Erfahrungsbericht Argentinien: Carmen 2013-2014

Wie sich ein Auslandsjahr anfühlt

Der Anfang bestand nur aus einer spontanen Idee. Was es jedoch wirklich ist, konnte ich mir nicht mal im Traum vorstellen. Dieses Jahr verlief rasant und obwohl ich viel Fantasie habe, widersprach es jeglichen Vorstellungen:
Gerade war da noch das supertolle Gefühl, den ganzen Papierkram erledigt zu haben und die aufregende Suche nach brauchbaren Sachen für den Koffer. Danach ein kurzer Moment mit gemischten Gefühlen am Flughafen und dann die erste informative Woche im Gastland.

Besonders aufregend ist der Moment, wenn man seine „neue Familie“ kennenlernt. Fortan warten überall ungewohnte Dinge und fremde Menschen, mit denen man versucht, zu kommunizieren – mehr oder weniger erfolgreich. Wenn dich jemand anspricht und du keinen Plan hast, was er von dir möchte, entsteht oft peinliche Stille. Dann sagst du vielleicht voreilig: „Ja!“ und alle lachen. Du auch, ohne den Grund zu kennen.

Viele Dinge sind am Anfang unklar. Ich erinnere mich z.B. noch genau an den ersten Schultag. Alle Mitschüler schauten mich neugierig an. Doch der Kontakt klappte super, bis ich jemanden fragte, wo ein freier Platz sei. Eine Gruppe von Mädchen begann zu kichern, andere blickten mich erstaunt an. Warum? Ein Junge bot mir hilfsbereit den Stuhl neben sich an. Ich wusste: Hier hatte ich etwas Seltsames gesagt. Leicht irritiert setzte ich mich. Eine Woche lang saß ich am selben Platz, dann fand ich heraus, dass es gar keine feste Sitzordnung gibt! ? Ähnliche Erlebnisse folgten.

Doch die Situation ändert sich merklich. Nicht schlagartig von einem Tag auf den anderen, eher wie ein leichtes Nieseln – viele kleine Tropfen fügen sich zu neuen Einsichten. Manchmal mühsam kämpft man sich voran und baut langsam ein anderes, teilweise völlig neues Leben auf. Dinge, die man zuvor nicht kannte, hat man plötzlich ständig. Für alles ein gesundes Mittelmaß zu finden und beim Finden möglichst niemanden zu verletzen, kann ganz schön anstrengend sein! Die neue Situation erfordert Feingefühl, Verstand, viel Geduld und Verständnis. Im Zweifelsfall hilft: schüchtern gucken, dann eine nette Person zur unklaren Lage befragen und Verhalten kopieren. Mit Mut und Willenskraft gewinnt man täglich etwas mehr interkulturelle Kompetenz.

Am Ende des Jahres fühlt man sich erwachsener, hat viele neue Freunde und lustige Erinnerungen und ist in einer zuvor unbekannten Welt heimisch geworden.
Grundsätzlich macht jeder sein eigenes Auslandsjahr. Es ist dabei nicht wichtig, ob man Fehler macht oder vielleicht von Anfang an perfekt gestartet ist, denn jeder macht SEIN ganz persönliches Jahr, mit Malheuren und schlechten Tagen.


Wichtig ist: Man sollte die Initiative ergreifen und nie aufgeben, denn wie dieses besondere Jahr wird, hängt nicht vom Umfeld, sondern von der eigenen Person ab.
„Es liegt nicht an der Welt an sich, vielmehr an der Weltansicht!“

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

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