„Chile? Liegt das in Deutschland?“, wurde ich einmal, kurz vor meinem Aufenthalt gefragt. Diese Frage zeigt doch eindeutig, wie wenig die Deutschen doch eigentlich über dieses wunderschöne Land wissen. Aber glücklicherweise hatte ich die Chance, eine Deutsche (mittlerweile vielleicht auch eher Chilenin) zu sein, die es nun besser weiß!
So stieg ich also am 15. Februar 2013 in den Flieger nach Santiago um für ein halbes Jahr ein neues Leben anzufangen. Und ich muss sagen, es ist mir ziemlich gut gelungen! Chilenische Familien sind für gewöhnlich ziemlich groß und so hatte auch ich drei Gastschwestern.

Wir lebten in Curicó, ein Städtchen, was nicht allzu groß war, wodurch ich alles sehr selbstständig erreichen konnte. Trotzdem wurden wir meist von meiner Gastmama mit dem Auto in die Schule gefahren, da meine kleine Schwester mit mir auf die gleiche Schule ging. Womit wir auch schon bei einem vielleicht sehr wichtigen Thema wären! Das sogenannte Colegio dauert teilweise sehr lang, so hatte ich beispielsweise jeden Tag (außer freitags) bis fünf Uhr Unterricht, was für mich, besonders am Anfang, sehr gewöhnungsbedürftig war. So blieb leider auch relativ wenig Zeit für andere Aktivitäten und gerade im Winter war wenig Zeit nach der Schule, um noch etwas zu unternehmen. Trotzdem habe ich dann nach ein paar Monaten in einem Jugendorchester mitgespielt, was mir natürlich die Gelegenheit bot, wieder mal neue Leute kennenzulernen! :D Es ist also durchaus möglich, trotz des vielen Unterrichts seine Freizeit schön zu gestalten. Und ich rate euch, es auch wirklich zu tun, weil es einem die Möglichkeit gibt, neue Freundschaften zu knüpfen. Und das ist eines der wichtigsten Dinge bei so einem Auslandsaufenthalt, glaubt mir!
So lange die Tage in der Schule auch manchmal sein mochten, das Wochenende war immer ein Ausgleich zur Woche. Man muss sagen: Chilenen wissen wie man feiert! Das habe ich schnell gelernt. Ob nun innerhalb der Familie oder unter Freunden, es gab immer einen Anlass, sich zu treffen und einen schönen Abend miteinander zu verbringen.

Oft kamen auch Verwandte zu Besuch oder wir fuhren nach Santiago, um einen Teil der Familie zu besuchen. Dafür bin ich meiner Gastfamilie sehr dankbar, denn ich hatte oft die Chance, etwas von der Hauptstadt zu sehen. Aber nicht nur die bekam ich während der fünf Monate zu Gesicht, sondern auch Valparaíso, Viña del Mar und vor allem: Die Osterinsel!

Ich glaube, die paar Tage auf dieser kleinen, verwunschenen Insel mitten im Ozean (das nächste Land dahinter ist übrigens Tahiti!) war die beste Zeit meines Lebens! Wir flogen in einer kleinen Gruppe von deutschen Austauschschülern mit Alan, unserem dortigen Betreuer, und verbrachten eine wunderschöne Zeit dort drüben auf der „Isla de Pascua“ mit ihren Moais. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.
Ich werde oft gefragt „wie es in Chile war“ und dann wird von mir erwartet, dass ich ein halbes Jahr in einen Satz packe, damit mir die Leute nicht zu lange zuhören müssen. Und das finde ich sehr schade. Und deswegen fällt es mir auch ziemlich schwer, meine Erlebnisse in einem Bericht mit euch zu teilen. Mein Vorschlag also: Erlebt es selbst!
Ich würde mich unglaublich freuen, in einem Jahr neue Erfahrungsberichte auf der ODI-Seite zu finden, wo wieder einmal von dem schönsten Land und den nettesten Leuten der Welt geschwärmt wird!