu ermöglichen.

 

Liebe Grüße
Jan

Ansprechpartner EFD

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