Erfahrungsbericht Tansania: Judith 2012-2013

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Judith, Ilula Orphanage Program (IOP), November 2012 - Februar 2013

Drei Monate in einer Gastfamilie irgendwo in einem kleinen Dorf Mitten in Tanzania – ich war ja doch schon aufgeregt und ein wenig nervös, und je näher mein Abflugdatum rückte, desto schlimmer wurde es.

Kribbelig, voller Vorfreude und ein wenig ängstlich stieg ich hier ins Flugzeug und wurde in Dar es Salaam ohne Probleme am Flughafen abgeholt. Im Hotel wurde mir das Grundlegende erklärt, ein kleines Heft mit Tipps, Regeln, den wichtigsten Wörtern Kiswahili und ein Handy gegeben und am nächsten Morgen wurde ich in den Bus gesetzt, der mich acht Stunden später in Ilula absetzen würde. Mein neues Dorf für drei Monate.
Auch dort wurde ich natürlich abgeholt, sofort sehr herzlich empfangen, erst ins Waisenheim und dann zu meiner Gastfamilie gebracht. Im Waisenheim lernte ich die anderen Freiwilligen, fünf niederländische Mädels und eine Deutsche, die norwegische Leiterin und verschiedene einheimische Angestellte kennen.

Meine Gastfamilie bestand aus einer Frau, ihrem erwachsenen, tauben Sohn, dessen kleiner Tochter und zwei jugendlichen Pflegekindern. Ich hatte mein eigenes kleines Zimmer in dem Backsteinhäuschen. Außerhalb des Hauses befanden sich die Küche und das Bad, jeweils kleine Rechtecke aus Backsteinen oder Lehm mit Wellblechdach. Das Bad verfügte über eine Toilette mit Wassereimer und einem Abfluss in einer anderen Ecke, zum Duschen brauchte man also auch einen Eimer Wasser, fließend Wasser gab es nicht. Die Küche beherbergte ein paar Hühner in der hinteren Ecke, der restliche Raum wurde eingenommen von Feuerholz und zwei kleinen Kochstellen, auf denen die drei warmen Mahlzeiten pro Tag gekocht wurden. Meistens gab es Ugali, einen Maisbrei, der nach nicht viel schmeckt aber satt macht, Nudeln (erst in Wasser gekocht, dann mit viel Zucker und einer Prise Salz in Öl leicht angebraten) und/oder Reis, dazu Erbsen oder Bohnen, irgendwelche gekochten Blätter, die immer nur „green vegetables“ hießen und ein bisschen wie Blattspinat schmeckten, und Kartoffeln. Als Nachtisch gab es verschiedenste Sorten Obst und Früchte, von Mango über Papaya bis Ananas. Zum Frühstück gab es zusätzlich Brot mit salziger Butter und Tee.

Mit meiner Gastmutter konnte ich mich auf Englisch problemlos verständigen, sie hat mich mit in die Kirche oder zum Markt genommen, mir auf dem Weg ganz viele Menschen vorgestellt und gleichzeitig die üblichen Begrüßungsformeln auf Kiswahili beigebracht. Auch mit meiner kleinen Gastschwester konnte ich viel Spaß haben – und das ganz ohne gemeinsame Sprachkenntnisse, da sie erst wenige Wörter Englisch verstand. Meine Gastbrüder verstanden mich theoretisch, waren aber meist zu schüchtern um das zuzugeben oder mich überhaupt anzugucken ohne direkt beschämt lächelnd wieder wegzugucken. Auch mit dem tauben Vater der Kleinen konnte ich mich nach und nach besser verständigen, mit Hilfe von Zeichen oder Schrift.

Mein erster Arbeitstag im Waisenheim begann mit einer Führung über das gesamte Gelände, vom „Bite Cafe“ und einem kleinen Laden, in dem man so ziemlich alles bekommt, über das Waisenheim mit großem Gemüsegarten bis hin zur High School, die auch zum Ilula Orphanage Program (IOP) gehört.
In den nächsten elf Wochen half ich von Montags bis Freitags bei allem, was anfiel. Im Garten beim Unkraut jäten oder Salat ernten, in der Küche beim Kochen und abwaschen, beim Streichen der High School oder beim Mitgestalten des „Hodi Hodi“, dem Newsletter des IOP.  Auch im Bite Cafe konnte ich helfen, beim Zubereiten des Mittagessen oder Wasser holen aus dem Brunnen.
Samstags fuhren wir Freiwilligen mit dem DalaDala, einem kleinen Bus mit Sitzplätzen für ca. 9 Personen, der dann mit an die 30 Leute vollgestopft wird, nach Iringa, die nächste große Stadt, um uns dort mit Früchten vom Fruit Market, Souvenirs vom Massai Market oder typisch westlichem Essen (Brownies, Milk Shakes und Eis!) bei Neema Craft's einzudecken.

Als ich nach Iringa fuhr um mir Rastazöpfe flechten zu lassen, lernte ich zwei Massai kennen, mit denen ich mich gut verstand, und lud mich kurzerhand selber ein, Weihnachten in ihrem Dorf zu feiern. So traf ich mich also am 24.12., nachdem alles genauestens abgeklärt war, mit einem anderen Freiwilligen und den Massai in Iringa und fuhr mit ihnen in das kleine Dorf Tungamalenga.  Am Abend wurden wir durch die verschiedenen Familienverbände geführt und allen vorgestellt, und nach einer Mahlzeit (Ugali mit Bohnen, dazu Milch) wurde gesungen und getanzt. Wir wurden sofort mit eingebunden, sollten mitsingen und tanzen – ganz egal wie das bei uns aussah und klang, auch wenn sie darüber doch gegrinst haben. Das Weihnachtlichste war wohl ein Ast in einer Vase, geschmückt mit einer bunten Lichterkette, die schief vor sich hindudelte.
Am nächsten Tag wickelten mich zwei Frauen in die typischen Tücher, und gekleidet wie eine Massai wurde ich mit dem anderen Freiwilligen von zwei Massai durch die Dörfer geführt, bevor es dann auch schon wieder in die Gastfamilie ging.
Auch mein Silvester war ziemlich speziell, und wenn man das typisch Westliche gewohnt ist, wo um 0Uhr alles knallt und bunt leuchtet, war es wohl auch ziemlich traurig: wir waren ca. 20 Leute, bestehend aus den Freiwilligen, einer Gruppe Amerikaner und der Leiterin des Heims, haben den Abend mit Gesellschaftsspielen verbracht und sind um kurz vor 12 mit einer Flasche Sekt und Cola und 10 Miniraketen in den Garten gegangen. Nachdem wir uns um Mitternacht alle gedrückt und ein schönes neues Jahr gewünscht hatten, die Miniraketen abgefeuert (das einzige Feuerwerk weit und breit) und den Sekt geleert hatten, sind wir alle ins Bett gegangen. Aus dem Dorf hörte man nur ein paar Autohupen und ein bisschen Gesang.

An einem Wochenende gingen wir Freiwilligen im Ruaha-Nationalpark auf Safari, auf der wir Unmengen Impalas, Elefanten, Giraffen, Flusspferde, Löwen und sogar Geparden beim Jagen sehen konnten. Total beeindruckend und das Geld auf jeden Fall wert!!
Die letzten Tage meines Tanzania-Aufenthaltes verbrachte ich auf Zanzibar, eine wahnsinnig schöne Insel, weißer Strand, türkis-blaues Wasser und tolles Wetter.

Anfangs kamen mir 3 Monate unendlich lang vor, doch wenn die Zeit einmal angefangen hat, vergeht sie wie im Flug, und schon sitzt man wieder im Flugzeug, und lässt das Land, das man lieben gelernt hat, hinter sich. Eine wunderschöne Landschaft, eine tolle Kultur und sehr gastfreundliche Menschen. Das war mein erster, aber nicht mein letzter Tanzania-Besuch.
An einem Wochenende gingen wir Freiwilligen im Ruaha-Nationalpark auf Safari, auf der wir Unmengen Impalas, Elefanten, Giraffen, Flusspferde, Löwen und sogar Geparden beim Jagen sehen konnten. Total beeindruckend und das Geld auf jeden Fall wert!!
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Ansprechpartnerin Freiwilligenarbeit Tansania

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