Erfahrungsbericht Chile: Valerie 2011-2012

Ich habe das Schuljahr 2011/12 in Chile verbracht und obwohl ich viele Dinge, die hier in Deutschland und bei meinen Freunden passiert sind, nicht mitbekommen oder nur davon erzählt bekommen habe, hätte ich es im Nachhinein auf keinen Fall anders gemacht.
Denn in diesem einen Jahr habe ich mehr erlebt und gelernt, als ich es Zuhause hätte tun können. Zuerst war das chilenische Leben, die Sprache, die Leute, einfach alles neu. Man hat jeden Tag neue Leute und Dinge kennen gelernt, was sehr interessant und durchaus auch manchmal eine Herausforderung war – wie in meinem Fall die Sprache. Ich konnte, als ich in Chile ankam, gerade so „Hola“ und „Gracias“ sagen, aber das war kein großes Problem. Klar gab es manchmal Missverständnisse, aber sie wurden meistens schnell geklärt und dann darüber gelacht. Der Schulalltag war anfangs auch ein bisschen schwer zu verstehen, da die Arbeitsmoral der Chilenen einfach anders ist, als die, die man von deutschen Schulen gewohnt ist. Südamerikanisch eben. Nachdem ich das neue Leben verstanden hatte, kehrte der Alltag ein. Und das interessante war: Es war ein ganz anderes Leben, ein ganz anderer Alltag als der, den ich sonst gewohnt war – aber es war mein Alltag.

Dieser bestand aber nicht nur aus in die Schule gehen, mit der Familie Zuhause das Wochenende verbringen, sich mit den Freunden zu treffen und weg zu gehen und ab und zu mal ins Stadtzentrum fahren, sondern auch aus Ausflügen an den Strand mit der Familie, eine Fahrt mit den deutschen Austauschschülern in den Süden, eine in den Norden und eine Woche auf die Osterinseln und natürlich die Klassenfahrt nach Brasilien.
Auch eine Abwechslung waren die ganzen Feste. Der Nationalfeiertag wird in Chile sehr groß gefeiert, Schüler und Arbeitnehmer können bis zu einer Woche Ferien bekommen, um ihn gebührend zu feiern. Und das wird dann auch gemacht. Der Nationaltanz wird getanzt, Nationalgerichte gekocht und die ganze Familie, jung und alt, feiert ausgelassen. Weihnachten und Silvester sind ähnlich und besonders an diesen Festen merkt man, dass man nicht in Deutschland ist. Nicht nur, weil man an das Weihnachten und die Familie zuhause denkt, sondern wegen des Wetters! Es ist unglaublich, wie man die eisige Kälte vermissen kann. Denn im T-Shirt draußen das Feuerwerk zu bewundern und nicht zu frieren, ist schon gewöhnungsbedürftig, man muss es aber mal erlebt haben!

Ich habe mich mit meiner Familie super verstanden. Meine Schwester und ich waren zwar nicht unbedingt beste Freundinnen, aber wir waren Schwestern. Und auch für den Rest war ich wie ein Teil der Familie und sie sind meine zweite Familie geworden. Das galt sowohl für die Wochenenden, die man schön im Kreis der Familie verbrachte, als auch für die Pflichten, die man in einer Familie hat. Aber erst, wenn man „ermahnt“ wird, dass man mit dem Geschirrspülen dran ist, wird einem bewusst, dass man nicht mehr nur Gast, sondern ein richtiges Familienmitglied ist.

Diese und noch mehr Erfahrungen kann man nur machen, wenn man für eine bestimmte Zeit in einem anderen Land lebt.