Hola, Hola! :)

Es ist jetzt zwar schon fast ein ganzes Jahr her, dass ich losgeflogen bin, aber trotzdem hoffe ich, dass ich meine Erinnerungen soweit zusammen kriege, um euch doch ein bisschen an meinem wirklich aufregenden Auslandsaufenthalt teilhaben zu lassen.

Vielleicht zu Anfang: Ich heiße Paula und habe gut sieben Monate in Curicó, Chile gelebt und ich kann sagen, dass ich wirklich ziemlich viel erlebt habe, Gutes wie vielleicht auch mal nicht soo Gutes, von Reisen in die einsamen Wüsten Chiles über einsame Hügel und weltgrößte Observatorien bis hin zu ganz alltäglichen Kleinigkeiten, die zwar nicht so spektakulär klingen, aber im Grunde den Großteil eines Auslandsaufenthaltes ausmachen und ihn, man glaubt es kaum, gerade so spannend machen.

Aber vielleicht mal von Anfang an. Ich flog hier in Deutschland im strahlendsten Juli los und landete im eisigen chilenischen Winter. Das bedeutete erstmal eine Umstellung! Aber so kalt der Winter dort sein mag, so warmherzig war meine Gastfamilie mit großem Empfangskomitee am Busbahnhof mit Schildern und Umarmungen und sogar einer kleinen Willkommensparty. Man trommelte alle vecinos (die Nachbarn, wobei der Begriff dort viel mehr bedeutet, als nur die Leute von nebenan) zusammen und tanzte und lachte bis mir schließlich die Augen zufielen.

In den nächsten Tagen wurde ich langsam in den Kreis der Familie eingeweiht, wir besuchten Großeltern am anderen (Quer-) Ende des Landes (alles unter drei Stunden wird als „kleiner Ausflug“ gewertet :D), Tanten, die am Strand und Onkel, die in der Cordillera wohnten.

Familie wird in Chile wahnsinnig groß geschrieben und hat eine viel größere Bedeutung als in Deutschland. Am Wochenende auch mal Großgroßcousinen zu besuchen war bei uns Normalität. Man steht sich so viel näher und so viel wird einfach im Kreis der Familie unternommen, das kannte ich so von zu Hause überhaupt nicht. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es toll zu sehen, dass man so gut zusammenhält. Wenn man dann merkt, dass man selber ein Teil dieser Familie geworden ist und eben einfach dazu gehört, ist das ein echter Erfolg. Denn das ist es ja, was man schließlich will: Nicht ewig Gast sein, sondern sich zu Hause zu fühlen.

Die Familie, in der ich gelebt habe, war recht klein, Mutter, Vater und meine Gastschwester, die ein Jahr jünger war als ich, was eigentlich eher ungewöhnlich ist. Rückblickend kann ich sagen, dass ich viele wirklich schöne Momente mit meiner Gastfamilie hatte und ich denke, dass sie sich wirklich alle Mühe gegeben haben, aber es gab auch Streitigkeiten und Momente, in denen ich mich einfach alleine gefühlt habe. Meine Schwester und ich hatten zum Beispiel einen total unterschiedlichen Freundeskreis und ich wollte abends weggehen, während sie viel zu Hause war. Das führte  zu Eifersucht und Streit und einer meiner, leider, wirklich schlechten Erfahrungen in Chile war mein Familienwechsel, der am Ende einfach sein musste. Ich weiß, es klingt komisch, wenn ich oben von familiärer Gemeinschaft schreibe und jetzt sage, dass ich die Familie wechseln musste und es wirklich nicht angenehm war. Aber trotz all dem Stress, den ich hatte, habe ich doch eine ziemlich lange Zeit mit ihnen zusammen gelebt und bin dankbar für alle schönen Momente.

Aber weiter: Alltag, Schule und Freunde war für mich, bevor ich geflogen bin, ein ganz großes Thema. Schaffe ich das mit der Schule? Finde ich auch Freunde und wie sieht das mit der Sprache aus? Allen, die sich entschließen ins süd- oder mittelamerikanische Ausland zu gehen, kann ich sagen: Macht euch darüber nicht so viele Sorgen. Schule schafft man auf jeden Fall. Am Anfang, wenn man die Sprache, die man übrigens sooo wahnsinnig schnell lernt, noch nicht gut kann, habt ihr noch einen kleinen Auslands-Gastbonus. Natürlich sollte man sich anstrengen, denn schließlich will man irgendwann auch einfach mal Schüler sein, ohne Kompromisse, genau wie die Anderen, aber am Anfang wird das mit den Hausaufgaben und Klassenarbeiten alles nicht ganz so streng gesehen.

Und auch mit den Freunden ist das überhaupt kein Problem. An meinem ersten Schultag war ich unglaublich nervös, hatte Angst, dass alle mich auslachen und ich einfach alleine in der Ecke sitzen werde. Ich wurde so richtig, wie in den ganzen amerikanischen High-School-Filmen, in die Klasse geführt und vorgestellt und wurde dann ganz nach hinten neben irgendein Mädchen gesetzt. Tja, das Mädchen war im Endeffekt eine meiner besten Freundinnen da. Und auch in der Pause kamen alle direkt zu mir „ Du bist die Deutsche, stimmt’s?“ „ Wie ist es in Deutschland?“ „ Sag mal was auf Deutsch!“. Ich war die Hauptattraktion Nummer 1 und dass ich nur einzelne Sätze zusammen gestammelt habe, hat niemanden interessiert. Wenn man ein bisschen über sich selber und seine eigenen Fehler lachen kann, ist die von allen so gefürchtete Sprachbarriere kein Problem.

Klar verebbt das Interesse irgendwann und man ist eben einfach da. Alle Fragen wurden beantwortet und auf dem Schulhof wurde nicht mehr beeindruckt auf mein helles Haar gezeigt. Aber da hatte ich auch einfach schon meine Gruppe Freunde, die mich überall hin mitgenommen haben und mit denen ich sehr viel gelacht und meine Zeit dort verbracht habe.

Und irgendwann kam dann einfach der Zeitpunkt, an dem ich im Alltag angekommen war. Schule Mittagessen, Nachmittagsunterricht. An dem ich merkte, dass ich die Witze meiner Freunde einfach so verstanden habe und nicht mehr alles vorher in meinem Kopf übersetzen musste. Und das ist einfach ein unglaubliches Erfolgserlebnis für mich gewesen und es tat so gut zu sehen, dass fast alle Befürchtungen, die ich einfach in Bezug auf Sprache und Freunde hatte, nie eingetreten sind und dass ich einfach angekommen war. Ich war Chilenin!

Zum Schluss noch: Es gibt so viele Dinge, bei denen ich so froh bin, dass ich dieses halbe Jahr in Chile gewohnt habe. Da sind die fiestas patrias, eine Woche, in der nur gefeiert wird, dass Chile unabhängig ist. Und da die Chilenen sehr vernarrt in ihr Land sind, hieß das eine Woche voller typischer Dinge, ein wahres Paradies für die neugierigen Austauschschüler. Chilenisches Essen (natürlich gaaanz viel Fleisch), der Nationaltanz Cueca, der dann eben mal spontan auf der Straße getanzt wird, Singen und einfach so viele Leute, ob aus dem Norden oder dem Süden, die zusammenkommen, um zu feiern und Spaß zu haben. Ich selbst durfte in der Schule beim traditionellen Cueca mitmachen und, obwohl ich absolute Anfängerin war, hat es irre viel Spaß gemacht mit traditionellem Kleid und dem ebenso traditionell wie aufwändig gekleideten Caballero (der Gentleman, der die wartende Dame zum Tanz aufgefordert hat) zu tanzen.

Es lohnt sich auch die Reisen, die InsideChile anbietet, mitzumachen. Für die Osterinseln hat meine Zeit leider nicht gereicht, aber ich durfte mit nach La Serena fahren, eine Stadt in der Wüste, naja fast Wüste, und mir auf dem Tololo (Hügel in jener Fast-Wüste mit dem Observatorium mit der größten Linse der Welt) den unendlich klaren Sternenhimmel anschauen.

Soo, ich will auch gar nicht zu viel vorweg nehmen. Wenn ihr euch entschließt zu gehen, macht ihr einen riesigen Schritt (im wahrsten Sinne des Wortes, wir reden hier immerhin vom anderen Ende der Erde! :O), der wahnsinnig viel Mut erfordert, aber es lohnt sich SOWAS VON! Ich hatte eine tolle Zeit und - trotz ein paar Heimwehmomenten und kleinen Krisen (aber ganz ehrlich, es gehört doch irgendwie auch dazu!) - habe es genossen und wirklich viel mitgenommen. Ihr werdet dort superviele Erfahrungen machen und bestimmt ganz viele andere Sachen erleben als ich, aber bestimmt genauso schöne und machenswerte Dinge! Ich gebe zu, es ist nicht immer leicht und es gibt Zeiten, da muss man einfach durchhalten und sich reinhängen, aber am Ende werdet ihr es bestimmt nicht bereuen!

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen von dem rüberbringen, was ich erlebt habe, und ihr hattet Spaß beim Lesen :)

Muchos saludos y les deseo muy buena suerte. Que tengan un tiempo inolvidable

Paula :)

Ansprechpartnerin Chile

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

jana@opendoorinternational.de