Bevor mein Abenteuer begann

Damals entschied ich ziemlich kurzfristig, dass auch ich für einige Monate ins Ausland wollte. Kaum hatte ich genauere  Ideen und Gedanken dazu, gab es an unserer Schule auch schon eine Veranstaltung bei der ich auf ODI stieß und relativ fest stand, dass es für mich nach Frankreich gehen wird! Anfangs stand ich der ganzen Sache noch skeptisch gegenüber, doch schon beim Vorbereitungsseminar in Köln stieg meine Reiselust und ich verlängerte meinen Aufenthalt von 3 auf 6 Monate schon bevor ich überhaupt ankam und diesen Schritt werde ich nicht bereuen!

Au revoir et bienvenue!

Der Abschied von all‘ meinen Freunden und meiner Familie war ziemlich schwer. An dem Tag an dem es losgehen sollte, konnte ich es immer noch nicht realisieren – es schien alles noch so fern, obwohl ich wusste, dass ich schon in einigen Stunden mein ganzes normales Leben für eine Zeit hinter mir lassen musste. Erst als ich im Flieger saß, flossen die ersten Tränen. Ich hatte ziemliche Angst vor einem Leben in einem anderen Land, mit einer anderen Familie, mit anderen Menschen, mit einer anderen Sprache, einer anderen Schule, einer anderen Kultur und meine Liste, was alles anders sein würde, war ziemlich lang.
Doch dann war ich da, in einem kleinen Dorf, in der Nähe von Toulouse. Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter Valérie, meinem Gastvater Serge und meinen zwei Gastbrüdern, die allerdings schon ausgezogen sind, Sami und Corentin.

Aller Anfang ist schwer

Anfangs war ich ziemlich schüchtern und all‘ meine Vorsetze, wie offen ich sein wollte und wie schnell ich mich einfinden wollte, waren schnell verflogen, denn auch wenn meine Französisch Noten in Deutschland nicht schlecht waren, ist es doch etwas ganz anderes, sich mit richtigen Franzosen zu unterhalten. Zudem gibt es auch noch einen Akzent in Südfrankreich, meine Gasteltern besaßen diesen glücklicherweise nicht sehr stark, da sie im Norden geboren sind. Ich hatte Schwierigkeiten meine Mitmenschen zu verstehen und erst recht zu sprechen.
Direkt am ersten Wochenende, an dem  ich da war, hatte meine Gastmutter Geburtstag, so konnte ich gleich alle Freunde und die Familie kennenlernen. Schon die ersten Tage merkte ich Fortschritte in meinem Französisch, ich konnte alles plötzlich besser verstehen. Natürlich konnte ich nicht direkt alles verstehen, aber die Vokabeln, die man alltäglich nutzt, festigten sich ziemlich schnell.

Die Schule

Recht ähnlich war es in der Schule: Anfangs hatte ich kaum jemanden verstanden und musste auch noch am ersten Tag weinen! Doch schon am nächsten Tag kamen ein paar Mitschüler auf mich zu. Dies waren erst Menschen, die mir das Reden etwas erleichtert haben, doch mit der Zeit wurden diese Menschen zu meinen  Freunden. Es gab immer Menschen, für die ich einfach eine Austauschschülerin blieb, oder für die ich die Deutsche war oder diejenige, die einfach manchen in Englisch helfen sollte war, doch es gab auch welche für die war ich einfach ich. Ich war Milena und wurde so akzeptiert wie ich bin, egal wie schlecht ich anfangs Französisch sprach und obwohl alle wussten, dass ich mich am Ende so oder so verabschieden musste. In der Schule merkte ich schnell was ich für Fortschritte machte. In den ersten Wochen, habe ich die ersten Klausuren noch gar nicht mit geschrieben. Am Ende hatte ich dann aber sogar manchmal bessere Noten als meine Mitschüler. Die Schule war ziemlich unterschiedlich, obwohl ich in Deutschland sogar mehr Stunden habe, kam ich hier immer später nach Hause, denn hier wurde von 12-14 Uhr immer eine Mittagspause gemacht und Freistunden hatte ich auch. Es war zu Beginn ziemlich anstrengend, erst gegen 6 Uhr nach Hause zu kommen, aber man gewöhnt sich dran und währenddessen mit seinen Freunden in die Stadt zu gehen oder Kicker zu spielen macht ja auch Spaß.

Heimweh und andere Sorgen

Aber egal wie viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen man macht, man sollte nie vergessen, dass so eine Zeit auch manchmal schwer sein kann. Doch in so einer Zeit haben mir grade die anderen Austauschschüler geholfen, anfangs nur die Deutschen und Österreicher, da das französische Sprechen ja noch nicht so klappte und schon bald dann auch die anderen aus der ganzen Welt, es waren wirklich aus fast allen Kontinenten viele Länder „vertreten“. Und wenn ich mich mal nicht an die wenden konnte, waren noch eine Menge anderer Menschen bei mir: Ich konnte mich bei meiner Koordinatorin aus Deutschland melden, meiner Gastfamilie Bescheid sagen oder zur Not auch mit meiner richtigen Familie reden. Zum Ende hin, habe ich kaum mit meiner Familie geskypt, davor allerdings alle zwei Wochen, da ich ziemliches Heimweh hatte.

Meine Erlebnisse

Mit meiner Gastfamilie machte ich immer viele Ausflüge, in den Winterferien bin ich sogar ans Meer gefahren und habe Montpellier und Millau besichtigt. Meistens aber waren wir eher in Städten wie Toulouse, Albi oder Cordes sur ciel, da diese Städte näher gelegen waren. Ich bin auch oft mit dem Bus nach Castres gefahren, da dort die meisten anderen Austauschschüler wohnten. Meine lokale Betreuerin Fabienne hat viele Aktivitäten für uns alle gemeinsam organisiert, es war schön so eine Gemeinschaft in so einer kurzen Zeit aufzubauen. Und mit CEI, der Partnerorganisation von  ODI in Frankreich, haben wir auch eine Fahrt nach Paris gemacht, welche mir super gut gefallen hat, vor allem war auch ein Grund das Wiedersehen von Freunden, die ich in Deutschland auf dem Vorbereitungsseminar kennengelernt hatte. Es war eine tolle Zeit und leider auch eine sehr kurze, doch auch diese kleine Reise hat sich gelohnt.

Ein kleines Schlusswort

Es sind Erfahrungen, die ich niemals vergessen werde und welche ich nur jedem empfehlen kann selbst zu erfahren, denn egal wie viel ich schreiben würde, das Gefühl und die Veränderung an sich selbst, die man macht, die bemerkt man nur, wenn man es selbst erlebt. Was man in einem halben Jahr erlebt, dass kann man in so einem „kurzem“ Text gar nicht zusammenfassen. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in mein halbes Jahr zeigen und euch ein bisschen inspirieren und ermutigen.

Liebe Grüße 
Milena


Ansprechpartnerin Frankreich

Jana Droste

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