Erfahrungsbericht Tansania: Sophia 2013

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Sophia, Ilula Orphan Program (IOP) Juli – Oktober 2013

Unglaublich gastfreundlich, hilfsbereit und kommunikativ, so würde ich die Menschen in Tanzania mit drei Worten beschreiben. Natürlich habe ich mir vor meiner Reise viele Gedanken gemacht. Wie wird es dort sein? Wie kann ich den Menschen dort helfen? Und werden dort andere nette Freiwillige sein?

Schon am ersten Tag, in Dar es Salam, ist mir die spürbare Herzlichkeit der Afrikaner aufgefallen. Mit großen Augen saß ich im Bus nach Ilula und konnte es gar nicht fassen, dass ich nun, nach so langer Planung, endlich in Tanzania war. Im Waisenhaus wurde ich sehr nett von den Mädchen, den Freiwilligen und den Mitarbeitern empfangen. Während meines Aufenthalts waren neben vielen Niederländern auch Freiwillige aus Belgien, Norwegen, Italien, Dänemark, Amerika und Kanada dort, so dass wir eine sehr bunte Truppe waren.

Die Mädchen, die alle zwischen 4 und 22 Jahren sind, leben dort wie eine richtig große Familie. Durch das enge Zusammenleben im Waisenhaus habe ich mich schon sehr bald zu dieser Familie dazugehörig gefühlt. Am Nachmittag und an den Wochenenden konnten wir  Zeit mit den Mädchen verbringen, da besonders die Älteren viel in der Schule oder auch im Waisenhaus zu tun haben. Gemeinsames Spielen im Freien, am Wochenende eine Geburtstagsfeier, ein Fernsehabend oder ein von uns Freiwilligen organisierter Beautyabend haben den Alltag der Mädchen abwechslungsreich gemacht.

Auch das Leben in einer afrikanischen Gastfamilie habe ich miterlebt. Nach den ersten sechs Wochen, die ich im Waisenhaus verbracht habe, bin ich für einige Wochen bei einer Gastfamilie im Dorf eingezogen. Das war eine ganz besondere und andere Erfahrung. Gemeinsam haben wir den Gottesdienst am Sonntag besucht, in dem ganz viel gesungen und getanzt wird. Ich konnte sogar bei einer Hochzeit einer Verwandten meiner Gastfamilie dabei sein und auch die Schulabschlussfeier meines Gastbruders war ein tolles Ereignis. So habe ich viele Traditionen, besonders auch die afrikanische Küche und das alltägliche Leben, kennengelernt. Auch das Erlernen von einfachen Worten der Landessprache, Swahili, war gar nicht so schwer.

Es ist schon erschreckend, wenn man das Leben der Menschen dort mit unserem Leben im  Wohlstand vergleicht. Eine Lehmhütte ohne Strom und fließendes Wasser, draußen wird auf dem Feuer gekocht, das Wasser vom Brunnen oder Fluss geschöpft und in den Wäldern Holz zum Feuermachen geholt. So sieht das Leben der meisten Menschen im Dorf aus. Doch trotz der sehr einfachen Verhältnisse wirken die Menschen zufrieden mit ihrem Leben. Besonders im Fernsehen haben mich Bilder über arme und kranke Kinder in Entwicklungsländern immer sehr bedrückt. Durch das Leben und vor allem das Helfen vor Ort, habe ich einen anderen Reichtum, in dem die Menschen dort leben, erfahren dürfen.

Ich war froh, dass ich während meines Freiwilligendienstes in vielen verschiedenen Projekten mitarbeiten durfte. Das Streichen in der Highschool oder die Mithilfe beim Bau eines Hauses gehörten zu meinen Aufgaben. Im Garten habe ich gemeinsam mit den afrikanischen Mitarbeitern das viele Obst und Gemüse versorgt und auch um die Tiere des Waisenhauses habe ich mich gerne gekümmert. In den umliegenden Dörfern konnte ich verschiedene Pflegefamilien besuchen und  den Alltag der Menschen besser kennenlernen. Auf der Straße haben wir gesponserte Kleider verkauft und in den verschiedenen Schulen in Ilula hatte ich die Möglichkeit zu unterrichten. Der Englischunterricht in einer Klasse mit ca. 40 Kindern, die kaum ein Wort Englisch sprechen, war für mich eine echte Herausforderung. Es hat mir aber großen Spaß gemacht und vor allen Dingen gezeigt, dass man auch ohne viele Worte kommunizieren kann. Diese Vielfalt an Projekten, neben den Aktivitäten mit den Mädchen, hat meinen Alltag sehr abwechslungsreich gemacht, so dass es nie langweilig wurde.

Für kurze Reisen, Tagesausflüge oder kleine Besichtigungen war auch genügend Zeit. Vor allem an den Wochenenden, an denen wir Freiwilligen frei hatten, haben wir Unternehmungen in die umliegenden Berge oder Städte gemacht. Mit anderen Freiwilligen habe ich das Projekt „Mehayo“ in Morogoro für einige Tage besucht. Dort konnten wir eine ganz andere Landschaft und ein tolles Projekt für Kinder mit Behinderung kennenlernen. Auf Safari im Ruaha National Park habe ich die Tiere Afrikas  ganz nah in freier Wildbahn erlebt. Und auch ein Besuch bei den Massais, einer sehr bekannten, traditionell lebenden Volksgruppe, war ein eindrucksvolles Erlebnis.
Ich kann dieses Projekt nur jedem empfehlen, der gerne mal eine ganz andere Welt kennenlernen möchte. Tanzania ist ein tolles Land, die Menschen unglaublich nett und gastfreundlich und im Projekt herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Ich habe so viel in diesen drei Monaten gelernt. Ich werde die Lebensfreude und Herzlichkeit, die die Menschen dort ausstrahlen, nie vergessen. Mich hat das Fernweh seit dieser Reise wirklich gepackt und ich weiß genau, dass das zwar meine erste, aber nicht die letzte Reise nach Afrika war.

Ansprechpartnerin Freiwilligenarbeit Tansania

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