Erfahrungsbericht Tansania: Teilnehmerin 2009

Ich arbeitete mit sehr inspirierenden Mädchen und jungen Frauen zusammen, die selbst ohne die Liebe und Unterstützung einer Mutter oder eines Vaters aufgewachsen sind. Ich beobachtete sie, wie sie sich jeden Tag mit aufrichtigstem Verantwortungsbewusstsein und Respekt umeinander kümmerten. Sie standen um fünf Uhr morgens auf, bereiteten sich gegenseitig das Frühstück zu, beteten, verrichteten verschiedene Hausarbeiten und gingen anschließend für den ganzen Tag in die Schule. Sofort nachdem sie von der Schule gekommen waren, machten sie sich daran, ihre am schwarzen Brett neben der Küche klar zugeteilten Hausarbeiten fortzuführen. Wenn sie Freizeit hatten, verbrachten sie diese meistens mit Fußballspielen, Netzball oder damit, sich um die Freiwilligendienstler zu versammeln und Späße zu machen. Danach aßen sie, beteten, und lernten.

An Dienstagen und Samstagen konnten wir als Freiwillige Aktivitäten für die Mädchen planen. Da ich einen tänzerischen Hintergrund habe, dachte ich mir, es würde ihnen Spaß machen, wenn ich ihnen tanzen beibringen würde. An einem Nachmittag führte ich sie in den Balletttanz ein, an einem anderen Abend schwangen wir die Hüften zu Salsa. Es machte so viel Spaß, sie lernen zu sehen, mit ihnen zu tanzen und sich über die Sprachbarriere hinweg mit Bewegungen als universeller Sprache zu verständigen. Wir brachten ihnen auch Englisch bei, wenn sie Zeit hatten, denn sie waren unheimlich neugierig. Wir saßen zusammen an ihrem langen Küchentisch, übten Grammatik und Konversationsenglisch. Wenn sie uns zufällig tagsüber begegneten, fragten wir sie ab. Viele von ihnen antworteten in perfektem Englisch und lachten vor Vergnügen oder Aufregung. Die Pflegefamilien zu besuchen war nicht einfach, aber definitiv die Mühe wert. Bei einigen Besuchen ging es in erster Linie darum, den Zustand der Küche, des Bades, des Schlafzimmers und die Verfassung der Kinder selbst zu beurteilen. Ich musste meine Ansprüche bezüglich meiner gewohnten Wohn- und Sicherheitsstandards erheblich herunterschrauben, denn was die Familien zum Leben zur Verfügung hatten, war ohne Zweifel weniger als ich jemals erlebt hatte. Zudem verbrachten wir Zeit damit, Kleidung durchzusehen und Passendes an die Pflegefamilien weiterzugeben. Wir besuchten ein Dorf, trafen uns mit den Pflegefamilien und verteilten die Kleidungsstücke gerecht an die anwesenden Familien. Wir gaben Kleidung, Schuhe und Moskitonetze aus. Bei anderen Gelegenheiten ging es um gesundheitliche Aufklärung und Safer Sex, wozu wir Präsentationen gaben. Das Safer-Sex-Seminar wurde an bestimmten Tagen abgehalten, an denen auf HIV getestet wurde und wir ebenfalls beteiligt waren. Ich schrieb die Testresultate, die vor mich hingelegt wurden, in einem verlassenen Gebäude auf.

Es brach mir das Herz zu sehen, wie diese Menschen Nachrichten bekamen, die ihr Leben für immer veränderten. Ich kann nicht beschreiben, welche Gefühlsregungen sich in meinem Körper abspielten: Angst gemischt mit Traurigkeit, Besorgnis und Liebe. Doch an den schweren Tagen gab es immer auch entspanntere Aktivitäten wie Kochen, Putzen, Gartenarbeit und Bauen, was für den Ausgleich sehr wichtig war. Die Betreuer waren jederzeit darum bemüht, diesen Ausgleich sicherzustellen.

Ansprechpartnerin Freiwilligenarbeit Tansania

Testimonials Freiwilligenarbeit

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