Neben all der Schule und den neuen Erfahrungen hab ich jetzt endlich mal Zeit gefunden, euch von meinem tollen Aufenthalt in Frankreich zu berichten! Letzte Woche hat es in einer Nacht 25 cm geschneit, das kennt man hier in Avignon in der Provence gar nicht! Eine Freundin meinte, sie hätte seit 7 Jahren keinen Schnee gesehen, der länger als einen Tag liegengeblieben ist, deswegen fahren keine Busse, alle bleiben bei sich zu Hause vorm Kamin und das lycée ist geschlossen… Für mich ist es ganz normal, dass es jeden Winter schneit, ich komme aus dem Norden Deutschlands, wo es ja nicht unbedingt das schönste Wetter gibt!

Wie gesagt, ich wohne in Le Pontet, das ist direkt neben Avignon, einer wunderschönen Stadt, bei einer sehr netten Familie. Claire, die 17-jährige Tochter, ist auf dem gleichen lycée wie ich, sie macht diese Jahr ihr bac, Juliette, die ältere Tochter wohnt in Paris, wo ich sie Weihnachten zusammen mit Claire besucht habe! Der „papa d’accueil“, Laurent, ist echt cool, der hat zu jedem Thema einen doofen Spruch, über den man einfach lachen muss, nur anfangs habe ich ihn nicht gut verstanden, denn hier im Süden Frankreichs wird schon ziemlich stark mit Akzent gesprochen. Daran habe ich mich aber gewöhnt und jetzt, nach fast 5 Monaten, verstehe ich so gut wie alles, das freut mich echt sehr und ich hätte nicht gedacht, dass das doch so gut klappt! Und dann ist da noch die „mama d’accueil“, Anne, die ist sooo nett und hat immer tolle Ideen, was wir am Wochenende machen können! Ich habe jetzt noch knapp 1 ½ Monate in Frankreich und ich glaube nicht, dass wir noch alles, was sie geplant hat, in diese Zeit hineinbekommen!
Wir haben schon gesagt, ich mache die „Tour de France“, so viel sehe ich in allen Ecken Frankreichs. Wir waren in Angoulême, wo Annes Mutter ein renovierbedürftiges Haus hat, da hab ich so Worte wie „detapisser“ (=abtapezieren) gelernt, wir waren in Bordeaux, das finde ich sogar noch schöner als Paris, ich habe Perpignan gesehen, Collioure, Arles, und und und.
Und das größte Erlebnis war wohl die Weihnachtszeit: Erst war ich mit Claire vom 20.-24. Dezember in Paris, wo wir die ganze Touristen-Tour gemacht haben, dann sind wir um Mitternacht wiedergekommen und sind gleich am 25. weiter nach Rieutort, einem klitzekleinen Dorf in den Pyrenäen, wo Laurents Eltern ein Haus haben. Als wir dort ankamen, waren im Haus sage und schreibe 3°C, die Toilette war gefroren und die Decken konnten man nicht auseinanderfalten. Dann haben wir erst mal den Kamin, der neben 3 schwachen Heizkörpern die einzige Wärmequelle im ganzen Haus war, angemacht und haben und dann mit Tee, dicken Pullis und der Freude des Geschenkeauspackens aufgewärmt. Nach 3 Tagen herrschten im Haus dann immerhin 13°C, was ganz gut war, um sich nach einigen Stürzen auf Skiern oder einer 5-Stunden-Wanderung aufzuwärmen!

Ein ziemlich großer Unterschied zu Deutschland ist auch das Schulsystem. Ich war es immer gewöhnt, spätestens um 14 Uhr Schulschluss zu haben, aber hier hab ich immer bis mindestens 16 Uhr Unterricht, Donnerstags habe ich 9 Stunden bis 18 Uhr, das war am Anfang schon sehr anstrengend, aber sogar daran gewöhnt man sich.
Und auch die Unterrichtsmethoden sind ein wenig unterschiedlich. Die Lehrer für die Fremdsprachen reden sehr gerne Französisch, das wundert mich ein wenig, denn eigentlich sollte man ja die Fremdsprache lernen… Es ist tatsächlich so, dass es in erster Linie der Lehrer ist, der redet, der die Lösungen gibt, das wundert mich auch, den im bac muss man das dann alles selber machen können, ich bin mir nicht sicher, ob ich das auf die Reihe kriegen würde. Und am schlimmsten ist Latein: Für die contrôles müssen wir den Text, den wir beziehungsweise der Lehrer im Unterricht übersetzt haben, und dessen Deutung auswendig lernen und es einfach runterschreiben, das ist für mich dann eher noch ein Lernprozess in Französisch, aber keinesfalls in Latein!
Trotz dieser Umstellungen komme ich im Unterricht sehr gut mit und da das Schuljahr in Frankreich in Trimester eingeteilt ist, haben wir auch schon unser erstes Zeugnis erhalten, das war eine sehr große Überraschung für alle, ich hatte einen Durchschnitt von 13,3 von 20, das war der drittbeste Durchschnitt der Klasse! Da habe ich mich schon ein bisschen gefragt, ob ich in einer eher nicht so schlauen Klasse gelandet bin, oder ob in mir ein unerkanntes Genie liegt!

Diese 6 Monate in Frankreich sind wirklich eine wundervolle Erfahrung und sie sind so schnell vergangen! Ich hätte gedacht, dass ich öfters mal Heimweh hätte, aber man ist mit so vielen neuen Dingen beschäftigt, dass man für so etwas fast keine Zeit findet! Ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und ich kann es jedem nur raten, so ein Auslandsaufenthalt zu machen, denn das ist nicht nur eine sprachliche Bereicherung, sondern auch eine ein großes persönliches Erlebnis, von dem später noch viel erzählt werden kann!

Ansprechpartnerin Frankreich

Jana Droste

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