Erfahrungsbericht Chile: Leonie 2015-2016

“Hola, ¿cómo estai?” (Hallo, wie geht´s dir?)

“Bien, gracias, y tú?” (Danke, gut, und dir?)

Willkommen in Chile, wo der Vollständigkeit halber davor, danach oder währenddessen noch ein Wangenküsschen diese landestypische Begrüßung ergänzt. Ich bin Leonie, und habe 2015/16 mit ODI einen Schüleraustausch in der Nähe von Santiago de Chile gemacht. 

Ob diese Art der Begrüßung am Anfang seltsam für mich gewesen ist? Oh ja. Aber nicht groß darüber nachdenken – irgendwann geht einem das in Fleisch und Blut über. Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich einmal zu meinem Gastvater und einem seiner Bekannten in den Garten ging, sie begrüßte und mein Gastvater daraufhin meinte, dass ich hätte nicht chilenischer dabei sein können. Keine Frage – natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut. 

 

Aber eins nach dem anderen:

Während meiner Zeit dort habe ich Chile als ein sehr vielfältiges Land kennengelernt. Auf der einen Seite die großartige Natur und die vielen Nationalparks, die immer einen Besuch wert sind; auf der anderen Seite die Chilenen, von denen die meisten meiner Erfahrung nach sehr herzlich und offen gegenüber allem und jedem sind und die mich mitgerissen haben in ihre Kultur, wo Familie, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft sehr groß geschrieben werden und wo oftmals viel Spontanität und Kreativität an den Tag gelegt werden. Anfangs war ich ziemlich überwältigt von all den neuen Eindrücken, der Sprache, die ich in der chilenischen Version maximal zur Hälft verstand, und den vielen Fragen, die mir Familienmitglieder, Mitschüler und Lehrer stellten, die ich aber noch nicht so besonders gut beantworten konnte. 

Doch nach der aufregenden Eingewöhnungszeit, in der ich langsam alles besser kennenlernte und erfassen konnte, waren die letzten dreieinhalb Monate die schönsten meiner Zeit in Chile. Nach fast drei Monaten Sommerferien fühlte es sich einfach normal an wieder in die Schule zu gehen und den Alltag mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden zu verbringen. Ich hatte das Gefühl, dass ein Teil von mir chilenisch geworden war und ich genoß einfach das Leben, das ich dort neu kennengelernt hatte. Ich bin total froh, dankbar und glücklich, dass meine Gastfamilie und Freunde zu meiner zweiten Familie geworden sind, mit denen ich Erfahrungen und Erlebnisse teile, die ich nie vergessen werde. Und am schönsten ist, dass ich weiß, dass ich immer ein zu Hause am anderen Ende der Welt haben werde.

Apropros “anderes Ende der Welt” – das wollte ich mir auch noch genauer ansehen, weshalb es in den langen Sommerferien gemeinsam mit der Partnerorganiation und den anderen Austauschschülern auf einen Roadtrip durch die Atacamwüste im Norden Chiles bis hin zum Salar de Uyuni (ein riesiger Salzsee) in Bolivien ging. Mit anderen Austauschschülern unterwegs zu sein, sich auszutauschen, und die Zeit und die Natur zu genießen, gehörte definitv mit zu meinen Highlights. Egal, ob endlose Weite der Wüste, gute Gespräche, lustige Unternehmungen oder der unfassbar schöne Sonnenaufgang am Salar de Uyuni – es sind Erlebnisse, die bleiben und mich auf ihre eigene Art geprägt haben.

Rückblickend kann ich sagen, dass mein Auslandsjahr in Chile eine große Herausforderung für mich gewesen ist. Es war nicht immer einfach, nicht alles funktionierte auf Anhieb und manchmal verstand ich Sachen einfach nicht. Aber das Wichtigste war es dann, dran zu bleiben, nicht aufzugeben und vor allem viel mit meiner Gastfamilie und Freunden zu reden, denn gerade aus solchen Situationen habe ich viel für mich mitgenommen und gelernt. 

Meiner Erfahrung nach machen viele kleine wunderschöne, lustige, coole, aber auch manchmal traurige und schwierige Momente ein Auslandsjahr aus, die ingesamt gesehen, in welcher Form auch immer, für jeden eine Bereicherung darstellen. Man muss sich nur trauen!

Und warum bin ich dafür nach Chile gegangen? Hauptsächlich bin ich da meinem Bauchgefühl gefolgt und diese Entscheidung habe ich nie bereut. Es ist anders (nicht besser oder schlechter!), vielfältig und mein Aufenthalt dort hat mir einen neuen Blickwinkel auf viele Dinge gegeben, aber vor allem die herzlichen Menschen, von denen ich heute viele zu meiner Familie und Freunden zähle, haben diese Erfahrung zu einer ganz Besonderen gemacht.

Ansprechpartnerin Chile

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

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