Erfahrungsbericht China: David 2010

Ich habe jetzt drei Wochen meines dreimonatigen Chinaaufenthaltes rum und ich liebe es! Ich bin Ende Mai in Shanghai angekommen, wo ich einen Monat Englisch in einem Kindergarten unterrichten und einen Monat in einem Sommercamp einer Grundschule arbeiten werde. Letztes Jahr habe ich an einem Austausch nach Hongkong teilgenommen und danach wollte ich unbedingt mehr von China kennenlernen.

Außerdem wollte ich schon immer Freiwilligendienst im Ausland leisten und dieser Aufenthalt gibt mir die Möglichkeit, beides zu kombinieren.

Ich bin an einem Montag angekommen und Shelley von Xu Bo (Freiwilligendienstorganisation) holte mich vom Flughafen ab. Das Schwierigste war, den Rest des Tages wach zu bleiben, um gegen den Jetlag zu kämpfen! Die  Zeit der Orientierungswoche verbrachte ich in der Wohnung des Freiwilligendienstes. Eine andere Freiwillige, Kelly O’Flaherty, kam am selben Tag wie ich an und wir machten den Orientierungskurs zusammen. Wir machten Sightseeing, lernten einiges über chinesische Geschichte und Kultur und bekamen Mandarin-Unterricht, damit wir uns besser zurechtfanden. Zudem besuchten wir die Schulen, an denen wir in der darauffolgenden Woche unsere Arbeit aufnahmen und lernten Lehrer und Schüler kennen. Diese erste Woche war super, um mich erst einmal ein wenig in der Stadt einzugewöhnen, bevor ich mit meiner Arbeit anfing. Zum einen lernte ich mit chinesischen Handykarten und U-Bahn-Fahrkarten umzugehen und zum anderen hatte ich Zeit die anderen Freiwilligen kennenzulernen, mit denen ich in der nächsten Zeit zusammenarbeitete und –lebte.

Als ich mich für den Freiwilligendienst bewarb, war ich ein wenig besorgt, dass ich der einzige Freiwillige sein würde, alleine für zwei Monate in einer großen Stadt. Einige Zeit bevor ich aufbrach erfuhr ich jedoch, dass Kelly ebenfalls dort sein würde und als ich in Shanghai ankam, fühlte ich mich auch gleich wohl. Hier gibt es um die zehn Freiwilligen aus ganz Europa, so dass immer jemand da ist und es etwas zu tun gibt. Schon in der kurzen Zeit, in der ich hier bin, habe ich tolle Freundschaften geschlossen und mache schon Pläne mit meinen neuen Freunden China zu bereisen, wenn wir mit unserem Freiwilligendienst fertig sind. Alle Betreuer vor Ort sind sehr freundlich und ich fühlte mich von Anfang an als wäre ich zu Hause. Alle sind wirklich sehr hilfsbereit den Freiwilligen gegenüber, schreiben z.B. Adressen auf Chinesisch auf für die Taxifahrer und beantworten all unsere Fragen.
Nach der Orientierungswoche ging es für Kelly, drei andere Freiwillige und mich in den Kreativitäts-Kindergarten Shanghai, wo wir unsere Arbeit zu begannen. Die anderen Freiwilligen arbeiteten dort schon einige Wochen und hatten sich schon eingewöhnt, doch ich war wegen des Englischunterrichts, den ich geben sollte, sehr aufgeregt. Die Unterrichtsstunden an sich sind nur 20 Minuten lang, weil die Kinder  so jung sind, aber es kann trotzdem schwierig sein, die Aufmerksamkeit der Kinder für diesen Zeitraum hoch zu halten. Ich bringe ihnen Lieder bei oder spiele mit ihnen so viele Spiele wie möglich, damit sie sich Wörter und Sätze merken. Es macht Spaß, sie dabei zu beobachten, wie sie mit dem Rhythmus der Lieder versuchen bis zehn zu zählen oder Antworten zu geben. Ich war besorgt, dass es schwierig würde, in China Englisch zu unterrichten, ohne dass ich selbst Chinesisch spreche oder eine wirkliche Lehrerausbildung habe, aber die Lehrer bleiben im Raum und helfen mir Dinge zu erklären und dass die Kinder still sitzen (zumindest so still, wie man das von Vierjährigen erwarten kann).

In meiner ersten Woche im Kindergarten mussten wir sieben Tage durcharbeiten wegen des Drachenbootfestes. Wir bekamen den darauffolgenden Montag bis Mittwoch für das Fest frei, allerdings musste jeder in China das Wochenende davor arbeiten, um die freien Tage zu kompensieren, was wir alle etwas komisch fanden. Am Sonntag organisierten zwei Freiwillige einen Österreich-Holland-Tag, an dem sie Fahnen bastelten und traditionelle Spiele spielten. Ich hoffe, dass ich mit einem anderen Freiwilligen zusammen demnächst auch einen Irlandtag organisieren kann. Am Sonntag waren dann alle total geschafft und freuten sich auf ein paar freie Tage. Uns wurde gesagt, dass während des Festes Drachenbootrennen stattfinden sollten, aber irgendwie fanden wir sie nicht…Bis wir später herausfanden, dass die Rennen alle schon um acht Uhr morgens anfingen und längst vorbei waren, bevor  wir an unseren freien Tagen aus dem Bett kamen. Dass die anderen Freiwilligen hier sind, ist toll, weil wir so die Nachmittage und die freien Tage miteinander verbringen können, bevor wir in den Kindergarten zum Schlafen gehen. Es gibt so viel zu tun und zu erleben in und um Shanghai, so dass es ist nicht schwer ist eine Beschäftigung zu finden. Wir sind die einzigen Leute, die auch in der Schule wohnen und die leeren Klassenräume und Flure sind ziemlich unheimlich nachts.
Ich habe mich von Anfang an in Shanghai wie zu Hause gefühlt. Es ist eine riesige Stadt, in der Du Chinas rasante Entwicklung jeden Tag um Dich herum erlebst. Im Moment (Juni) setzt hier eine feuchte Hitze ein, die mir bis zum Ende meines Aufenthaltes erhalten bleiben wird. Draußen können wir in Shorts und T-Shirt rumlaufen und es ist jedes Mal eine willkommene Abkühlung, wenn wir nach drinnen gehen, wo es Klimaanlagen gibt. Die Straße zu überqueren ist eine Erfahrung für sich, da rote Ampeln und Fußgängerüberwege keine große Bedeutung haben und Busse, Taxis und Fußgänger sich ihren Weg zwischen den Autos durch bahnen. Eines der besten Dinge an China ist das Essen. Es gibt so viele verschiedene Dinge, die man probieren kann und alles ist so günstig, dass wir jeden Abend für weniger als zwei Euro essen gehen können.

Bis jetzt ist meine Zeit hier verflogen – ich kann kaum glauben, dass ich schon vier Wochen hier bin. Mir macht die Arbeit im Kindergarten richtig Spaß und freue mich schon auf die Arbeit im Sommercamp in zwei Wochen.