Erfahrungsbericht Kanada: Christina 2006-2007

Ein Jahr Kanada, ein Jahr eine ganz andere Kultur erleben, ein Jahr Freiheit. Dies war einer meiner größten Wünsche der mir endlich mit 16 Jahren erfüllt wurde. Nur einige Wochen vor meiner Abreise bekam ich Informationen zu meiner Gastfamilie und der E-mail Kontakt fing sofort an. Ich erfuhr dass ich einen Gastbruder und eine kleine Gastschwester im kommenden Jahr haben werde. Ich freute mich einmal die große Schwester sein zu können, da ich bei mir zu Hause immer nur die ‚Kleine’ war.

Am Flughafen in Winnipeg angekommen suchte ich mit Blicken meine Gastfamilie, sie hatten mir zuvor Fotos geschickt. Jedoch konnte ich sie nirgends erblicken, bis auf einmal eine sehr kleine Person auf mich zurannte und rief „Welcome to Canada, Chrissi“. Zuerst war ich verwirrt, was wollte diese Frau von mir? Bis ich realisierte, dass es sich um meine Gastmutter Annette handelte, die mir nicht verraten hatte, dass sie mir nur bis zu meiner Brust reicht.
Annette und ich verstanden uns auf Anhieb. Es dauerte nicht lange bis sie mich als ihre deutsche Tochter ‚adoptierte’ und ich sie ‚Mom’ nannte. Wir sind immer noch in stetigem Email-Kontakt.

Meine Gastgeschwister Matt und Mikky wuchsen mir auch sehr schnell ans Herz. Jedoch merkte ich wie schwer es war die Älteste zu sein, da man immer das Vorbild war. Nun verstand ich was für eine große Nervensäge ich in den letzten Jahren für meine große Schwester in Deutschland gewesen sein muss.
Als ich meine Schule sah traute ich meinen Augen kaum. Es sah aus wie ein Schloss und war bekannt als die ‚Harry Potter Schule’ da viele fanden es hätte Ähnlichkeiten mit Hogwarts.
Als es darum ging meine Fächer zu wählen war ich unentschlossen, es gab so eine große Auswahl. Wieder einmal fragte ich mich, wann deutsche Schulen realisieren, dass die Schule mehr Spaß macht wenn die Schüler sich ihre Fächer selber aussuchen dürfen.

Nach den ersten paar Monaten hatte ich mich nicht nur in meiner Gastfamilie sondern auch in meiner Schule eingelebt. Ich hatte keine Probleme Freundschaften zu schließen, meine Mitschüler nahmen mich mit offenen Armen auf. Zwar gab es hin und wieder ein paar Verständigungsprobleme und dadurch Missverständnisse, jedoch nahm sie jeder mit Humor und meistens hatten wir dadurch mehr zu Lachen.
Während des Schuljahres war ich Spieler der Volleyball-, Basketball- und Fußballmannschaft. Ich hatte noch nie solch eine Team- oder Spielatmosphäre. Jeder unserer Mitspieler verstand sich prächtig und zu unseren Home Games kam die Hälfte der Schule um uns anzufeuern. So mach Sport wirklich Spaß.
Meine Schule hatte nur 3 Klassenstufen von der 10.-12. Klasse, außerdem gab es nur ca. 300 Schüler. Dadurch kam man sich richtig aufgehoben vor, da unser Direktor von jedem seiner Schüler den Namen und ihre halbe Lebensgeschichte wusste. Ich habe nie heraus gefunden wie er dies angestellt hat, aber ich weiß, dass er der beste Schuldirektor ist, den ich jemals in meiner Schulkarriere hatte.
Das Jahr ging viel zu schnell vorbei und es viel mir schwer meine Familie und meine Freunde zurückzulassen. Ich versprach, dass ich auf jeden Fall wieder zurück kommen würde. Wieder in Deutschland angekommen, fiel mir der Einstieg zurück ins Alltagsleben zwar schwer, jedoch half es, dass meine Eltern mich zuvor in Kanada besucht hatten und dadurch wussten von was oder wem ich redete wenn ich ihnen etwas vom vergangenen Jahr erzählte.

Ich hielt mein Versprechen ein und kehrte zurück nach Winnipeg im April 2008. Es war so schön meine Freunde wieder zu sehen. Seit dem haben mich schon 4 Kanadier in Deutschland besucht und ich weiß dass ich in meinem Austauschjahr wirklich, auch wenn dies sich jetzt kitschig anhört, Freunde fürs Leben gefunden habe.

Ich kann hiermit nur sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat weg zu gehen und das Jahr mich geprägt hat. Ohne Winnipeg, ohne meine Gastfamilie und ohne meine dortigen Freunde wäre ich heute nicht der Mensch der ich bin. Am liebsten würde ich die Zeit zurück drehen und das Jahr noch einmal erleben.  
Jedoch darf man nicht vergessen, dass es auch schwer sein kann für eine so lange Zeit von seiner Familie und seinen Freunden von zu Hause weg zu sein. Man ist die meiste Zeit auf sich selbst gestellt und wenn man sich in dem fremden Land so richtig wie zu Hause fühlt ist es schon wieder Zeit zu gehen und man weiß nicht wann man die über das Jahr lieb gewonnen Menschen wieder sieht.

Ansprechpartnerin Kanada

Gaby Kühn

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