Erfahrungsbericht Argentinien: Julia 2010-2011

Mein Schüleraustausch in Argentinien

Heute vor genau 6 Wochen landete das Flugzeug mit mir an Bord auf dem Düsseldorfer Flughafen. Ich war nach einer langen und aufregenden Zeit, weitab von Deutschland und meiner Heimat, endlich wieder zu Hause!
Die Zeit in Argentinien hat mir sehr gut gefallen. Ich habe viel Erfahrung gesammelt, die man nicht überall und jeder Zeit machen kann.
Das Leben in einer fremden Familie, einer fremden Stadt, in einem fremden Land, ja sogar einer fremden Kultur hat mich fasziniert und mitgerissen. Auch wenn es vielleicht manchmal schwierig war immer mit allem zurecht zu kommen und sich anzupassen, um das beste aus der Situation zu machen, habe ich die zehn Monate sehr genossen und viele schöne Momente erlebt. Ich bereue nicht, dass ich mich für ein Auslandsjahr entschieden habe!
 
Der Abschied von zu Hause, meiner Familie und meinen Freunden hier in Deutschland fiel leichter als erwartet. Ich wusste ja, dass ich sie in zehn Monaten wiedersehen würde. Nachdem meine Hinreise leider etwas chaotisch war, da wir in Madrid den Flug verpasst haben, war ich wirklich sehr froh als wir endlich auf dem (kleinen) Flughafen Córdobas gelandet waren und unserer deutschen Betreuerin gegenüber standen. Die erste Woche (Einführungswoche) verbrachten alle Austauschschüler (19 insgesamt) zusammen in einem netten Hotel in Rio Ceballos, ganz in der Nähe von Córdoba. Dort hatten wir 4 Stunden Spanischunterricht täglich und redeten viel über die uns noch fremde Kultur, unsere Erwartungen, Hoffnungen und auch Ängste.

Und dann war es soweit: der erste Tag in der neuen Familie (Gastmutter und 2 Gastschwestern). Ich war ganz schön aufgeregt, bevor ich meine Gastfamilie endlich getroffen habe, ich glaube das Erste, was ich versucht habe zu sagen war genau dies und dass ich gar nicht wüsste, was ich sagen soll.
Im Nachhinein war das alles harmlos. Zu Hause hat man mir das Haus und mein Zimmer gezeigt, ich habe mir ein Zimmer mit einer meiner Gastschwestern (15) geteilt. Anschließend haben wir meinen Koffer ausgeräumt und sind dann, während wir uns bruchstückhaft unterhalten haben, ein Eis essen gegangen.
Mit meiner Familie habe ich mich gut verstanden, gerne mit ihr gelebt, denn wir hatten jede Menge Spaß zusammen: im Pool, beim Kochen, beim Essen, am Computer, beim Fotos machen, …
Auch in der Schule habe ich mich wohl gefühlt. Am ersten Schultag hat mich meine Gastmutter hingefahren, später bin ich mit dem Bus gefahren bzw. habe mich von einer Mitschülerin morgens mitnehmen lassen. Ich bin auf eine andere Schule gegangen als meine Schwestern, da diese auf eine bilinguale Schule mit Italienisch-Unterricht gehen und ich absolut kein Italienisch kann.
Die Direktorin der Schule hatte mich in „5to CN“ (›„Quinto Ciencias Naturales“ › 5tes Schuljahr Naturwissenschaften) eingeordnet, hat mich dann dort hingebracht und vorgestellt, wovon ich so gut wie nichts verstanden habe.
Das argentinische Schulsystem beinhaltet 12 Schuljahre. Davon sind 6 Jahre „primario“ (Grundschule) und 6 Jahre „secundario“ (weiterführende Schule).Für die letzten drei Schuljahre muss man eine Spezialisierung wählen, die geläufigsten sind Naturwissenschaften und Wirtschaft/Führungsmanagement. Außerdem fängt man in der „secundario“ an, die Schuljahre neu zu zählen; ich war somit im vorletzten Schuljahr der argentinischen Schule. Und zwar mittendrin, denn das Schuljahr beginnt im März und endet im Dezember.

Meine argentinischen Mitschüler haben mich, nachdem ich vorgestellt wurde, den ganzen lieben langen Tag mit Fragen, Erzählungen, Schulrundführungen, Freundschaftsangeboten etc. überhäuft; immer da wo der große Menschenauflauf war, war auch ich.
Man muss sich absolut keine Gedanken machen, keine Freunde in Argentinien finden zu können. Wer das schafft, wäre echt ein Held. Allerdings muss man natürlich wie immer darauf achten, wem man wirklich vertrauen kann und wer die wirklichen Freunde sind und wer es nur zu sein scheint. Aber ich denke, das ist nicht anders als hier.
So habe also auch ich meine Freunde gefunden, mit denen ich immer reden konnte und oft zusammen Spaß hatte. Wir sind ins Zentrum gefahren, ins Kino gegangen, ich habe beim Fußballspiel der Mädchenmannschaft aus meiner Stufe zugesehen und angefeuert. Was auch ganz normal ist, ist eine Cola (die Argentinier sagen übrigens „coca“) in einem Kiosk zu trinken und sich dort ein bisschen aufzuhalten. Oft haben wir uns am Wochenende auch abends (in Argentinien ist das eigentlich immer spätabends) getroffen und nette Abende zusammen verbracht. Es kann auch passieren, dass man um ein Treffen gar nicht herumkommt, da in der Schule immer viele Gruppenarbeiten anfallen und auch spontane Treffen nach der Schule zum „Hausaufgaben machen“ (das endet dann darin, dass einer Hausaufgaben macht und die Anderen abschreiben) nicht gerade unüblich sind.
Dabei fällt mir gerade ein: Es ist auch ganz normal gefragt zu werden, ob man jemandem eine SMS „leihen“ („prestar“) kann. Leihen ist dabei allerdings nur rein rhetorisch.

Wenn Ihr Euch für einen Austausch in Córdoba, Argentinien entscheidet, kann ich Euch garantieren, dass Ihr eine unvergessliche Zeit erleben werdet. Langweilig wird es so schnell nicht: Ob nun Familie oder Schule oder Freunde oder Reisen, es ist immer was los!

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

jana@opendoorinternational.de