Ich weiß noch, dass ich total aufgeregt am Flughafen stand. Es waren alle von meiner Familie mit dabei und es ging alles viel zu schnell, obwohl es vielleicht doch Stunden waren, sodass ich einfach ‚Bis in einem Jahr´  gesagt habe, alle umarmt und ganz schnell zu meinem Gate ging, als könnte ich nicht schnell genug da sein. In London angekommen, fand  ich auch schon sofort meine Fahrerin  und es ging los nach Boston.

Irgendwann wurde ich aufgeweckt und es war 1 oder 2 Uhr morgens, jemand sagte mir wir wären da. Das Haus von meiner Gastfamilie war ein kleines Reihenhaus und es sah genauso aus  wie es in dem vorher mir zugeschickten Fotos aussah. Meine Gastmom machte uns die Haustür auf, das war wahrscheinlich eines der einzigen Male, die Ich durch diese Tür gegangen bin. In England nutzt man nämlich normalerweise immer den Seiten- oder Hintereingang. Im Nachthemd, total müde kamen beide in den kleinen Flur und begrüßten mich und erklärten mir nur kurz wo alles ist. Mein Zimmer war zwar ziemlich klein, aber damit kam Ich zurecht. Da es ungefähr noch eine Woche bis zum Collegestart war, führte meine Gastmom mich in  Boston mit ihren 2 kleinen Hunden herum, und ich traf mich mit Freunden, die Ich bereits im Vorbereitungsseminar bei ODI kennengelernt hatte in den Halls, wo ich auch gleich noch mehr Internationals  traf. Nach ein paar Tagen kam auch mein chinesischer Gastbruder zu uns und meine Familie, mit den drei Eulen im Garten, war für ein Jahr lang komplett.

Mein Tagesablauf sah nach einer Zeit der Eingewöhnung ziemlich alltäglich aus, aber irgendwie gab es doch immer noch was neues das man gelernt, gesehen  und erlebt hatte, was ich alles gar nicht aufzählen kann. Um  ca. 8:50 Uhr klingelte immer mein Handy, das war das Zeichen das meine Freundin vor der Tür stand um gemeinsam den kurzen Weg zum College zu gehen. Dort trafen wir dann den Rest unseres  neuen Freundeskreises. Meine 3 besten Freundinnen waren zwar auch überall aus Deutschland, doch da wir immer noch englische oder internationale Leute dabei hatten, sprachen wir meistens Englisch. Bei dem Mittagessen in der Kantine mussten wir immer etwas aufpassen, denn das englische Essen ist zwar sehr lecker, doch Chips’n’Cheese sind doch sehr fettig. Das wurde aber dann wieder abtrainiert, wenn man von einem zum anderen Campus laufen musste zu seinen Stunden. Der Unterricht an sich ist auch immer sehr unterhaltsam und locker, damit sind die Lehrer auch ganz anders, als sie es in Deutschland auf meiner Schule sind. Um 16.20 Uhr ist die letzte Stunde dann vorbei und entweder musste ich noch Essays schreiben in der Library oder ich ging sofort nach Hause, wo ich erst einmal mit meiner Gastmom über alles Mögliche redete, bis um 17:00 Uhr Tea fertig war. Danach ging ich vielleicht noch zu Freunden, ging zum Sport, zum Musik oder guckte einfach mit meinen Gasteltern fernsehen.
Ich glaube, ich habe an jedem Ausflug mitgemacht, den das College angeboten hat. So ging es zum Beispiel nach Nottingham und meine nun Lieblingsstadt Cambridge, ans Olympiastadion in London oder nach Lincoln an die Universität. Auch ein längerer Trip nach Edinburgh wurde angeboten im März. Aber auch selber organisierte Trips mit  Freunden nach Manchester oder immer mal wieder ans Meer nach Skegness, sind durch die einfachen Zugverbindungen möglich. Meine Gasteltern haben mich auch oft am Wochenende mit dem Caravan durch England geführt. Die Krönung lag aber dann am Ende des Auslandsjahres,  an meiner Reise nach Indien mit dem College.    

Meine Gastmom hat mich schon im Oktober immer gefragt was ich denn in den Winterferien vorhätte. Ich hab immer gesagt, das ist doch noch total lange hin, doch die Zeit verging wie im Flug. Schnell, hab ich auch gemerkt, dass das englisch sprechen immer leichter fällt. Auch wenn ich mal irgendetwas nicht ganz verstanden hab, konnte ich immer nachfragen und meine Gasteltern haben es mir erklärt. Dazu kommt noch der schöne Bostoner Akzent, den man sich auch leicht von meinen Gasteltern und meiner restlichen Gastfamilie angewöhnt. Ich hoffe nur, dass ich den nie wieder verliere, denn so hab ich immer ein Grund zu sagen, wenn mich irgendwer fragt ‚Warum sprichst du denn so komisch Englisch? ‘ – ‚Ich war ein Jahr lang in England, da spricht man nun mal so. ‘  Und alles andere, wie amerikanisches Englisch hört sich irgendwie falsch an.
Von mir aus, war das einer der vielen mehreren kleinen Gründe, warum ich England in eine Gastfamilie wollte. Und jetzt hab ich für mich ein zweites  Zuhause gefunden und immer wenn ich mal in England bin oder noch keine Ferienpläne hab, kann ich mal eben in Boston vorbei schauen.