Schon immer wollte ich mal für ein Jahr ins Ausland. Meine Überlegungen gingen von Italien über die USA, nach Kanada und letztendlich nach Argentinien. Als ich von den freundlichen, offenen Argentiniern und ihrer reichen Kultur erzählt bekommen habe, war es für mich klar: Das möchte ich auch erleben!
Dann war es endlich soweit, der Tag des Abflugs rückte immer näher  und die Traurigkeit vor dem Abschied wich den Erwartungen auf Argentinien. Ich habe vorher einige Freunde gefragt, was ihnen zu dem Stichwort Argentinien einfällt und die einheitliche Antwort war nicht überraschend: Fußball, Fleisch und Tango! Auch ich war mir nicht genau im Klaren, was mich in diesem südamerikanischen Land erwarten würde und genau das machte es noch spannender, wobei auch noch dazu kam, dass ich so gut wie kein Wort Spanisch konnte.

Dann ging es auch schon los und wir, eine zweite Austauschschülerin und ich, flogen über Madrid und Santiago de Chile nach Córdoba, wo wir von unserer deutschen Betreuerin Antje abgeholt wurden und zum Veranstaltungsort der viertägigen Einführung gefahren wurden. Schon der Blick aus dem Flugzeug ließ uns staunen, welch schöne Natur Argentinien vorweist und wir waren total gespannt auf unsere neue Heimat. Frisch angekommen ging es auch schon mit dem Spanischunterricht und der Einführung in die Kultur Argentiniens los.

Ende der Woche lernte ich endlich meine Gastfamilie kennen: Zu Norma, meiner Gastmutter und Desi, meiner Gastschwester baute ich schnell eine enge Verbindung auf, auch wenn es durch mein noch geringes Spanisch schwer war. Ismael wurde zu meinem nie gehabten kleinen Bruder, und ich war total glücklich in der Familie Nara.

Typisch argentinisch ist das Zusammensein – besonders in der Familie. Oft saßen wir zusammen am Küchentisch und jedes Essen wird in der kompletten Gemeinschaft zu sich genommen.
Aber ein Jahr Ferien ging dann doch nicht und so rückte der erste Schultag immer näher. Ich wurde von meiner Gastmutter in die Schule gefahren, wo ich nach dem morgendlichen Flagge hissen von meinem Preceptor, der die Funktion eines Klassenlehrers hat, in den Kurs der „4to A“ geführt wurde. Ich war unglaublich nervös, vor allem weil mein Spanisch immer noch sehr unsicher war. Und dann stand ich meinem neuen Kurs mit 40 Schülern gegenüber, die mich interessiert anstarrten. Bei der nächsten Möglichkeit versuchten alle, sich mit mir zu unterhalten, was mich zwar ein wenig überforderte, es mir aber leicht machte, Verbindungen mit allen zu knüpfen. Mein Spanisch war zwar noch nicht allzu gut, aber durch viel Hilfe meiner Mitschüler lernte ich schnell irgendwie zu kommunizieren und mich verständlich zu machen.

Auch das etwas andere Schulsystem, das sich durch verschiedene Regeln und Rituale vom deutschen unterscheidet, war zu Anfang etwas ungewohnt. Aber auch daran gewöhnt man sich schnell und noch heute vermisse ich es zum Beispiel, morgens nicht einfach die Schuluniform anziehen zu können. Ein anderes Beispiel ist das morgentliche Flagge hissen zu dem sich alle Schüler, der Klasse und dem Geschlecht nach geordnet, auf dem Schulhof zusammenfinden und die Direktorin die Neuigkeiten verkündet und dann die Flagge von zwei Schülern in Begleitung mit der Flaggenhymne gehisst wird - eine gänzlich neue Erfahrung.
Freunde finden ist dort leicht, doch man sollte versuchen schnell herauszufinden, wer richtige Freunde sind. Ich wurde in eine „Gruppe“ aufgenommen, die mir zwar half und nett war, mich jedoch nicht wirklich integrierte, sodass ich bald ziemlich entmutigt war. Da ich aber noch neun Monate vor mir hatte, gab ich nicht auf und freundete mich mit vielen anderen an. Ich begann immer mehr Spaß zu haben und konnte mit meinen Freunden, insbesondere drei Freundinnen, die später zu meinen besten Freundinnen werden würden, das Leben einfach genießen.

Dazu gehörte zum Beispiel, sich oft bei Freunden zu treffen, zum Ortsplatz zu gehen, im Shoppingcenter ein wenig zu bummeln oder – ein ganz entscheidender Teil der argentinischen Kultur – feiern zu gehen. Für mich, damals ein eher schüchterner Mensch, war es zu Anfang schwer, doch die Argentinier machen es einem leicht, selbstbewusster zu werden und Spaß daran zu haben. Auch die Musik, zum Teil eine ganz andere, verleitete einen schell an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
Zurück zu meiner Gastfamilie. Ich musste leider die Familie aufgrund von internen Familienproblemen wechseln und kam zu meiner Klassenkameradin Nadia, mit der ich ein Zimmer teilte und die bald zu meiner ‚Herzensschwester‘ wurde. Mit meiner neuen Familie kam ich wieder sehr gut zurecht, ich lebte gerne bei ihnen und sie machten mir das Leben in einer fremden Kultur noch ein wenig leichter.

Durch eine einmonatige Reise mit meiner aus Deutschland angereisten Familie erlebte ich noch mehr Seiten der argentinischen Kultur, der Menschen und der Natur. Die vielen Fassetten zeigten mir, wie vielschichtig Argentinien ist und somit für mich zu den interessantesten und schönsten Ländern der Welt gehört.
Der Abschied, ganz klar, ist mir unglaublich schwer gefallen, da ich für lange Zeit meine neue Familie und tollen Freunde nicht mehr sehen würde. Umso schöner ist es aber, dass ich bald Besuch aus Argentinien bekommen werde und ihnen Deutschland zeigen kann!

Vielleicht war alles doch ein wenig anders als erwartet und der Unterschied zwischen Argentinien und Deutschland ist manchmal schwer zu bewältigen, aber all das rückt in den Hintergrund, wenn ich daran denke, was für ein fantstisches Jahr ich hatte und dass ich nun eine zweite Familie, gute Freunde und eine zweite Heimat am anderen Ende der Welt habe.

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

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