Erfahrungsbericht Indien: Magdalena 2013

Magdalena, Rajasthan, Januar 2013

"Endlich hab ich mir meinen Traum erfüllt, ich bin überglücklich und stolz!"

Seit meiner Jugendzeit träumte ich davon, einmal als Entwicklungshelferin bzw. als Freiwilligenhelfer im Ausland zu arbeiten. Damals war ich aber zu jung und feige dazu. Dann habe ich geheiratet und zwei Kinder bekommen, und führe  mit meinem Mann selbständig einen Betrieb. Doch eigentlich war ich immer traurig, weil ich dachte, dass es nun zu spät ist, dass ich es versäumt habe.
2010 machte ich 10 Tage eine Reise nach Indien (Ladakh), um mir das Land anzusehen.

Ich habe mich in dieses Land sofort verliebt, sodass ich ein Jahr später nochmal in dieses Land, nach Gujarat reiste. Bei dieser Reise hatte ich viel Kontakt mit Menschen, die in ärmsten Verhältnissen leben. Dabei wurde der Wunsch in mir wieder wach, mit diesen Menschen sinnvoll zu arbeiten. Zuhause hab ich zuerst heimlich im Internet nach Kontakten gesucht, um doch noch eventuell meinen Traum zu verwirklichen. Mit Open Door International habe ich die perfekte Adresse gefunden, um mich nach vielem hin und her, soll ich oder soll ich nicht, schließlich anzumelden.
Und das war das Beste, das ich je gemacht habe.

Da ich ja schon 45 Jahre alt bin, hatte ich natürlich meine Zweifel, ob ich das schaffe. Die meiste Angst hatte ich vor Englisch. Da ich Englisch nach der Schule so gut wie nie, außer im Urlaub, brauchte, war das eine große Herausforderung für mich. Ich wusste, ohne Englisch brauch ich nicht nach Indien zu gehen, um zu arbeiten, das war mir klar. Also besuchte ich zwei Kurse und habe Zuhause fleißig gelernt. Und das war sehr wichtig und gut, wie sich herausstellte. Ohne Englisch geht da gar nichts, das ist klar.
Denn so bin ich mit einem besseren Gefühl an die Sache herangegangen, und ich bin dann ganz gut durchgekommen mit meinem Basic-Kurs. So bin ich also nach tausend Erledigungen Zuhause im Betrieb, Kinder und Einverständnis von meinem Mann nach Jaipur aufgebrochen.

In Delhi um 2 Uhr nachts angekommen, hab ich in einem Hotel ein paar Stunden ohne Schlaf den Rest der Nacht verbracht. Mit einen Tuktuk dann zur Busstation nach Jaipur, dann mit dem öffentlichen Bus nach Jaipur, Dauer ca. 6 Std. Die Fahrt dorthin war eigentlich sehr interessant und lustig, was man da so alles erlebt. In Jaipur  sind wir gegen 8 Uhr abends angekommen, habe mir dann ein Taxi ins Camp genommen.

Ich habe mich ja entschieden, bei einer Gastfamilie zu wohnen, aber da es schon so spät war, wurde ich vom Campmanager schon erwartet, der mich freundlich willkommen hieß und mir ein Bett für eine Nacht im Camp anbot. Ich war eigentlich nur mehr froh, in ein Bett zu fallen, ich war sehr müde.
Ich konnte sogar ein wenig schlafen, obwohl ich sehr aufgeregt war.

Am nächsten Morgen wurde ich vom gesamten Team herzlich willkommen geheißen, alle waren sehr nett und hatten die notwendige Geduld mit mir und meinem Englisch. Ich wurde mit weiteren, wesentlich jüngeren Volunteers in allen Dingen eingeweiht und an den jeweiligen Arbeitsplatz eingeteilt. Am Nachmittag konnte ich dann endlich meine Gastfamilie kennen lernen. Ich war sehr aufgeregt, wie sie denn so sein werden. Aber das war die beste Entscheidung, denn die Familie, sie haben zwei Kinder, waren super nett zu mir und ich konnte das Zimmer der Kinder beziehen.
Ich musste zwar das Zimmer ab dem zweiten Tag mit einem weiterem Volunteermädchen teilen, aber das machte mir nichts aus.

Mit dem Tuktuk gings dann am Morgen so um 9 Uhr ins Camp, und von da bin ich dann mit meiner indischen Betreuerin, sie war ein sehr junges Mädchen, ins Daycare-Center (Tagesheimstätte) getuckert. Selbst die Fahrt durch die Stadt war jedes Mal ein Erlebnis.
Die Arbeit im Daycare-Center hat mir riesig Spaß gemacht, mit den Kindern ein bisschen Englisch zu lernen, turnen, spielen und basteln. Da es nicht sehr viel zu Spielen gab, war es sehr hilfreich, dass ich Zuhause Spendengelder gesammelt habe, mit dem ich dann alle möglichen Dinge wie Stifte, Zeichenblöcke, Lego, Lernposters, Schreibtafel, Schuhe, Spielautos usw. kaufen konnte. Die Kinder waren überglücklich.

Da diese Arbeit nur bis 12 Uhr dauerte und ich nachmittags immer frei hatte, wollte ich unbedingt mehr Arbeit. So wurde ich nach Anfrage beim Campmanager für nachmittags in einem Waisenhaus eingesetzt, worüber ich sehr glücklich war. Dort habe ich dann von 14 bis 17 Uhr mit den Kindern gearbeitet. Dieser Platz hat mich sehr berührt, da die meisten der Kinder dort HIV-Positiv sind.
Diese Arbeit mit den Kindern war etwas ganz besonderes für mich und ich habe diese Kinder absolut in mein Herz geschlossen. Es war das bisher bewegendste und sinnvollste Erlebnis, das ich je gehabt habe.

Ja, und das schlimmste war dann aber eigentlich der Abschied, und deshalb habe ich mich nun dafür entschieden, von Zuhause aus zu helfen, indem ich Spendengeld sammle, das dort dringend für den Bau eines neuen Hauses benötigt wird.

Abschließend möchte ich allen sagen, die eventuell mit dem Gedanken spielen, irgend so etwas zu machen - macht es! Ich bin so stolz auf mich, dass ich nun endlich meinen Traum erfüllt habe und dass ich trotz meiner 45 Jahre kein einziges Mal das Gefühl hatte, dass ich zu alt bin, oder dass ich nicht mehr zum Team passe. Alle waren super nett zu mir und ich hatte riesig viel Spaß dabei. Ich habe nun viele Freunde mehr und viele Erfahrungen mehr, die ich niemals missen möchte.
 
Jaipur, ich komme bestimmt wieder!

Ansprechpartnerin Freiwilligenarbeit Indien

Testimonials Freiwilligenarbeit

Kurze Berichte von Freiwilligen, die mit uns im Ausland ihren Einsatz gemacht haben, findest Du in unserer Mediathek unter der Rubrik Testimonials!