Erfahrungsbericht Chile: Helena 2009-2010

ODI: Warum hast du dich für ein halbes Jahr in Chile entschieden?
Helena: Mein Wunsch war es schon immer in ein spanisch sprechendes Land zu gehen. Da mir Spanien zu nah war, kam also für mich nur Südamerika in Frage. Aber warum Chile? Eine Bekannte von mir lebt in Chile und als ich ihre Fotos gesehen habe und mich noch mehr über die Vielfalt des Landes informiert habe stand meine Entscheidung so gut wie fest. Als ODI mir dann auch noch Chile empfohlen hat, habe ich mich für 3 Monate dort entschieden. Nach längerem Überlegen wurden es dann doch ein halbes Jahr, was ich auf keinen Fall bereue.

 

ODI: Wie ist dein Aufenthalt verlaufen?
Helena: Ich hatte ein super halbes Jahr in Chile, mit vielen neuen Erfahrungen und das Schönste an meinem Aufenthalt sind die vielen netten Menschen, die ich dort kennen gelernt habe. Ich bin in der zweiten Woche der chilenischen Winterferien im Juli angekommen und hatte erst mal ein bisschen Zeit, mich an meine Gastfamilie zu gewöhnen. Mein Schulstart und überhaupt die Zeit in der Schule fand ich teils interessant, aber durch Verständnisprobleme am Anfang auch ab und zu mal etwas langweilig. Dies war aber auch nach kurzer Zeit kein Problem mehr, da ich mit und mit immer mehr Spanisch verstanden habe und mich mit meinen Klassenkameraden und Freunden notfalls auch anders beschäftigen konnte. Die Höhepunkte meines Aufenthaltes waren ganz klar meine Klassenfahrt nach Brasilien, die Fahrt in den Norden Chiles mit den anderen Deutschen und meinem Betreuer der Organisation in Chile und natürlich Weihnachten und Silvester im Hochsommer. Super war auch, dass ich immer gut betreut wurde und es mir an nichts fehlte. Im Januar war es dann Zeit Abschied zu nehmen, was mir sehr schwer gefallen ist. Klar gibt es Dinge, die ich auch mal nicht so toll fand oder ich mich auch mal nicht wohl gefühlt habe, aber dafür war der andere und viel größere Teil meines Aufenthaltes umso besser.   

 

ODI: Was hat dir besonders gut gefallen? Was war nicht so gut?
Helena:
Besonders gut gefallen hat mir die Lebensart der Chilenen. Egal wie schlecht die Situation ist, in der man sich gerade befindet, es wird das Beste draus gemacht und den Tag fröhlich weitergelebt. Die Gastfreundlichkeit und das Interesse an mir und meinem Land hat mir auch besonders Gefallen und aber auch, dass ich für jedes Problem nicht nur mit meinen Betreuern vor Ort, sondern auch mit meiner Familie und Freunden reden konnte. Das Land Chile hat ganz viele und unterschiedliche Seiten, die sehr interessant sind, aber den Alltag der Chilenen mitzubekommen und ihn auch selber zu erleben war vielleicht noch besser. Die Schule hat mir auch gut gefallen, da immer viele Projekte gemacht wurden (z.B einen Ausflug in die Berge mit dem Biokurs oder ein Video drehen mit dem Englischkurs) und sie den Geburtstag der Schule groß feiern. Gefallen haben mir auch, wie schon gesagt, der Ausflug mit Inside Chile nach Iquique, in den Norden Chiles und die Klassenfahrt nach Brasilien.

Nicht so gut gefallen hat mir, dass die Chilenen viele Sachen von den Amerikanern (USA) kopieren. Viele Schulen haben amerikanische Namen und die Einkaufzentren in Santiago könnten auch in den USA stehen. Es ist schade um die chilenische Kultur und passt nicht so ganz in die Stadt. 


ODI: Wie sahen das Schulsystem und der Schulalltag aus?
Helena: Das Schulsystem in Chile ist recht einfach zu verstehen. Es gibt Kinder, was in Deutschland sowas wie Vorschule ist und dann 1°-8° Basico, was man mit Grundschule und Unterstufe vergleichen kann und dann noch 4 Jahre 1°-4° Medio, vergleichbar mit der Mittel- und Oberstufe. In 4° Medio, also im letzten Schuljahr, sind die Schüler durchschnittlich 17 Jahre alt und werden das Jahr über auf ihre Abschlussprüfung (PSU) vorbereitet. Danach geht die Mehrzahl studieren. Ich war in 3° Medio und meine Mitschüler waren alle in meinem Alter. Die Lehrer sind alle sehr nett und es ist auch mal ganz normal, wenn man mal mit Küsschen auf der Wange von einem Lehrer begrüßt wird. Ich hatte ganz normale Fächer, wie zum Beispiel Mathe, Sprache, Biologie, Physik, Musik, Sport etc. und in allen Fächern wird einmal im Monat eine Klausur geschrieben, die aber größten Teils nur aus ankreuzen besteht. In den Fächern, wo ich auf Spanisch gar nichts verstanden habe (z.B Geschichte war sehr schwer) musste ich die Klausur dann auch nicht mitschreiben. Die Schule ging von 8:00 Uhr bis 15:30 Uhr und man hat 2 Pausen und danach noch die Mittagessens-Pause. Eine Schuluniform zu tragen ist Pflicht (auf jeden Fall an meiner Schule) und es gibt auch einen Inspektor, der dann guckt, ob du auch ja alles richtig anhast (z.B schwarze Schuhe, die Kniestrümpfe, nur Farben der Schule etc.)   

 

ODI: Konntest du schon vorher Spanisch? Und wie kamst du am Anfang sprachlich klar?
Helena: Ich hatte vor meinem Aufenthalt kein Spanisch in der Schule habe aber mit einer Mexikanerin ein bisschen gelernt. Da das aber hauptsächlich nur Grammatik war und ich auch erst sehr spät angefangen habe, mich mit dem Spanisch zu beschäftigen, ist mir dann schon am Flughafen in Chile aufgefallen, dass ich nicht mehr als Hallo und Tschüss sagen kann und verstanden habe ich auch nichts. Aber mit Hilfe meiner Gastfamilie und meiner Freunde in und außerhalb der Schule habe ich erstaunlich schnell gelernt alles zu verstehen und mich auszudrücken. Vorher musste man sich dann mit Händen und Füßen verständigen, da Englisch bei den Chilenen nicht groß zu erwarten ist. In den letzten Monaten habe ich dann auch auf Spanisch gedacht, geträumt…

 

ODI: Wie würdest du Chile und die Chilenen kurz und knapp charakterisieren? Was ist typisch chilenisch?
Helena: Chilenen sind hilfsbereit, gastfreundlich, kontaktfreudig und haben immer einen Grund zu Feiern. Andererseits ist die Kriminalität hoch und man sollte niemandem zu schnell vertrauen.

 

ODI: Wie hast du dich in Deutschland und vor Ort betreut gefühlt?
Helena: Die Vorbereitung in Deutschland war sehr gut (Vorbereitungsseminar), aber auch die Betreuung während des Aufenthaltes in Chile von ODI und von Inside Chile war sehr gut. Ich konnte bei Problemen immer  mit jemandem reden und die Betreuer vor Ort helfen gerne und sind sehr freundlich. Auch nach meiner Heimkehr ins eigene Land hat sich ODI bei mir gemeldet und gefragt, ob es mir gefallen hat, wie es mir geht etc.


ODI: Vielen Dank!