"Ich bin mir sicher, dass diese wunderbaren Freundschaften noch lange bleiben und wir die Erinnerungen an unser gemeinsames Jahr ewig in unseren Herzen behalten werden!"

7:30 Uhr - schon das dritte Mal fuhren meine Eltern nun das Auto um die Ecke und bogen in unsere Straße ein. Diesmal hatten wir den Karton mit der Bettwäsche und meinem Lieblingskissen vergessen. Das musste aber unbedingt mit! Und noch einmal fuhren wir los und ich blickte mit gemischten Gefühlen zurück auf unser Haus. Ein Jahr würde ich es nicht mehr sehen. Ein Jahr lang würde mein Zuhause in Boston, England sein!

Wir fuhren über Frankreich und durch den Eurotunnel nach England rüber. Insgesamt waren es 9 Stunden von Köln nach Boston. In diesen Stunden dachte ich viel über das bevorstehende Jahr nach. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde! Ich wusste nicht, ob ich Angst haben oder mich freuen sollte... Doch endlich, um 17:00 englischer Zeit (also eine Stunde früher als in Deutschland) kamen wir in dem kleinen Städtchen Boston an. Kleine hübsche Backsteinhäuschen zogen an den Autofenstern vorbei und ich versuchte mir schon mal ein Bild von der Stadt zu machen.

Die Halls of Residence waren unser Ziel. Allerdings gibt es am Boston College nicht nur einen Campus, sondern gleich zwei und den richtigen mit den Halls zu finden war gar nicht mal so einfach! Nachdem meine Eltern erst einmal am falschen Campus über die Hausmeistereinfahrt mitten auf das Gelände gefahren waren fand ich endlich einen Mann, der mich mit den Worten "She knows where you need to go!" zu einer Lehrerin ins Auto steckte. Ein wenig irritiert,da ich nun als Beifahrer auf der "falschen Seite" saß, ließ ich mich zu den Halls fahren. Dort angekommen wurde ich in Sue Hills Büro gebracht und wärmstens empfangen. Sie erklärte einige Dinge, die ich nicht verstand und führte mich anschließend in "meine Wohnung", in der ich von nun an mit 9 weiteren International Students leben sollte.

Schon am nächsten Tag fand ein Treffen mit mehreren anderen Internationals statt, bei dem wir ein paar Englischtests machten und uns näher kennen lernen konnten. Außerdem konnten wir uns für Ausflüge nach Cambridge oder Nottingham eintragen lassen. An diesem Tag lernte ich viele Leute kennen, mit denen ich bis heute noch sehr eng befreundet bin. Unter anderem auch ein französisches Mädchen, mit dem ich auch später zusammen in eine andere Flat zog. Es bildeten sich immer mehr kleine Grüppchen, aber da die Halls wie ein eigenes kleines Dörfchen sind, waren wir wie eine große Familie und verstanden uns alle sehr gut! Ich vermisse die Abende, die wir im "Common Room" mit Tischtennistournieren oder DVDs gucken verbrachten.

Als die Schule endlich begann traf ich schließlich auch noch die Leute aus den Gastfamilien und bald schloss ich weitere Freundschaften. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell mit ihnen verstehen würde, aber die Angst vor dem neuen Unbekannten und die Neugierde aufeinander verband uns alle sofort und wie selbstverständlich.

Am ersten Tag wurden wir in sogenannte "Tutorials" eingeteilt. Die Tutors hatten einige Kennenlernspiele vorbereitet und wir konnten mithilfe einer Liste unsere Fächer wählen. Mich zogen sofort die ungewöhnlicheren Fächer wie Photography, Film Studies und Media an! Aber auch Französisch stand für mich auf dem Stundenplan. Erst eine Woche später teilte man uns in die EFL-Kurse ein (English as a foreign language).

Als dann die "gewöhnlichen" Schultage für uns anfingen, wurden wir direkt von allen Seiten mit Fragen überhäuft. "Wie heißt du?", "Wo kommst du her?", "Gefällt es dir in unserem Land?" - die Engländer nahmen uns herzlich und voller Neugierde auf. Diese Freundlichkeit und Offenheit werde ich wohl nie vergessen.

Das Jahr verging wie im Fluge. Die Wochentage waren meist von 9:00 - 16:30 Uhr mit Schule gefüllt. Danach gingen wir oft noch ins kleine Städtchen zum Shopping oder zum großen 24h-Supermarkt ASDA einkaufen. An den Wochenenden planten wir kleine Ausflüge nach Skegness oder bummelten zum Markt im Town Centre. Im Winter gingen wir auch ins kostenlose Schwimmbad der Schule und viele von uns meldeten sich im Boston College Fitness Club an.

Auch die Schule bot uns viele Aktivitäten: Ausflüge in verschiedene Städte wie Cambridge oder York sowie ein Wochenendtrip nach Edinburgh, Schottland. Außerdem wurden kleine Parties wie die "International Christmas Party" oder eine"International Beach Party" organisiert.

Schon in den zwei Wochen Weihnachtsferien, die die Mehrheit in ihren Heimatländern verbrachte, fiel uns der Abschied schwer. Doch am Ende unseres gemeinsamen Jahres waren unser "Goodbye!" und "See you!" von noch viel größerer Traurigkeit erfüllt. Denn uns allen war klar, dass diese Freundschaften einzigartig waren, geprägt von Ereignissen und Gefühlen, die zu Hause keiner verstehen würde. Trotzdem waren wir immer zuversichtlich, dass wir uns eines Tages wiedersehen würden - und meine besten "England-Freunde" habe ich bis heute behalten und einige von ihnen sogar schon wieder gesehen. Ich bin mir sicher, dass diese wunderbaren Freundschaften noch lange bleiben und wir die Erinnerungen an unser gemeinsames Jahr ewig in unseren Herzen behalten werden!

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