Erfahrungsberichte China

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China, ein Reisebericht von Marlene

Einen Erfahrungsbericht über China zu schreiben ist gar nicht so einfach. Das „China“ gibt es nämlich gar nicht. Das Reich der Mitte ist mit seiner Geschichte, Geographie, Kultur, seinem Klima, seinen Völkern und seinen über 200 Sprachen sowie Dialekten genauso vielfältig wie der europäische Kontinent. Insofern kommt es immer darauf an, an welchem Ort man sich in China befindet und v. a. auch darauf, was man in China macht – ob man im Rahmen eines Schüleraustausches in einer chinesischen Gastfamilie lebt, mit chinesischen Kommiliton_innen zusammen studiert oder man dort arbeitet. Ich selber habe im Rahmen meines Studiums 7 Monate in Peking verbracht. Je nachdem, aus welchem Grund man sich nun in China befindet, soll dies kein Bericht zum Studium in China sein, sondern vielmehr ein Bericht zum Thema „Leben in China allgemein“ sowie eine Schilderung meiner Eindrücke, die ich durch meinen Aufenthalt in Peking mitgenommen habe.

Wenn man zum ersten Mal Boden in Peking betritt, dann könnte man das Gefühl haben -wären da nicht überall die chinesischen Schriftzeichen -, man befinde sich in jeder anderen Großstadt der Welt. Mit den zahlreichen Einkaufszentren, den vielen amerikanischen Ketten (Starbucks, KFC usw.) unterscheidet sich Peking auf der Oberfläche nicht sehr viel von anderen Teilen dieser Welt. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man jedoch zahlreiche Orte und Stätten, die typisch für China sind. Man merkt schnell, dass China ein Land zwischen Tradition und Moderne ist. Einerseits ist alles sehr hektisch und schnell. Auf den Straßen herrscht jeden Tag kilometerlanger Stau, die U-Bahnen sind jeden Tag überfüllt, man ist umringt von Hochhäusern, internationalen Textilgeschäften und Restaurants (allen voran Fast-Food-Ketten) und die Leute tragen die gleiche Kleidung wie im Westen. V. a. die Bücherläden in den Einkaufspassagen haben mich fasziniert. Das sind keine normalen Läden, sondern riesige Bibliotheken. Ich habe oft Stunden dort verbracht, mich dort auf den Boden gesetzt und sämtliche Literatur verschlungen. Das ist in chinesischen Büchergeschäften kein Problem – es stört niemanden, wenn man sich dort auf den Teppich setzt und Bücher liest. Viele Student_innen verbringen ihre Zeit zum Lernen dort anstatt sich die Bücher selber zu kaufen. Genau auf dieses hektische Leben trifft die Tradition, die einem dabei hilft, sich zu entspannen und in sich zu kehren. Neben den riesigen Wolkenkratzern befinden sich die traditionellen Hutongs sowie traditionelle Märkte, auf denen jeden Tag frisch eingekauft wird und gehandelt wird – und das direkt vor jeder Haustür. Bezüglich der Lebensmittel kann es für Europäer_innen jedoch teilweise erschreckend sein, wie frisch die Lebensmittel sind.

Dass lebende Hühner und auch andere Tiere auf dem Markt verkauft werden ist völlig normal. Das chinesische Essen ist genauso vielfältig wie das Land selber. Hinzukommt noch der Einfluss der japanischen und koreanischen Küche. So wie der_die Europäer_in gerne beim Italiener oder beim Griechen isst, so empfindet der_die Chines_in die koreanische und japanische Küche als besonders schmackhaft. Was mich an dieser Mischung aus Tradition und Moderne jedoch am meisten beeindruckt ist, dass die Menschen inmitten dieser riesigen Metropole ihre Tradition  und teilweise auch ihre Religion ausleben. Die Naturverbundenheit vieler Chines_innen kommt wunderbar zum Ausdruck. Mitten in Peking gibt es riesige Parks, die einfach nur unglaublich schön sind.

Oftmals trifft man in diesen Parks auf Leute in traditioneller chinesischer Kleidung, die Kampfkunst ausüben oder traditionell musizieren, z. B. indem sie Guzheng spielen. Diese Mischung aus Tradition und Moderne spiegelt sich auch im Verhalten vieler Chines_innen wider. Viele junge Menschen sind im Besitz der neuesten Technik, surfen täglich im Internet und sind in ihrem Lebensstil sehr modern. Auf der anderen Seite sind sie in vielen Bereichen auch wiederum traditionell. So möchten viele nur an einem bestimmten Datum heiraten, da eine acht (die Glückszahl in China) drin vorkommt oder eine Handynummer, in der eine acht vorkommt. Zu Geburtstagen und anderen Festen beschenkt man sich oft mit traditionellen Sachen, z. B. bekommt man zum Geburtstag häufig shoumian geschenkt. Shoumian sind ganz lange Nudeln, die man am Geburtstag isst und symbolisieren, dass man noch ein langes und gesundes Leben vor sich hat.

Man selber erlebt den Wandel Chinas in die Moderne tagtäglich mit. Peking ist im Grunde genommen eine riesige Baustelle (auf den Baustellen wird im Übrigen auch in der Nacht gearbeitet?). Es werden ständig neue Gebäude gebaut, Läden und Restaurants eröffnet und wieder abgerissen. So wie man die chinesische Moderne erlebt, so kann man auch die chinesische Kultur und Tradition erleben. Ich war beispielsweise einmal in einer Pekingoper. Es war einfach nur wunderschön! Allen voran die Bewegungen und Kostüme der Darsteller_innen haben mich fasziniert. Jede der einzelnen Bewegungen sagt etwas aus und steht für ein bestimmtes Symbol.
Eine schöne Erfahrung ist es auch zu erleben, welches Interesse die Chines_innen an einem zeigen. Sie stellen einem sehr viele Fragen zu seinem Interesse an China, aber auch zu seinem eigenen Land. Natürlich gehören dazu dann auch die obligatorischen Fotos? Beim Kontakt zu Chines_innen ist es natürlich von Vorteil, Mandarin zu sprechen. Mandarin ist kein Muss. Es gibt sehr viele, die seit Jahren in China leben ohne ein Wort Mandarin zu sprechen. Die Mehrheit davon hat aber kaum bis keinen Kontakt zu Chines_innen. Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass man auf diese Weise sehr viel weniger über das Land, die Kultur und die Leute lernt. Um das Land und die Leute richtig kennenzulernen, sollte man auch immer versuchen unter Chines_innen zu wohnen. D. h. z. B. in einer chinesischen Gastfamilie oder aber in einer privaten Wohnung, nicht aber in einem Studentenwohnheim (in solchen Wohnheimen hat man i. d. R. nur Kontakt zu anderen Europäer_innen oder Amerikaner_innen, da es in China für Chines_innen und Ausländer_innen getrennte Wohnheime gibt). Zwar habe ich in den Kursen der Universität sehr viel gelernt (v. a. war es sehr praktisch, dass in den Kursen ausschließlich Chinesisch gesprochen wurde), aber vielmehr habe ich durch den Kontakt zu Chines_innen während dieses Aufenthalts gelernt. Zum einen konnte ich wunderbar meine Chinesischkenntnisse in der Praxis anwenden. Zum anderen habe ich durch den Kontakt sehr viel über die chinesische Kultur und Gesellschaft gelernt. So war ich z. B. insgesamt zweimal bei chinesischen Eltern und Großeltern zu Besuch von chinesischen Freunden, wodurch ich den chinesischen Alltag ein wenig kennenlernen konnte. Unvergesslich in Erinnerung werden mir auch die vielen Kommiliton_innen aus allen Ländern dieser Welt bleiben, mit denen ich dank des Internets auf jeden Fall den Kontakt halten werde. 

Nicht zu vergessen sind auch die vielen Orte, die ich neben Peking besichtigt habe. Ich war z. B. in Shanghai, Nanjing, Xian (da habe ich die Terrakottaarmee gesehen), war auf der chinesischen Mauer und den Mingräbern, in Chengdu (dort habe ich eine Pandaaufzuchtsstation besucht) und war in Leshan – das ist der Ort mit der größten Buddhastatue der Welt. Diese Reisen werden für mich unvergesslich bleiben und v. a. auch die Menschen, die ich während dieser Reisen kennengelernt habe. Das waren nämlich hauptsächlich Bauern. Die Herzlichkeit der Bauern hat mich zutiefst beeindruckt. Sie haben so wenig, aber geben so viel. Ich hätte sehr gerne noch weitere Orte bereist, aber leider reichte mein Budget nicht dafür. Ich werde aber definitiv wiederkommen, da ich in diesem Semester mehr über China gelernt habe als in meinem gesamten bisherigen Studium.

Die Lebenshaltungskosten an sich sind im Vergleich zu Deutschland sehr niedrig. Es gibt super viele Sparmöglichkeiten in Peking. Ohne Miete kommt man, wenn man möchte, problemlos mit 100-120 Euro aus (und das ist sogar noch großzügig berechnet; nur Lebensmittel könnten auch nur, wenn man ganz sparsam ist, 60-80 Euro sein). Die Betonung liegt aber auf "wenn man möchte". Wenn man ein wenig verschwenderischer ist, muss man mit ein wenig mehr rechnen. Es gibt natürlich viele Verlockungen in Peking bzw. in China, denen man nicht widerstehen kann und die man auch nutzen sollte, da das Sachen sind, die man sich (zumindest aus meinr Sicher als Studentin) nicht mal eben so leisten kann. Das ist z. B. das Reisen, was extrem günstig ist, wenn man gut im Voraus bucht. Weggehen mit allem Drum und Dran ist auch sehr günstig. Ob man aber wirklich viel spart, liegt an einem selbst. Wenn man jeden Tag was unternimmt und nur westlich essen geht (westliches Essen ist im Vergleich zu Deutschland entweder gleich teuer oder ein bisschen weniger), ist das Geld natürlich schnell alle. Bus- und U-Bahnfahren ist auch preiswert. Man muss sich eine Karte kaufen, auf die man Geld laden kann für die Nutzung der Verkehrsmittel. Die Karte kostet 20 Kuai, kann aber wieder zurückgegeben werden; mit der Karte kostet U-Bahn-Fahren 1 Kuai; Busfahren 4 Mao. Taxifahren ist in etwa so teuer wie öffentliche Verkehrsmittel in Deutschland, kann man sich ab und zu mal gönnen, aber Verkehrsmittel sind eher zu empfehlen, da man somit natürlich super viel spart. Telefonkosten sind auch super billig. Man kann sich eine Handykarte kaufen, dann lädt der Handyverkäufer einem eine chinesische Software aufs Handy (bei mir hat das 95 Kuai gekostet, das war dann auch gleich das Guthaben zu Beginn). Das Guthaben hält extrem lange, bei mir hat es fast ein halbes Jahr gereicht. Blöd ist nur, dass man auch selber zahlen muss, wenn man angerufen wird. Auch Telefonate nach Deutschland sind relativ günstig. Man kann sich beispielsweise eine Karte mit 1000 Minuten kaufen, die umgerechnet etwa 20 Euro kostet. Vieles ist allerdings auch teuer als in Deutschland, beispielsweise die Kleidung in den westlichen Läden. Man kann natürlich auf den Märkten Kleidung billig kaufen, weil man da zusätzlich auch noch handeln kann. Man muss dazu allerdings sagen, dass die Qualität dieser Kleidung nicht so gut ist. Von daher ist es am besten, wenn man genug Kleidung mitnimmt.
Letztendlich kann ich nur noch einmal betonen, dass es extrem schwer ist, einen Erfahrungsbericht über China zu schreiben. Meine ganzen Eindrücke zu schildern würde v. a. viel mehr Platz benötigen. Auch wenn ich mit allen Aufenthalten zusammen bereits über 1,5 Jahre in China verbracht habe, bleibt mir dieses Land ein riesiges Rätsel, bei dem es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind sehr individuell, ich hoffe aber, dass ich viele von Euch neugierig gemacht habe, dieses Land zu entdecken. Meine Empfehlung lautet auf jeden Fall: bereist dieses Land, um es persönlich kennenzulernen, macht eure eigenen Erfahrungen – ich kenne sehr viele, die ihre Meinung über China nach einem solchen Aufenthalt verändert haben und es schätzen und lieben gelernt haben!

Testimonials Freiwilligenarbeit

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