Meine Entscheidung für einen Schüleraustausch nach Argentinien

Um meinen Schüleraustausch zu beschreiben, bräuchte ich wahrscheinlich Stunden oder sogar Tage. Es ist kaum möglich all die Erfahrungen, all die Dinge die man gelernt hat, all die Emotionen, die man durchlebt hat -von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt- wiederzugeben, und zu erklären. Am besten ist, man erlebt es selbst ;)

Für mich stand schon lange fest, dass ich unbedingt einen Schüleraustausch machen wollte. Wohin es gehen sollte, das war eine schwierigere Frage. Es sollte weit weg von Deutschland sein, mit einer ganz eigenen Kultur und am besten spanischsprachig. Sehr schnell kam ich auf Südamerika und - nachdem ich zahlreiche Austausch-Messen besucht und etliche Flyer und Broschüren durchstöbert hatte – stieß ich auf das Argentinienprogramm von ODI. Das hat mir vor allem aufgrund des Vorbereitungsseminars vor dem Auslandsaufenthalt, aber auch aufgrund der Einführungswoche zu Anfang des Austauschs und den zahlreichen angebotenen Reisen innerhalb Argentiniens gut gefallen.

Bis zu unserem Vorbereitungsseminar in Köln kam mir mein Austausch noch ganz unwirklich und sehr weit weg vor. Erst durch den Kontakt zu den anderen Austauschschülern und durch die intensive Vorbereitung auf das, was mir bevorstand, wurde mir klar, was mich in Argentinien erwartet. Von dort an vergingen die Tage wie im Flug und obwohl ich mich riesig freute, packte mich auch ein wenig die Angst. Zum Glück hatte ich schon lange vor meinem Abflug Kontakt zu meiner Gastfamilie, mit der ich mich von Anfang an prima verstand. Außerdem hatte ich schon vorher Spanisch-Unterricht in der Schule gehabt, was mir sehr geholfen hat, denn in Argentinien spricht fast niemand wirklich gut Englisch.

Mein Abflug nach Argentinien

Und dann war es auch schon so weit: Der Abflug nach Argentinien stand an. Ich war ein bisschen überfordert, schließlich war ich noch nie für so lange von zu Hause weg gewesen. Der Abschied fiel mir deshalb auch sehr schwer. Einerseits freute ich mich riesig, andererseits machte es mir auch Angst, all meine Lieben erst nach fünf Monaten wieder zu sehen.

Doch einmal in Argentinien angekommen, fühlte ich mich wie Zuhause. Zunächst versammelten sich alle deutschen Austauschschüler, die von der Partnerorganisation ICC betreut wurden, in einem Hotel in Villa Allende in der Nähe Córdobas. Dort blieben wir eine Woche, lernten alles Mögliche über Argentinien und die argentinische Kultur und sämtliche Do’s und Dont’s. Außerdem hatten wir Spanisch-Unterricht und machten eine Tour durch Córdoba und Villa Allende. Wir Austauschschüler verstanden uns auf Anhieb super. Obwohl wir ganz unterschiedlich waren, hatten wir doch alle dieselben Ängste, Wünsche und Erwartungen, und diese Gemeinsamkeit hat uns sehr verbunden.

Das Kennenlernen meiner Gastfamilie und meiner Klassenkameraden

Dann kam endlich der große Tag: Unsere Gastfamilien holten uns im Hotel ab. Ich fühlte mich von Anfang an willkommen, denn wie alle Argentinier war auch meine Familie unglaublich lieb und herzlich. Mit meiner Gastschwester habe ich mir ein Zimmer geteilt, was nicht weiter schlimm war, denn wir verstanden uns gut.

Der erste Schultag rückte näher, und ich freute mich riesig endlich andere Gleichaltrige kennenzulernen. Ich wurde wie überall in Argentinien total freundlich aufgenommen, und sofort von meinen Klassenkameraden umringt. Jeder, den ich dort kennengelernt habe ist offen, freundlich und neugierig. Allerdings muss man sich auf einige Vorurteile Deutschlands gegenüber gefasst machen, insbesondere bezüglich des Nationalsozialismus. Diese sind aber niemals böse gemeint und sollten nicht zu ernst genommen werden. 

Ich habe sehr schnell Freunde gefunden, die mir auch in schwereren Zeiten zur Seite gestanden haben. So musste ich zum Beispiel schon nach wenigen Wochen die Gastfamilie wechseln, da meine Familie große finanzielle Probleme hatte und umziehen musste. Dies machte mich zunächst sehr traurig, aber nach kurzer Zeit lernte ich auch meine zweite Gastfamilie kennen und lieben. Hier hatte ich ein eigenes Zimmer, weil ich einen Gastbruder hatte.

Wir teilten leider etwas weniger Gemeinsamkeiten aufgrund unseres Altersunterschieds, was aber nicht weiter schlimm war, da ich auch viel Zeit in der Schule und mit Freunden verbrachte. Oft trafen meine Freunde und ich uns, um Projekte für die Schule zu machen, in der mein „Austauschschüler-Bonus“ nicht lange währte ;). Schnell schrieb ich alle Tests und arbeitete bei jedem Referat mit. Mir machte das nichts aus, im Gegenteil, es gab mir das Gefühl vollkommen in die Klasse integriert zu sein.

Mein Alltag in Argentinien

Der Alltag in Argentinien unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland: Der Unterricht beginnt um halb acht. Die Schulen, auf die die Austauschschüler gehen, sind Privatschulen und häufig katholisch, da die meisten Argentinier Katholiken sind. Nachmittags wird häufig ein Mittagsschlaf gehalten, die sogenannte siesta, und abends sehr spät gegessen und wenig geschlafen. Der verpasste Schlaf wird gerne mit mate kompensiert – dem Nationalgetränk der Argentinier und eine Art koffeinhaltiger Kräutertee. Zwischen Mittag- und Abendessen gibt es zudem eine kleine Zwischenmahlzeit, merienda genannt.

In meiner Freizeit bin ich mit meinen Freunden häufig ins „Shopping“, ein Einkaufscenter nahe meiner Schule, und auf zahlreiche quinces gegangen – so werden die fünfzehnten Geburtstage der Mädchen in Argentinien genannt, die besonders groß gefeiert werden.

Nach einiger Zeit habe ich angefangen im Verein Fußball zu spielen, und mit einigen anderen Austauschschülern Spanisch-Unterricht zu nehmen. Auch an drei der vom ICC angebotenen Reisen habe ich teilgenommen: Die Reise zu den wunderschönen Iguazu-Wasserfällen im Nordwesten Argentiniens, die Reise in die Metropole Buenos Aires und die Reise nach Puerto Madryn in Patagonien.

Trotzdem hatte ich auch über einen langen Zeitraum mit Heimweh zu kämpfen, einer der größten Herausforderungen in einem Austausch, und ich habe mich lange wirklich sehr schwer getan dieses zu überwinden. Im Nachhinein kann ich nur raten so wenig Kontakt wie möglich nach Deutschland zu haben und die Zeit im Gastland so gut wie möglich zu genießen, denn am Ende ist sie doch schneller vorbei als man es gerne hätte.  

Argentinien hat sowohl landschaftlich als auch kulturell wirklich viel zu bieten und die fünf Monate haben natürlich nicht ganz gereicht um all die schönen Seiten Argentiniens zu erforschen, aber ich habe einige Erfahrungen gemacht, aus denen ich viel gelernt habe, Freundschaften geschlossen, an die ich mich für immer erinnern werde und ein zweites Zuhause für mich dazu gewonnen.

Lily

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

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