Da unsere zwei ältesten Söhne während ihrer Schulzeit jeweils für 10 Monate in einer Gastfamilie im Ausland Unterkunft gefunden haben und dort zur Schule gegangen sind, haben auch wir uns als Familie überlegt, Gastschüler bei uns aufzunehmen. Und so begann im Sommer 2014 unser Jahr mit unserem dritten Austauschschüler, Simon aus Bogota in Kolumbien.
Da unser ältester Sohn als Teamer beim Begrüßungs-Seminar für die neuen Austauschschüler in Köln dabei war, konnten die beiden die anschließende Reise mit der Bahn von Köln nach Hannover gleich gemeinsam antreten, so dass Simon sich nicht so einsam fühlen musste.
Schon bei der Ankunft merkten wir, dass er ein sehr aufgeschlossener Junge ist, der zudem auch noch sehr gut Deutsch spricht, da er in Kolumbien eine Deutsche Schule besucht.
Von Anfang an war er nicht schüchtern, sondern ging fröhlich auf die Menschen zu. Dadurch bekam er sehr schnell Kontakt zu seinen Mitschülern, insbesondere zu den anderen Austauschschülern am Gymnasium Mellendorf.

Sicherlich neu für ihn war, dass er jeden Morgen mit dem Rad zur Schule fahren konnte, denn zu Hause in Bogota kann er sich nur in Begleitung von Leibwächtern aus dem Haus bewegen. Diese Freiheit hat er sehr genossen und fühlte sich bald schon in unserem Dorf, im Schulort Mellendorf und im nicht weit entfernten Hannover heimisch.
In den Herbstferien hatten wir uns vorgenommen, in Österreich einige Wandertouren zu machen. Da es dort schon sehr früh und ausgiebig geschneit hatte, wurde aus mancher Tour eine Rutschpartie, bei der es auf dem Hosenboden der Regenhosen den Berg wieder hinunter ging, auf den wir uns vorher im knietiefen Schnee hoch gekämpft hatten. Diese Rutschpartien waren eine Riesengaudi und nach dem ersten Mal war es erklärtes Ziel, besonders schöne „Rodelstrecken“ zu finden, auf denen man möglichst lange rutschen konnte. Da Simon schon mit seiner Familie in Österreich im Ski-Urlaub gewesen war, war es für ihn nicht der erste Schnee. Aber die Erfahrung von Jahreszeiten, insbesondere vom Winter mit seiner frühen Dämmerung und den gemütlichen Stunden bei Kerzenschein am Ofen, waren für ihn ganz neu. Und durch unser Gastkind haben auch wir als Familie diese Zeit noch einmal viel intensiver erlebt und sozusagen durch seine Augen unsere Familientraditionen noch einmal neu wahrgenommen und genossen.

Das ist überhaupt eine Erfahrung beim Schüleraustausch: Vieles, was wir als ganz selbstverständlich ansehen und das für uns nichts besonderes mehr ist, haben wir wieder neu kennen und schätzen gelernt.
Die Zeit mit Simon war lustig und ist schnell vergangen. Wir sind zusammen Ski gefahren, haben eine Radtour nach Dresden gemacht, im Zelt geschlafen, Familienfeste gefeiert, im Chor gesungen, natürlich manchmal gestritten und uns geärgert, aber uns auch wieder vertragen und ganz viel gelacht.
Natürlich gibt es immer lustige Anekdoten, wie zum Beispiel seine Fahrt zum Mittelseminar nach Berlin. Nach einem halben Jahr Aufenthalt bei uns und diversen Zugfahrten, hielten wir die Anreise mit der Bahn für unproblematisch. Nachdem er also bei uns mit der S-Bahn abgefahren war, sollte er in Hannover in den Zug nach Berlin umsteigen mit von ODI besorgtem Ticket und Sitzplatzreservierung. Nach etwa 2 Stunden rief er bei uns an, um uns lachend mitzuteilen, dass er in Bielefeld gestrandet sei, aber schon alles für eine Weiterfahrt nach Berlin geregelt hätte. Und tatsächlich ist er an dem Tag doch noch dort angekommen, wo ihn das ODI-Team schon erwartete. Durch unsere Austauschschüler und die Gastfamilien unserer Kinder fühlen wir uns um die ganze Welt herum vernetzt, wir kennen Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen und vor allem unsere Kinder haben gelernt, sich nie vorschnell Urteilen anzuschließen, die nur auf der Herkunft oder dem Wohnort eines Menschen beruhen. Wir sind dankbar, dass wir dies als Gastfamilie erleben konnten und dass es Organisationen gibt, die uns diese Kontakte ermöglichen und es unseren Kindern erleichtern, diese Erfahrungen zu sammeln.

Ansprechpartnerin Gastaufnahme Deutschland