Fußballleidenschaft und Neuschwanstein-Sehnsucht

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Es war der 26. September, als ein ICE aus dem Rheinland im Bahnhof Berlin Spandau einrollte – mit an Bord nach einem 4-wöchigen ODI-Deutschkurs in Köln: 3 Japanerinnen und eine Mexikanerin. An den Tagen zuvor hatten wir noch das eine oder andere zu tun: Natürlich Fuyumis Zimmer vorbereiten – die verbliebenen persönlichen Dinge unserer mittleren Tochter, die für ein Jahr als Austauschschülerin in den USA weilt, zusammenpacken und auf den Dachboden bringen, ein paar Süßigkeiten und Geschenke platzieren und frische Blumen aufstellen. Und da wir während unserer Japan-Vorbereitungszeit gelesen hatten, dass Japaner(innen) liebend gerne baden und weniger duschen (bei uns ist das umgekehrt), haben wir auch unsere Badewanne reaktiviert, in der seit einigen Jahren hauptsächlich unsere Wäschekörbe samt frisch gewaschener Wäsche lagern. Aber was macht man nicht alles...
Unsere älteste Tochter hatte noch kurzerhand ein Willkommen-Fuyumi-Plakat angefertigt – wie bei uns üblich mit begrenzten künstlerischen Mitteln. In Spandau auf dem Bahnsteig waren wir so jedenfalls bestens zu erkennen. Und umgekehrt erkannten wir Fuyumi ohnehin an Ihren 1,50 Meter und an ihrem unverwechselbaren Lächeln.

Die ersten Tage: Viele haben geholfen

Das erste Wochenende hatten wir ziemlich gut durchorganisiert, was sich hinterher auch als gut herausstellte. Freunde besuchten uns, deren Kinder auf die gleiche Schule wie Fuyumi gehen und die sich in den ersten Tagen (und Wochen) um sie kümmerten. Schon zuvor waren wir in der Schule mehrfach vorstellig geworden, um Yumis Ankunft vorzubereiten. Der Schulleiter des Goethe-Gymnasiums in Nauen übernahm die Angelegenheit selbst, hatte bereits zwei Mädels engagiert, die den festen Auftrag hatten, sich um Yumi zu kümmern „Sorgt dafür, dass sie sich wohl fühlt!" Das hat alles perfekt geklappt und wir sind der Schule, die darüber hinaus zahlreiche Sonderregelungen – samt zusätzlichem individualisiertem Deutschunterricht – für unsere Japanerin organisierte, zum großen Dank verpflichtet. Schule läuft!

Nicht alles läuft rund ;)

Was läuft eigentlich nicht? Die Antwort hierauf ist sehr einfach: Schuhe kaufen. Wir sind sie (fast) alle abgelaufen, die kleinen und großen Schuhläden des Havellandes und des Berliner Westens. Aber wer in Deutschland nach Damenschuhen der Größe 34 sucht, der ist wahrlich nicht zu beneiden. Dazu nahte der Winter und das aus Japan mitgebrachte Schuhwerk war kaum geeignet, für warme Füße zu sorgen. Am Ende kam ein Kompromiss heraus: Winterstiefel in klein ausgefallenen 36, naja. Und zu Nikolaus wollte sie sich die in Größe 43 ihres Gastbruders ausleihen – sicher ist sicher. Trotzdem: Schuhe kaufen – läuft eher nicht!

Fuyumi ist sportlich und sportinteressiert. Sie liebt es, Fußballspiele zu besuchen – von der Bundesliga (mit Kindergartenfreundin bei Werder Bremen) über einen Stehplatz bei Union Berlin (tapfer auf Zehenspitzen) bis zur Brandenburger Landesklasse der C-Junioren (tapfer auch bei Kälte), in der ihr Gastbruder spielt. Und sie möchte selbst dieses „deutsche Handwerk“ lernen. Sehr mutig, dass sie sich bei den B-Juniorinnen in der Nachbarstadt anmeldete, um dort zweimal in der Woche zu trainieren. Respekt!

Außerdem spielt Fuyumi regelmäßig mit uns Badminton – ebenfalls mit Begeisterung. Neulich hat sie mit ihrem Gastvater als Doppelteam im Rahmen eines Familienturniers teilgenommen. Es gab zwei Siege und vier Niederlagen – und natürlich jede Mange Spaß.

Kulinarisches und Reisen

Fuyumi ist unserer Familie immer freitags für das Essen verantwortlich. Wir freuen uns vor allem über etwas Leckeres aus der japanischen Küche. Mit Sushi hat sie beispielsweise ihre (ältere) Gastschwester für ein halbes Jahr nach Australien verabschiedet. Und ihre Frühlingsrollen – unglaublich. Warum schmecken die im Restaurant eigentlich nicht so gut.

Im Gegenzug erfüllen wir auch ihre Wünsche, soweit das für uns möglich ist. Zum Brandenburger Tor wollte sie – was für uns wahrlich keine logistische Herausforderung war. Aber was will sie eigentlich noch sehen, so lange sie hier in Deutschland ist, haben wir sie unbedachterweise einmal gefragt. Natürlich gab es für eine Japanerin da nur eine mögliche Antwort: Neuschwanstein. Hastig zerrten wir eine Deutschlandkarte hervor, um ihr den weiten, weiten Weg dorthin aufzuzeigen, was sie allerdings nur mit einem Schulterzucken quittierte. Um es kurz zu machen: Die Ferienwohnung im Allgäu ist für die Osterferien gebucht. Was macht man nicht alles.

Übrigens: Fuyumi hat noch kein einziges Mal gebadet. Im ODI-Einführungskurs hatte man ihr nämlich beigebracht, dass in Deutschland bevorzugt geduscht wird. Und daran hält sie sich natürlich.

Ansprechpartnerin Gastaufnahme Deutschland