Erfahrungsbericht EFD: Jessi in Bulgarien (2016-17)

Erfahrungsbericht EFD Varna 2016 / 2017

„Bulgarien?“ - Jep, ganz genau, ich war 10 Monate in Varna, um einen europäischen Freiwilligendienst zu machen. „Varna? - Dort ist doch der Goldstrand oder?“ Nein. Der Goldstrand ist noch ca. 25 Minuten Busfahrt von Varna entfernt und ist einfach nur ein Hotelresort, wo viele junge Menschen ihren Partyurlaub verbringen. Schade eigentlich, dass viele Bulgarien nur noch mit einem Ort für Party verbinden, wo das Land doch so viel mehr bietet.

Natürlich muss ich zugeben, dass ich bis vor einem Jahr auch nicht sehr viel über Bulgarien wusste. Zum Beispiel hatte ich keine Ahnung, dass die bulgarische Sprache im kyrillischen Alphabet geschrieben ist.

 Auf jeden Fall ging vor über einem Jahr meine Reise nach Bulgarien los. Mein erster Flug, mein erstes Mal eine längere Zeit im Ausland und ein unbekanntes Land und eine unbekannte Sprache. Also super Voraussetzungen für ein unvergessliches Abenteuer.

Meine Arbeit im Projekt habe ich sehr genossen, vor allem weil es sehr abwechslungsreich war. Wir arbeiteten in verschiedenen Institutionen, welche zwei Kinderheime, eine Behindertentagesstätte, eine Blindenschule, ein Blindenzentrum, eine Tagesstätte für kranke Kinder und ein Gymnasium waren. Generell war unser Arbeitsziel die Kinder zu beschäftigen durch selbstgeplante Aktivitäten und sie einfach glücklich zu machen.

So wird mir beispielsweise immer ein Tag in Erinnerung bleiben. Einmal war ich an einem Samstag außerhalb der Arbeitszeiten in dem einen Kinderheim und habe mit zwei Jungs Fußball gespielt und habe ihnen ein paar Gummibärchen gegeben. Irgendwann musste ich mich dann von den Jungs verabschieden und ging Richtung Ausgang, da rief der Eine nochmal meinen Namen. Als ich mich umdrehte, schaute er mich an und sagte auf Bulgarisch: „Dankeschön“. Dies war das erste Mal in meinem Leben, dass  ich so ein ernst gemeintes vom tiefsten Herzen herkommendes „Dankeschön“ bekam.

In diesem Moment wurde mir klar, wie wichtig unsere Arbeit ist. Für ein wenig Zuneigung und Zeit, die wir mit allen Kindern verbrachten, bekamen wir immer so viel zurück. Auch wenn es einfach nur ein Lächeln der Kinder war. Ich selbst habe dadurch auch gelernt, viele kleine Dinge mehr zu schätzen.

Des Weiteren konnten wir in dem Projekt immer wieder eigene Ideen einbringen, die dann auch von allen unterstützt wurden. Zum Beispiel habe ich in den letzten Monaten einmal wöchentlich einen Deutschclub mit Jugendlichen gehalten oder einem Jungen im Kinderheim Klavierunterricht gegeben.

Irgendwann jedenfalls wird dir in Varna  klar, dass du nun Teil der großen, verrückten BalkanKids-Familie (meine Organisation) geworden bist, in der meistens nichts nach Plan abläuft. Dann kommt mal ein Anruf, dass du jetzt sofort irgendwas machen sollst, keiner kommt pünktlich zu irgendwelchen Verabredungen oder deine Chefin bekommt die Idee „ich schreibe Shakespeare um und lasst uns das dann doch als Theater aufführen“.

Spontanität, Lockerheit und Offenheit sind alles Eigenschaften, die ich während meiner Zeit in Bulgarien schätzen gelernt habe. Wahrscheinlich wegen der Mentalität der Menschen und auch meinen ganz verschiedenen Bekanntschaften mit Menschen aus der ganzen Welt.

Außerdem sollte man seine freie Zeit während des Freiwilligendienstes zum Reisen nutzen, was in Osteuropa auch sehr preisgünstig sein kann. Während des EFDs lernst du auch ganz viele andere Freiwillige, die in Bulgarien sind, kennen. Das ist immer sehr schön sich gegenseitig zu besuchen. Da wird man dann auch einfach mal nach einmaligem Treffen zu Weihnachten nach Hause in Rumänien eingeladen, was auf jeden Fall ein Highlight meiner 10 Monate im Ausland war.

 

Schlussendlich kann ich einfach nur jedem empfehlen, die Chance zu nutzen und einen Europäischen Freiwilligendienst zu machen. Europa bietet so viel mehr als man glaubt. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte und klar würde ich auch meine Organisation in Varna direkt weiterempfehlen. Schade, dass ich nur einmal einen EFD machen kann!

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