Erfahrungsbericht Argentinien: Johanna 2016-2017

“Und wie war es?” das ist wohl eine der häufigsten Fragen, die ich in letzter Zeit gestellt bekommen habe. Ich antworte dann gewöhnlich mit “Willst du die lange oder die kurze Version hören?” Daraufhin werden die meisten Leute schon wieder unsicher und schauen mich verständnislos an. “Naja, die kurze Version wäre einfach nur es war gut und bei der langen Version ständen wir noch drei Tage hier.” Danach folgt meistens Gelächter und ich suche verzweifelt nach mehr Adjektiven um mein Auslandsjahr zu beschreiben, aber die Wahrheit ist, dass man ein Auslandsjahr nicht in einem Satz erzählen kann. Auch nicht in zwei oder drei.
Es ist unmöglich 10 Monate und alle Erfahrungen, alle Erlebnisse, eine ganz andere Kultur, ja ein ganz anders Leben in vier Sätze zu packen. Entweder man sagt wirklich nur, es war gut, was den meisten Leuten übrigens auch schon reicht, weil das Interesse sich da schon erschöpft hat oder man erzählt wirklich vier Stunden. Aber meistens kommen die Erinnerungen auch einfach mitten im Alltag, wenn mich eine Situation daran erinnert und ich dann anfange ”Achja, damals in Argentinien…”

Warum ich mich damals für Argentinien entschieden habe ist relativ simpel. Ich wollte schon immer Spanisch lernen und Spanien war mir zu nah, zudem waren meine Eltern schon in Argentinien und haben mir immer von der warmherzigen Art der Leute erzählt, dass mir die Wahl dann sehr leicht gefallen ist. Und ich kann heute auch sagen, dass es absolut die richtige Entscheidung war. Argentinien ist ein tolles Land und ich habe mich trotz all seiner Fehler in dieses Land verliebt. In seine großartigen Menschen, seine atemberaubende Landschaft, das einzigartige Fleisch und auch in die Sachen, die mich regelmäßig zur Verzweiflung gebracht haben. Denn natürlich war meine Zeit dort nicht nur “gut”. Es war schön, lustig, wundervoll, atemberaubend, aber auch nicht so gut, manchmal traurig und einsam. Aber letzten Endes hat all das dazu geführt, dass es ein tolles Jahr war, was ich nicht im Geringsten bereue.
Wir sind im Juli in einem Vorort von Córdoba gelandet mit den anderen Deutschen und hatten eine Einführungswoche mit Spanischunterricht, Stadtführung und anderen nützlichen Dingen, die uns allen sehr geholfen haben. Im Nachhinein bin ich echt dankbar dafür, dass wir die Zeit dort hatten.

Nach dieser Woche sind wir in die Familien gekommen und ich muss sagen, dass ich mit meiner Gastfamilie wahnsinniges Glück gehabt habe. Das hat sich schon am ersten Tag gezeigt. Insgesamt hatte ich drei Geschwister. Zwei Mädels und eine Junge. Mein Bruder und meine eine Schwester waren schon erwachsen, haben aber trotzdem noch zu Hause gewohnt und meine andere Schwester ist in meinem Alter. Die ersten Tage waren irgendwie ganz komisch, weil einem langsam klarwurde, dass man wirklich jetzt hier ist, in Argentinien, seinem Zuhause für die nächsten 10 Monate. Außerdem versteht man die Sprache nicht und weiß generell einfach noch nicht was so los ist. Aber da gewöhnt man sich schnell dran. Auch gibt es immer die Möglichkeit sich mit Händen und Füßen oder Google-Übersetzer zu verständigen. Und wenn man doch einfach mal keine Ahnung hat, dann einfach lächeln – das ist immer gut.

Bald darauf hat dann die Schule angefangen und das ist natürlich auch noch ein bedeutender Schritt. In der Schule hat man die Möglichkeit sich ein eigenes Leben aufzubauen, mit Leuten die man sich selber aussucht. Ich war auf einer relativ kleinen Schule und wurde sehr lieb von allen aufgenommen. Alle standen in der Pause um mich herum, wollten meine Haare anfassen, etwas über Deutschland hören oder wollten, dass ich Schimpfwörter auf Spanisch nachspreche. Ich habe dann auch relativ schnell meine besten Freundinnen dort gefunden, mit denen ich später hauptsächlich meine Zeit verbracht habe. Oft haben wir uns zum merendaren (entspricht Kaffee und Kuchen am späten Nachmittag) in der Stadt oder abends zum Essen und am Wochenende zum Ausgehen oder zum Shoppen verabredet.

Die Wochenenden haben wir immer mit Handball – das ich und meine Schwestern gespielt haben - und bei Fußballspielen von meinem Bruder verbracht. Manchmal sind wir auch in das Ferienhaus meiner Familie gefahren oder haben Ausflüge gemacht. Generell sind die Wochenenden und besonders die Sonntage, sehr der Familie gewidmet. Wir haben uns zum Beispiel jeden Sonntag bei meinen Großeltern zum asado (Grillen) getroffen und da kamen dann mal ganz schnell 20 Leute zusammen. Und ich muss sagen, dass diese Familientreffen zum Essen jeden Sonntag, eine der Sachen ist, die ich am meisten vermisse. Die Argentinier haben einfach eine ganz andere Mentalität als wir. Sie sind in vielen Dingen lockerer und die Familie steht viel mehr im Vordergrund. Auch schätze ich sehr die Gastfreundschaft und das ständige miteinander teilen, egal ob die Leute dich kennen oder nicht.

In diesem Jahr habe ich Erfahrungen gemacht und Leute kennengelernt, die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde. Ein Teil von mir wird wohl immer dort bleiben und ich habe auch vor, ganz schnell wieder zurückzukehren.

Jetzt bin ich schon zwei Monate wieder in Deutschland und muss feststellen, dass sich nichts aber auch irgendwie alles verändert hat.

Eine etwas komische Situation, aber mit der Zeit regelt sich das auch wieder.

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

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