Holaaa, mein Name ist Ole und ich war 2014 mit Open Door International ein halbes Jahr in Chile :-)

Einen Austausch? Ja! Wohin? Das wurde mit dem Finger auf Landkarte entschieden. Als dann die Wahl auf das vergleichsweise sehr schmale und unauffällige Land Chile fiel, war klar: Das kann doch gar kein Zufall sein, da muss ich hin!

So entschied ich mich also dazu, im Februar 2014 die Zelte in Deutschland abzubauen und mich auf das Abenteuer Chile einzulassen – rückblickend die wohl beste Entscheidung meines Lebens.

Als ich am 22. Februar in Santiago landete, gab es zwischen meiner Gastfamilie und mir schon keine Distanz mehr – erschöpft vom 13-stündigen Flug fiel ich ihnen einfach nur noch erleichtert in die Arme.

Meine Gastfamilie lebt in Curicó, einer Kleinstadt mit etwa 120.000 Einwohnern, 200 Kilometer südlich von Santiago. Ab dem ersten Tag behandelten mich meine Gasteltern wie einen dritten Sohn und meine beiden Gastgeschwister wie einen Bruder. Für solch eine Offenheit kann man nur dankbar sein, auch sie sind zu meiner Familie geworden – kurz gesagt: ich habe die beste Gastfamilie der Welt!

Zusammen mit meinem jüngeren Gastbruder bin ich in eine Klasse gegangen, in der ich sehr herzlich aufgenommen wurde. Der Schulweg war nur wenige hundert Meter lang. Das colegio begann jeden Tag um acht Uhr, es folgte eine eineinhalbstündige Mittagspause, nach der der Unterricht bis 17 Uhr fortgesetzt wurde. Gewöhnungsbedürftig ist wohl die Pflicht der Schuluniform, die unterschiedlicher nicht sein könnten: während unsere eher einem Jogginganzug ähnelte, müssen andere täglich mit Hemd und Krawatte auflaufen. Dennoch war der Dresscode an unserer Schule ziemlich streng. Ich habe es beispielsweise bei einem Mitschüler erlebt, wie er nach Hause geschickt wurde, weil ihm seine Haare über die Ohren gewachsen sind.

Bekannt ist Chile auch für kulinarische Genüsse. An erster Stelle steht hier wohl der Weinbau, eins der wichtigsten Exportgüter des Landes. Hier schon mal ein Liste von Dingen, wo ich wetten würde, dass Ihr sie in Chile essen werdet: empanadas, sopaipilla, mote con huesillo und completo. Diese Gerichte werden Euch öfter begegnen, genauso wie Avocado, allgemein eventuell mehr Fleisch und Meeresfrüchte. Schon beim Schreiben läuft einem da das Wasser im Mund zusammen ;-)

Der starke Patriotismus der Chilenen nahm während der Fußball-Weltmeisterschaft noch größere Züge an. Davon mitgerissen, lernte ich sogar heimlich die chilenische Nationalhymne, die ich meinen Freunden dann stolz beim ersten Gruppenspiel gegen Australien präsentierte – als Lautester! In dieser Zeit wurde ich selbst richtig zum chileno de corazón, was dazu geführt hat, dass ich auch heutzutage jedes Spiel von La Roja, der chilenischen Nationalmannschaft, schaue, und sei es durch die Zeitverschiebung mitten in der Nacht.

Chile ist ein Land der tausend Gesichter. Ich hatte die Möglichkeit, viel zu reisen, und konnte mich demnach davon überzeugen. So war ich Beispiel im Norden des Landes und bestaunte die Weiten der Atacama-Wüste mit ihrem sternenklaren Nachthimmel. Genau wie die Reise auf die Osterinsel (mit der Partnerorganisation), in der einheimischen Sprache Rapa Nui genannt, kann ich dies wohl zu den Highlights meines Austauschs zählen. Die berühmten Steinstatuen, die moais, und der atemberaubende Blick in den Krater Orongo, waren beeindruckend. Ich wusste gar nicht, was es für paradiesische Flecken auf unserer Erde gibt! Diese Tage auf Rapa Nui mit einer Gruppe von anderen Austauschschülern waren einfach toll und ich empfehle jedem explizit an dieser Stelle, als angehender Chilene dies wahrzunehmen.

Dennoch sind es die kleinen Dinge, die einen Schüleraustausch zum persönlichen Erfolg machen. So war für mich der Alltag das Besondere, Höhepunkte der Woche waren das allabendliche, gemeinsame Abendessen um halb 11, bei dem die Geschehnisse des Tages besprochen wurden – eine kleine Sache mit großer Wirkung. Neben der neuen Familie sind auch die neuen Freundschaften und wohl das wichtigste Mitbringsel, was man dann wieder mit in die Heimat nimmt. Die Freunde und meine Familie von dort werden immer bei mir sein und umgekehrt, auch wenn zwischen uns 12.000 Kilometer Entfernung liegen. Mit vielen habe ich noch täglich Kontakt, wodurch ich mehr oder minder zwischen den Welten stehe. Die nächsten Reisen werden somit vorerst wieder nach Chile gehen!

Abschließend möchte ich alle dazu ermutigen, diesen Schritt zu gehen. An einem anderen Ort der Welt zu leben, ist großartig in vielerlei Hinsicht. Von den persönlichen Erfahrungen zehrt man ein Leben lang, mich persönlich hat mein halbes Jahr in Chile selbstständiger und offener gemacht. Vor allem aber habe ich ein zweites Zuhause gefunden, in dem ich immer willkommen bin, was für mich einfach überwältigend ist.

Ich wünsche allen angehenden Austauschschülern eine schöne Zeit in ihren Ländern, dass sie wie bei mir zur besten Eures Lebens wird und Ihr ähnlich gute Erfahrungen mitbringt. Habt Humor, seid offen und nehmt alles mit, was Ihr könnt!

Les deseo lo mejor, que tengan un tiempo inolvidable :-)

Ole Küllmey

P.S.: Viva Chile!

Ansprechpartnerin Chile

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

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