Wie war es in Argentinien? Das ist wohl die Frage, die ich in dem letzten halben Jahr am häufigsten gestellt bekommen habe. Obwohl die Frage so einfach und banal scheint, ist ihre Antwort jedoch wesentlich komplexer. Wie soll man denn ein Auslandjahr in ein paar Sätzen beschreiben? Es ist nicht gut aber auch nicht schlecht. Es ist wunderbar kompliziert und spannend langweilig. Es ist einfach etwas ganz besonderes. Eine Erfahrung, die man nicht gemacht haben muss, aber die das Leben, den Alltag und die eigene Sicht der Dinge auf eine tolle Art verändert. 

Als ich anfing zu überlegen wo denn meine große Reise hingehen sollte, war für mich, wie wahrscheinlich für viele, ziemlich klar, dass ich in die USA wollte. Ich war voll und ganz dem American Dream verfallen. Bis mir jemand den Tipp gab, doch auch nochmal in eine andere Richtung zu denken, und so wurde es dann nach langem Hin und Her Argentinien. Ich machte mich also auf ins Ungewisse. Von Argentinien hatte ich noch nicht sonderlich viel vorher gehört, was im Nachhinein gar nicht so schlimm war. Denn man kann noch so viele Reise- und Kulturführer gelesen haben. Am Ende ist doch alles anders. 

Mitte Februar ging es also dann los. Der Abschied von meinen Eltern war für uns alle nicht leicht. Es ist schon komisch zu wissen, dass man in den nächsten Monaten von den Menschen, von denen man doch so abhängig ist, getrennt sein wird. Anstelle ihrer kommt das Ungewisse, das Neue, das Aufregende. 

Nach fast einem Tag kamen ich und noch ein paar andere Austauschschüler, mit denen ich zusammen geflogen war, im Hotel an. Dort trafen wir zum ersten Mal auf Antje, unsere Betreuerin. Wie sich herausstellen sollte, war sie für mich während des ganzen folgenden Jahres immer eine gute Ansprechpartnerin. In drei Tagen wurden wir auf das Leben in unserer neuen Familie und unserem neuen Heimatland vorbereitet. Das heißt, über alle „do´s“ und „don´ts“ aufgeklärt. Wir machten einen ersten gemeinsamen Ausflug in die Stadt, wo wir lernten Busfahrkarten zu kaufen und Geld abzuheben. Außerdem lernten wir jede Menge Spanisch. Obwohl ich fast kein Wort Spanisch konnte, als ich ankam, fühlte ich mich nach diesen drei Tagen doch relativ gut gewappnet für Spanische Konversationen. 

Der aufregendste und angespannteste Moment war der, in dem meine neue Familie durch die Tür des Hotels kam. Zwar kannte ich meine zwei Brüder, meine Schwester und meine Gasteltern schon von Fotos und einigen E-Mails, aber ich war trotzdem ungemein gespannt auf diese fünf Personen, die mich jetzt in ihr Leben aufnehmen würden. Gleich im ersten Moment waren meine Sorgen vergangen. Argentinier sind sehr herzlich und so wurde ich also direkt von allen total nett umarmt und aufgenommen. Es fiel mir nicht sonderlich schwer mich an meine Familie „anzupassen“. Letztendlich leben die Argentinier genauso ihr Leben, wie wir in Deutschland auch. Es gibt aber trotzdem ein paar Dinge, die anders sind als hier. Zum Beispiel ist es üblich, dass man sich mit seinen Geschwistern ein Zimmer teilt. Ich habe es mir mit meiner Schwester geteilt und ich finde es hat mir auf jeden Fall nicht geschadet. Der Tagesablauf in Argentinien ist ebenfalls anders als in Deutschland. Man steht zwar unter der Woche früh auf, weil man in die Schule muss, geht aber dafür frühestens um elf abends, meistens noch später erst wieder schlafen. Zum Schlafaufholen gibt es die „Siesta“, das Mittagsschläfchen. Abendessen gab es ebenfalls spät, meistens nicht vor zehn Uhr. Das war ich von zu Hause gar nicht gewohnt!

Ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass man zum Sprechen nicht unbedingt Worte braucht. Oftmals versteht man sich mit Gesten und ein Lächeln ist in Argentinien sowieso wichtiger als tausend Worte. Die wohl häufigsten Ausdrücke in meinen ersten Monaten waren sí (ja) und no sé (ich weiß es nicht). Doch die Argentinier sind sehr geduldig, gerne erklären sie einem Sachen vier-, fünfmal oder so oft man es braucht. 

Es war für mich sehr leicht, Freunde zu finden. Argentinier sind aufgeschlossen und sehr neugierig. Direkt an meinem ersten Schultag war ich umringt von interessierten Mitschülern, von denen viele meine Freude bleiben sollten. Mit ihnen habe ich mich oft und gerne zur „merienda“ (eventuell mit unserem Drei–Uhr Kaffee vergleichbar) getroffen, war im Kino, oder wir haben unternommen, was man halt auch in Deutschland so alles mit seinen Freunden macht. 

Besonders erwähnen möchte ich noch die vielen schönen Reisen die ich unternehmen konnte und die ich nur weiterempfehlen kann. Argentinien ist so riesig und es gibt eine Vielzahl an Landschaften, die man entdecken kann. Aber davon jetzt auch noch im genauen zu berichten wäre zu viel. Außerdem kann ich euch nur raten es selbst zu erleben. 

Ein Jahr Argentinien ist etwas, dass ich nie vergessen werde und immer ein Teil von mir bleiben wird.

Ilka

Ansprechpartnerin Argentinien

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