Als ich mir Gedanken machte, wo ich mein Auslandsjahr verbringen sollte, war mir schon klar, dass ich Spanisch sprechen wollte. Da ich schon zuvor in Spanien war, musste es also Lateinamerika sein. Meine Eltern und ich haben uns Gedanken gemacht, welches Land am sichersten ist, wo es die vielfältigste Landschaft gibt… und somit kamen wir auf die Endwahl Chile.

Dort gibt es so viel zu sehen… und ich habe auch wirklich so viel gesehen, da die chilenische Partnerorganisation sehr viele Reisen angeboten hat. Die Atacama Wüste, Schneewanderungen in den hohen Bergen, Vulkanthermen, Wasserfälle, Surfkurse und viel, viel mehr.

Meine chilenische Gastfamilie

Mit meiner Familie hatte ich natürlich am meisten Glück. Ich hatte fünf Geschwister und wir wohnten sehr gut.
Dass meine Familie sehr herzlich ist, wurde mir schon nach der Ankunft klar, als sie die ODI-Programmkoordinatorin Jana Droste und die chilenischen Koordinatoren Jana und Victor zu uns einluden, um Mittag zu essen. Das riesige Haus mit den drei Hunden wurde mir gezeigt und ich merkte, wie viel Glück ich haben musste in solch einer Familie wohnen zu dürfen.
Natürlich wurde mir, nachdem ich mit den anderen deutschen Schülern redete, klar, dass nicht jeder mit seiner Unterkunft glücklich war. Außerdem sieht man in den Innenstädten die Unterschiede zwischen reich und arm. Es öffnete mir die Augen und ich lernte, alles was ich hatte, zu schätzen. Auf dem Bild sieht man den Hintergarten mit Pool, einem kleinen Fußballfeld und einer „Grillterrasse“.

In Deutschland ist das ganz anders, Jugendliche nörgeln, weil sie nicht das neueste iPhone haben und sind sofort unzufrieden, aber das Wichtigere ist doch eine Familie zu haben, mit der man sich gut versteht und die einen liebt. Ich habe oft geweint, aber nicht weil ich Heimweh hatte, sondern weil ich so dankbar war für das was ich hatte, nicht nur Materielles, sondern auch meine chilenische und deutsche Familie, die mich unterstützen.

Ich habe mich schnell in den Familienalltag eingelebt, musste beim Abwasch helfen, meinen kleinen Gastgeschwistern Frühstück machen und viel mehr. Das Gute daran ist, dass ich gemerkt habe, wie ich in Deutschland gar nichts gemacht habe. Deshalb helfe ich, seitdem ich wieder zurück in Deutschland bin, meiner Mutter beim Kochen, Wäschewaschen etc. Das Auslandsjahr hat mich von daher auch viel reifer, erwachsener und selbstständiger gemacht, was wiederum in Deutschland meinen Freunden und meiner Familie sehr aufgefallen ist.

Der Anfang war für mich nicht schwer, denn ich bin keine schüchterne Person, allerdings hatte ich meine Schwester Coni zur Seite, die es mir sehr viel leichter gemacht hat, mich zu integrieren.
Vor allem aber ist mir aufgefallen, dass man durch das Zimmerteilen mit Gastgeschwistern viel schneller zurechtkommt und eine engere Beziehung aufbaut. (TIPP: Teilt euch das Zimmer mit Gastgeschwistern!)

Meine Schule in Chile

Die Schule in Chile ist fast immer ganztags (,aber sehr locker), deshalb war es bei mir so, dass ich keine Hausaufgaben auf bekam. Wir hatten eine Schuluniform und ein Sportoutfit, was ich ganz gut fand, da man sich morgens keinen Stress machen musste. Außerdem durfte man keine lackierten Nägel haben oder sich schminken. Solche Sachen waren einfach nicht wichtig, da die menschlichen Werte viel weiter oben standen. Lehrer und Schüler hatten ein Freunde-Verhältnis und man redete in den Pausen mit ihnen, mit den jüngeren oder auch älteren Schülern – es gab keinen Unterschied. Das faszinierte mich sehr, da jeder Lehrer dort wie ein „Vertrauenslehrer“ in Deutschland vergleichsweise behandelt wurde. Zum Mittagessen nahmen manche Schüler ihr Essen mit und andere konnten in meiner Schule umsonst essen.
Die Klausuren sind auch leicht zu schreiben gewesen, da alles Ankreuzaufgaben waren. Somit schloss ich die 10. Klasse dort mit einem besseren Durchschnitt als dem der Klasse ab, hihi :).

Der Sommer in Chile war mein schönstes Erlebnis. Ich habe die meisten Reisen gemacht und das Beste war, dass ich einmal in meinem Leben im Sommer Geburtstag hatte (Februar ist dort Sommer, da Chile auf der Südhalbkugel liegt).
Mit meiner Familie waren wir im Süden zu zehnt campen (mit Oma und Tante). Ich war zuvor noch nie campen, deswegen war es eine einzigartige Erfahrung. Wir blieben drei Wochen lang an einem See mit Wald und entspannten uns.
Als es Februar wurde, kam mein Geburtstag, jedoch auch mein Abflugdatum immer näher und ich hatte oft sehr gemischte Gefühle.
Da es also meine Abschiedsfeier UND mein Geburtstag war, wurde der Tag umso mehr gefeiert.
Ihr müsst wissen, in Chile feiert man den Geburtstag sehr groß und mir wurde das ganze Haus bis in den Garten alles dekoriert. Es wurde gekocht, gebacken, eingekauft und zum Schluss hatte ich einen der besten Tage meines Lebens! Ich bekam sogar einen „Tortazo“ (wenn man die Kerzen ausbläst, wird die Torte dem Geburtstagskind in das Gesicht gedrückt). Es kamen ca. 40 Personen und wir feierten bis sehr spät in die Nacht.

Doch so fröhlich auch mein Geburtstag war, so kam auch eine meiner traurigsten Erinnerungen, obwohl ich weiß, dass ich meine chilenische Familie wiedersehen werde. Mich brachten 14 Leute zum Flughafen, um sich von mir zu verabschieden (da sieht man wieder was für Familienmenschen die Chilenen sind).

Natürlich habe ich noch nicht alles aufgeschrieben und es gibt noch viel mehr zu sagen. Also wenn Ihr noch Fragen habt, dann könnt Ihr mich gerne auf der Weltenbummlerliste finden und kontaktieren!

Ansprechpartnerin Chile

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

jana@opendoorinternational.de