Erfahrungsbericht Australien: Britta 2009-2010

„Warum habe ich mir bloß Australien für mein Auslandsjahr ausgesucht, der Kontinent am anderen Ende der Welt?“, dachte ich, als ich am Flughafen in Melbourne saß und auf meinen Flug nach Devonport, Tasmanien, wartete.
Ich hätte doch auch England oder Frankreich wählen können, da wäre ich innerhalb von nur ein paar Stunden zu Hause gewesen, wenn es ein Problem geben würde.
Aber ich musste mich ja für die australische Insel Tasmanien entscheiden, die gefühlte 2000000 Kilometer weit weg von dem wunderschönen Deutschland liegt und fast schon am Südpool grenzt!!
Das waren ungefähr die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, bevor ich mein Auslandsjahr begann.
Nach dem Flug nach Devonport wartete ich am sehr kleinen Flughafen, der keine Kofferbänder und Sicherheitskontrollen hatte, auf meine Gastmutter und fragte mich zum wiederholten Mal, ob Tasmanien die richtige Wahl für meinen Auslandsaufenthalt war. Doch das war es mit Sicherheit! Wenn ich zurückdenke und überlege, was mir am besten gefallen hat, dann ist das die lebensfreudige und lockere Einstellung der Australier. Das habe ich besonders in meiner Schule, dem Don College gelernt. Es ging dort sehr sozial und respektvoll zu, sodass ich zum Glück schnell Freunde finden konnte, die mir bei Problemen, wie z.B das Besorgen von Büchern am Schuljahresanfang, halfen.

Das tolle war, dass wie alle unsere Lehrer beim Vornamen ansprechen durften, so stellten sich die Lehrer nicht auf eine viel höhere Ebene und es war leichter sich gegenseitig zu respektieren. An meinem College musste man nur vier Fächer belegen. Pflichtfächer gibt es nicht. Ich wählte Sport, Japanisch, English as a second language, ( für Schüler, dessen Muttersprache nicht Englisch ist) Mathe und Gesundheitslehre. Besonders gut hatte mir der Sportunterricht gefallen, bei dem sich meine Sportlehrerin selbst immer aktiv beteiligte und uns vor jeder Stunde fragte, welche Sportart wir heute machen wollen. Unter anderem spielten wir häufig australische Sportarten, wie Australian Football oder Criquet, gingen Tischtennis und Raquetball spielen und manchmal auch an den Strand schwimmen.
English as a second language machte auch Spaß, da mir der Unterricht sehr leicht fiel. Wir kamen alle aus verschiedenen Ländern: Frankreich, Südkorea, Japan, Chi-na, Afghanistan, Thailand usw. Ich habe mich gut mit den anderen Austauschschülern verstanden, war aber auch froh, dass die meisten meiner Freunde „echte“ Australier waren. Ich habe mich nachher so den Australiern angepasst, dass man mich nicht mehr für eine Deutsche hielt. Ich weiß noch, als ich am Anfang des neuen Schuljahrs im Februar in meinem Mathekurs saß und etwas in meinem  deutschen Wörterbuch nachgucken wollte, da fragten mich meine Sitznachbarn, was das denn für Buch wäre, woraufhin ich ihnen antwortete, dass das ein deutsches Wörterbuch sei, da ich deutsch bin. Sie sahen mich ganz erstaunt an und sagten, sie hätten gedacht, ich sei australisch, da ich ohne Akzent sprechen würde. Auch viele andere Leute merkten später nicht, dass ich Ausländerin war. Mich für eine Australierin zu halten, war das schönste Kompliment, das man mir machen konnte.

Mit der Zeit konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, irgendwann wieder nach Hause zu fliegen, so sehr hatte ich mich an meinen neuen Alltag gewöhnt. Doch leider musste die Zeit der Abreise kommen. Im Nachhinein kann ich behaupten, dass meine letzten Wochen in Tasmanien die schönsten waren. In diesen Wochen erinnerte ich mich zurück, wie ich noch vor einem Jahr nervös und mir niedrigem Selbstbewusstsein das Don College betrat, zitternd im Unterricht saß und versuchte den Lehrer zu verstehen. Und nun wurde ich von ungefähr 30 Schülern bei meinem „Farewell“ mit Geschenken und Kuchen verabschiedet.
Es war wirklich schwer mich von allen zu verabschieden und es fühlte sich unecht an mein „neues“ Leben zu verlassen. Schon bevor ich überhaupt im Flugzeug saß, fing ich an alles zu vermissen. Das Baden im Meer nach der Schule, das Englisch reden (einige Wörter fielen mir nicht mehr auf deutsch ein), die Kanguruhs, die manchmal über den Schulhof hüpften und meine neugewonnenen Freunde.
Als ich mich am Flughafen von meinen engsten Freunden unter Tränen  verabschiedete, musste ich daran denken wie viel Angst ich doch vor meinem Auslandsjahr gehabt hatte und wie ich es fast nicht gemacht hätte. Ein Jahr später währe ich am liebsten da geblieben und kann rückblickend sagen, ja, es war die richtige Entscheidung.

Ansprechpartnerin Australien

Gaby Kühn

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