Gerade eben überlegte ich noch, in welches Land ich gerne gehen würde, und jetzt habe ich das Jahr meines Lebens leider schon wieder hinter mir.

Ich wollte schon immer mal andere Kulturen kennen lernen. Ein spanischsprachiges Land sollte es sein. Spanien selbst war mir viel zu nahe und dann kam mir Argentinien sofort in den Sinn. Mein ehemaliger Spanischlehrer erzählte immer sehr gerne und sehr viel über dieses wohl so schöne Land und sofort war mir bewusst, da will ich hin! Gesagt, getan und ich war angemeldet. Monate, Wochen, Tage…ich konnte es kaum erwarten. Doch allmählich kamen auch einige Ängste, aber durch das Vorbereitungsseminar von ODI wurde mir bewusst, dass ich mit diesen nicht alleine bin. Und dann ging es endlich los…

In Córdoba wurden wir von Antje, unserer dortigen Betreuerin, am Flughafen empfangen und zum Hotel gebracht, in welchem die Einführungswoche stattfand. Dort kamen wir erstmalig mit den anderen Austauschschülern in Kontakt. In der folgenden Woche bekamen wir täglich Spanischunterricht  und uns wurde viel sowohl über die Sitten als auch über die Do´s und Don`ts erzählt. Dadurch wurde man perfekt für den Aufenthalt in der Gastfamilie vorbereitet. Die erste Woche ging rasend schnell vorbei und schon stand der Tag vor der Tür, an welchem uns die Gastfamilien abholten.

Ich hatte zwar Kontakt mit ihnen und schon Fotos gesehen, aber trotzdem traf mich erstmal der Schlag, als ich in meinem neuen Zuhause ankam: Alles war komplett anders, als ich es erwartet hatte. Klein, kahl, einfach und plötzlich verstand ich kein Wort Spanisch mehr. Ich saß heulend in meinem Zimmer und fragte mich „Warum machst du das?“. Letztlich haben wir abends gegrillt, Verwandte kamen zusammen und dann wurde es allmählich doch ganz lustig. 

Wir bemerkten alle innerhalb der Familie schnell, dass aufgrund des Altersunterschiedes zwischen mir und meinem Gastbruder wenige Gemeinsamkeiten bestehen. Das war zunächst die größte Herausforderung. Aber ab dem ersten Schultag schloss ich eigene Freundschaften, die sich das ganze Jahr immer weiter vertieft haben. Alle sind auf mich zugekommen und ich wurde von Fragen durchlöchert. Das mit der Sprache kam nach und nach und letztendlich hat man mir nachgesagt, ich würde viel zu schnell und sogar im Schlaf Spanisch sprechen.

Wovon ich sofort begeistert war, war die den Argentiniern nachgesagte Spontanität und Lebenslust. So trifft man sich einfach ohne viel Geld und ein bestimmtes Ziel oder Motiv zu haben und etliche Colas später hat man immer noch was zu erzählen, zu streiten und zu lachen. Wir sind viel draußen gewesen, auch mal in der Disco oder auf irgendwelchen Geburtstagen. Doch immer wieder wurde mir bewusst, wie gut es uns finanziell in Deutschland doch geht. Der Familie fiel es allerdings anfangs schwer, mich gehen zu lassen, da sie dies selbst von ihrem Sohn noch nicht kannten und für mich ja die Verantwortung hatten. Es dauerte eine Weile, bis ich ihr Vertrauen gewonnen hatte und dann wurden meine Grenzen erweitert. Das letzte Wort hat in Argentinien meist der Vater und da waren schon manche Male Überredenskünste nötig. Sie wussten jederzeit mit wem ich wo war und irgendwann bin ich durch ganz Córdoba mit dem Bus zum Sport gefahren (Inlinehockey) und kam auch abends gut und sicher wieder nach Hause. In Argentinien wird Familie ganz groß geschrieben und oft saßen wir alle zusammen, sei es zum Mate-trinken oder zum sonntäglichen Asado. Weihnachten traf man sich mit der ganzen Familie 600 km weiter westlich, um zusammen die Feiertage zu verbringen.

Von der Organisation wurden immer wieder Reisen angeboten. So habe ich die größten Wasserfälle der Welt kennengelernt an der Grenze zu Brasilien, wie auch Wale und Pinguine im Süden besucht, bin von der Metropole in Buenos Aires bis hin zur wunderschönen Berglandschaft im Norden gekommen – Argentinien ist einfach ein super kontrastreiches, sehenswertes Land! 

Durch unvorhersehbare Dinge (Umzug) seitens meiner Gastfamilie musste ich dann leider noch wechseln und alles war nicht ganz so einfach.  Ich hatte großes Glück und konnte zu meiner besten Freundin ziehen, denn die argentinische Gastfreundschaft ist einfach nicht zu übertreffen. Die letzten Wochen mit meiner ersten Gastfamilie verbrachten wir gemeinsam in ihrem Heimatort San Martin de los Andes, 1600 km weiter im Süden in einer tollen Umgebung, vergleichbar mit Österreich. Wir hatten eine tolle Zeit dort und ich bin froh, dass wir einen guten gemeinsamen Abschluss hatten. Die Rückreise nach Córdoba trat ich mit dem Bus alleine an und das Ganze hat mir gezeigt, wie selbständig ich geworden bin.

Trotz der überwiegend positiven Erlebnisse und Erfahrungen packte mich auch zweimal ganz groß das Heimweh, weil es einfach nicht so lief, wie ich es mir in diesem Moment gewünscht hätte. Manches Mal wollte ich alles hinschmeißen. Letztlich hat mir dann doch der eingeschränkte Kontakt zu meiner Familie und Freunden in Deutschland immer wieder geholfen. Und die Argentinier haben auch immer ein Händchen dafür, einen abzulenken. Rückblickend bin ich stolz, dass ich das „Jahr meines Lebens“ mit all seinen Höhen und Tiefen gemeistert habe. 

Ich bin froh und dankbar, in zwei vollkommen verschiedenen Familien gelebt haben zu dürfen. Jede für sich ist für mich was ganz besonderes.  

Ich weiß, dass ich Freunde fürs Leben gefunden habe und freue mich, sie in 2015 wieder besuchen zu dürfen und hoffe, dass ich ihnen irgendwann auch mal meine Welt zeigen kann.

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

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