Familienzuwachs aus dem hohen Norden

Die Wahl des fünfköpfigen Familienrates war einstimmig: die Gastschülerin aus Island soll es sein! So kam es, dass Andrea Ende September mit einem großen Koffer und zwei Taschen in Düsseldorf aus dem Zug stieg und sich suchend nach uns umschaute. Mit ihrem sympathischen, offenen Wesen hat sie uns sofort für sich eingenommen und das ist bis heute, nach vier Monaten bei uns und nur eine Woche vor ihrem Abschied, so geblieben.

Die Überlegung, eine Austauschschülerin in unsere Familie aufzunehmen, gab es schon länger. Unsere beiden älteren Kinder waren selbst als Gastschüler im Ausland gewesen und hatten tolle Erfahrungen mit ihren Gasteltern gemacht. Als nun auch der Jüngste einen Auslandsaufenthalt plante, wurde es konkret - schließlich wurde dann bei uns für einige Monate ein Zimmer frei.

Es war eine Entscheidung, die wir alle nicht bereut haben. Man sieht sein Land, seine Umgebung und seine Gewohnheiten mit ganz anderen Augen, wenn man versucht, sie einem Gastschüler zu erklären und nahezubringen. Wir haben so viele Dinge unternommen wie schon lange nicht mehr: im Hochseilgarten klettern, Giraffen im Zoo besuchen, Lasertag spielen, alte Burgen und Schlösser besichtigen, auf Aussichtstürme klettern, Tretboot fahren, St. Martin erleben, allerlei Museen besuchen, über Weihnachtsmärkte bummeln,…  Und die Spiele der Fußballmannschaft anschauen, in der Andrea schon seit kurz nach ihrer Ankunft spielt. Die Mädchen dort haben Andrea sofort sehr herzlich aufgenommen - Sport integriert eben schnell.

Für uns war die Eingewöhnung nicht schwer. Andrea kam so oft wie möglich aus ihrem Zimmer zu uns ins Wohnzimmer, suchte den Kontakt und das Gespräch. Zu Anfang sprach sie nur Englisch mit uns, wir antworteten auf Deutsch, wenn es um wichtige Dinge ging auch mal auf Englisch. Es klappte von Beginn an gut mit der Verständigung und wir staunen jede Woche über Andreas Fortschritte. Inzwischen diskutieren und erzählen wir auch komplizierte Sachverhalte ausschließlich auf Deutsch. Andreas Übersetzungs-App kommt nur noch im Ausnahmefall zum Einsatz.

Der Schulbesuch hingegen fiel Andrea am Anfang nicht leicht. Sie war erstaunt über das hohe Anforderungsniveau und die Art des Unterrichts. Mündliche Mitarbeit, vor allem in der Oberstufe sehr wichtig, gibt es an isländischen Schulen kaum.  Ein Wechsel von der schon sehr aufs Abitur ausgerichteten Stufe 11 in die Stufe 10 half ihr dann. Dort konnte sie dem Unterricht besser folgen und hatte damit auch gleich mehr Spaß daran. Inzwischen hat sie Kontakte zu Mitschülern geknüpft und geht gerne zur Schule. Sehr interessant war es auch, als Andrea das für die 10. Klasse obligatorische Schülerpraktikum absolvierte. Der Einblick in die deutsche Arbeitswelt hat nochmals für viel Gesprächsstoff zuhause gesorgt.

Und dann kam die Weihnachtszeit, mit all ihren unterschiedlichen Bräuchen. Es war uns klar, dass gerade in dieser emotionalen Zeit schnell Heimweh aufkommen kann und wir versuchten, Andrea so gut es ging abzulenken. Spätestens als wir alle im Auto saßen und Richtung Süddeutschland auf Familienbesuch fuhren, war die Traurigkeit vergessen. Es waren sehr schöne Urlaubstage, zwar ohne Schnee, den eine Isländerin zu Weihnachten besonders vermisst,  aber mit vielen gemeinsamen Unternehmungen.

Nun sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge dem Abschied entgegen: Wir sind froh, einen so tollen jungen Menschen kennengelernt und so viel über Island gelernt zu haben. Und wir sind traurig, ein liebenswertes, humorvolles und aufgeschlossenes Familienmitglied verabschieden zu müssen. Aber die Planungen für unseren Island-Urlaub laufen schon!

Ansprechpartnerin Gastaufnahme Deutschland