ODI: Warum hast du dich für ein Jahr in Chile entschieden?
Falk: Mich hat Chile als sehr exotische Alternative gegenüber den USA oder einem europäischen Land gereitzt. Ich wollte etwas absolut Neues kennen lernen, und ich kann jetzt sagen: Das habe ich auch. Zudem haben mir die guten Erfahrungen meiner Schwester in China Mut gemacht. Ein Jahr im Ausland ist etwas Neues gegenüber dem Alltagstrott in Deutschland, das viel Lebenserfahrung, Spaß und Wissen bringt, aber natürlich auch Probleme enthält. Chile im speziellen hat eine außergewöhnliche Geografie, eine neue Kultur und man begegnet vielen netten Menschen. Zudem lernt man, wenn auch etwas anders als das der Schulversion, Spanisch.

ODI: Wie ist dein Aufenthalt bis jetzt verlaufen?
Falk: Gut, wenn auch am Anfang etwas unsicher aufgrund von zwei Familienwechseln. Ich lebe hier sehr ländlich und habe sehr viel typisch Chilenisches mitbekommen, was ich in der Stadt nicht kennengelernt hätte. Man lebt hier sehr viel ruhiger und offener als in Deutschland,  bis jetzt habe ich viele Freunde gefunden und sehr viel Spaß gehabt, und ich hoffe, das bleibt auch so für den Rest des Jahres.

ODI: Was gefällt dir besonders gut? Was ist nicht so gut?
Falk: Gut gefällt mir die Offenheit der Chilenen, das typische Essen, die eigene Freiheit und Eigenständigkeit, der man hier neue Grenzen setzt, und all die neuen Dinge und Menschen, die ich hier kennengelernt habe! Schlecht fand ich eigendlich nur, dass ich meine Familie zwei Mal (aus unglücklichen Situationen) wechseln musste.

ODI: Wie sehen das Schulsystem und der Schulalltag aus?
Falk: Schule hat man bis 17 Uhr, fürs mitgebrachte oder gekaufte Mittagessen sind 1 ½ Stunden Zeit. Das Lernnieveau ist etwas tiefer als in Deutschland, wobei das sehr davon abhängt, ob man auf einer öffentlichen (kostenlosen) oder privaten (bei teuren Schulen ausgestatet wie ein 5*-Hotel) Schule unterkommt. Die Fächer sind ähnlich wie in Deutschland, und die Regeln zwar strenger (z.B. dürfen Jungen kein langes Haar tragen), aber der Unterricht offener (man kann durchaus mal eine Runde UNO im Unterricht spielen, jedenfalls auf meiner Schule).

ODI: Konntest du schon vorher Spanisch? Und wie kommst du sprachlich klar?
Falk: Ich habe vor meinem Austauschjahr ein Jahr an der Volkshochschule Spanisch gelernt, was mir aber nur als Startkomunikation dienen konnte, denn Spanisch aus Spanien hört sich mitunter für Chilenen sehr lustig an. Da das Schulenglisch der Chilenen als Sprachalternative meist aber grottenschlecht ist, habe ich hier innerhalb von wenigen Monaten flüssig (wenn auch noch lange nicht akzentfrei oder immer grammatisch richtig) Spanisch gesprochen.

ODI: Wie würdest du Chile und die Chilenen kurz und knapp charakterisieren? Was ist typisch chilenisch?
Falk: Chile ist ein Land der Extreme. Die Chilenen sind ebenso im eisigen Süden wie im staubtrockenen Norden zu finden, sind Christen und haben als Urväter die Mapuche und sind troztdem ein Volk. Ich glaube, diese Unterschiede verbinden sie und machen sie sehr nationalbewusst. Es ist jedoch schwer, ’den’ Chilenen zu beschreiben. Chilenen sind allgemein sehr offen, man wird immer freundlich empfangen. Sie lieben das Nachtleben und sind z.T unpünktlich (z.B fahren Busse in der Regel ½ Stunde später ab, für Innenstadtbusse gibt es keinen Zeitplan). Typisch ist auch das vielfältige Essen, wie z.B Empanadas, gefülte Teigtaschen mit Fleisch und Gemüse, den Mote, ein Getränk aus Pfirsichsaft und gekochtem Weizen, oder den Sopaipillas, in Öl gebratener runder Blätterteig.

ODI: Dein Tipp für Zukünftige?
Falk: Ich würde sagen: Geniesse dein Austauschjahr ohne dich von Ehemaligentipps durcheinander bringen zu lassen! Aber wenn ich schon gefragt werde; ich fand es Sinnvoll im Schulunterricht sich vor allem auf das Spanisch Lernen zu konzentrieren, da man am Anfang ohnehin nicht viel versteht und so die Sprache schreiben lernt.

ODI: Vielen Dank!