Kanada - ein so vielseitiges Land mit wunderschönen Landschaften, wo man sowohl im Meer baden gehen als auch in den Bergen Skifahren kann. Und mit so unfassbar freundlichen Einwohnern, die eine so tolle Art und Weise haben, dass man sich von Anfang an sofort wie Zuhause fühlt.

Es war schon immer ein Traum von mir in dieses wundersame Land, von dem meine Eltern immer schwärmten, zu gehen und als es dann Ende August endlich losging, konnte ich es immer noch nicht so ganz fassen, dass ich jetzt wirklich ein halbes Jahr ohne meine Familie und Freunde bei einer Gastfamilie wohnen würde. Ich hatte also auch so meine Zweifel, aber wie sich herausstellte, war ich bei der wohl besten und warmherzigsten Gastfamilie der Welt gelandet, die ich auch sofort in mein Herz schloss.

Ankunft in Kanada

Bei meiner Ankunft war es aber zunächst erstmal ein bisschen peinlich, da ich meine Gasteltern gar nicht erkannte – ich hatte zwar vor Beginn meiner Reise schon monatelang mit meinem Gastvater geschrieben und Bilder ausgetauscht, aber darauf sahen sie einfach so anders aus, dass ich bestimmt ganz schön verdutzt ausgesehen haben muss, als sie auf mich zukamen… Als wir dann endlich mein tonnenschweres Gepäck in den Wagen gehievt hatten (übrigens kleiner Tipp am Rande: man sollte niemals mit über 20kg losreisen, da das auf der Rückreise echt schwer werden kann!) ging es auch endlich in mein neues Zuhause. Dort traf ich auch direkt auf meine italienische Gastschwester Veronica, mit der ich mich sofort anfreundete und von dem Tag an eigentlich alles gemeinsam unternahm, außer kochen:) (das ist nämlich so eine Sache mit den Italienern, man sagt ihnen am besten nicht, wann ihre Pasta al dente ist und dass Ananas auf Pizza lecker sei…). Mit ihr bin ich zum Beispiel zweimal nach Vancouver gefahren, Whale Watchen gegangen und hab noch tausend andere Sachen mit ihr zusammen erlebt. 

Mein erster Schultag

Sie ging mit mir auf die gleiche Schule, genauer gesagt die „Mount Douglas Secondary School“. Allerdings entsprach mein erster Schultag nicht ganz so meinen Vorstellungen, denn im kanadischen Schulsystem hat man immer die gleichen vier Fächer täglich, aber eines dieser Fächer war bei mir Drama, also Theater. Allein die Vorstellung daran, vor anderen Leuten etwas in einer fremden Sprache aufzuführen, bereitete mir das Grauen. Die Leute schienen zwar alle ganz nett, dennoch war ich heilfroh als ich nach einer Woche zu Kochen wechseln durfte, worüber ich auch immer noch froh bin, da ich dort auf die meisten meiner kanadischen Freunde getroffen bin und natürlich auch etliche neue Rezepte ausprobieren durfte.

Schulalltag in Kanada

Generell ist die Schule in Kanada viel entspannter und die Lehrer viel netter, sie fragen einen z.B. immer wie es einem geht, wie das Wochenende war, sind aber auch mit Abgabeterminen nicht so streng, was ich anfangs auch nicht wusste und so meine Projekte immer pünktlich abgab, während meine Mitschüler sich noch Wochen Zeit ließen. Auch wird mündliche Mitarbeit gar nicht bewertet, sondern man kriegt meistens Assignments oder Projekte, die dann für die Note zählen. Cool fand ich immer die von der Schule organisierten Events für International Students, wie z.B Pizzapartys oder Pumpkin Carving.

Mein Geburtstag in Kanada  

Im Oktober kam dann auch mein Geburtstag. Ein Tag, den ich lange herbei gesehnt hatte, aber dennoch ist es noch einmal ganz anders ohne seine Familie an diesem Tag zu sein. Zum Glück hatte ich tolle Freunde und eine liebevolle Gastfamilie, die mir den Tag durch eine tolle kleine Party am Abend verschönerten und sogar Luftballons, einen Kuchen und Geschenke vorbereitet hatten.

Mein Ausflug in die Rocky Mountains

Am nächsten Tag ging es für mich in die Rocky Mountains. Die Tour wurde vom Schuldistrikt organisiert, wie auch zahlreiche andere Trips und Ausflüge z.B. nach Vancouver, Seattle und Whistler. Es war einfach wunderbar noch einen weiteren Teil Kanadas zu erleben und zu sehen, in was für einem riesigen Land man sich da eigentlich befindet. Zuerst fuhren wir etwa 12 Stunden zu einem Hotel kurz vor den Rockys und von dort nach Banff, einem wunderschönen kleinen Örtchen mitten in den Bergen. Dort gab es heiße Quellen zu denen wir einmal gegangen sind, aber mein kleines persönliches Highlight war eigentlich die Gondeltour an deren Ende man auf einem der größten schneebedeckten Berge stand und einfach nur eine phänomenale Aussicht auf die ganze Gebirgskette und Landschaft hatte.

William & Kate zu Besuch in Kanada

Und wo ich gerade von Highlights spreche: ein ganz besonderes Event ereignete sich nämlich noch vor dieser Tour. William und Kate besuchten Victoria mit ihren beiden Kindern! Die ganze Stadt war extrem aufgeregt und sogar Premierminister Justin Trudeau kam, um den royalen Besuch zu empfangen! Obwohl ich knapp zwei Stunden zuvor mit meinen Freunden zum Parlament kam waren fast alle Plätze belegt, dennoch schafften wir es an einer Stelle in die zweite Reihe und hatten von dort eine gute Sicht auf die Willkommenszeremonie. Jetzt weiß ich, dass Williams‘ Französisch ganz schrecklich ist (in Kanada müssen öffentliche Reden nämlich immer zweisprachig gehalten werden…aber das haben alle mit ganz viel Humor genommen), aber nichtsdestotrotz war es ein einmaliges Erlebnis, die beiden so hautnah zu erleben, das ich so schnell nicht vergessen werde:)

Weihnachten in Kanada

Schließlich kam auch schon ganz unerwartet Weihnachten (wer hätte das gedacht?) und das brachte auch nochmal eine ganz andere friedliche Stimmung in die Stadt und es war echt schön die Traditionen einer anderen Kultur zu erleben, wie z.B. die vielen neuen Plätzchenrezepte, die ich dazugelernt habe:), das Stocking - eine Socke, die über den Kamin gehangen wird und am Weihnachtsmorgen dann prall mit Süßem und anderen Kleinigkeiten gefüllt ist - aber natürlich auch Christmas Breakfast und Dinner, was sich sehr von dem, wie ich es zuhause kenne, unterscheidet, da viel mehr Leute anwesend waren und auch noch viel mehr Spiele am Tisch gespielt wurden.

Kurzurlaub mit meiner Gastfamilie

An meinem vorletzten Wochenende nahm meine Gastfamilie mich und meine Gastschwestern mit in den Norden Vancouver Islands zum Mount Washington, wo der Bruder meiner Gastmutter wohnte, der aber zu dem Zeitpunkt Ferien in Mexiko machte. Also holten meine Gasteltern uns Freitag nach der Schule mit dem Auto ab und fuhren zwei Stunden nach Courtenay, wo wir bei einem anderen Bruder meiner Gastmutter zum Dinner eingeladen waren und die ganze Nacht Billiard spielten.

Am nächsten Morgen nahmen wir den Shuttle zum Mount Washington, während meine Gasteltern in Courtenay blieben. Dort angekommen hatten wir erst einmal eine ausgiebige Schneeballschlacht, bauten einen etwas krüppeligen Schneemann und danach besorgten wir uns einen Pass für die Schlittenanlage, auch Tube-Park genannt. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht auf den schwimmreifenähnlichen Schlitten die Hügel hinunter zu sausen und als wir abends den Shuttle zurücknahmen fielen wir wie Steine in unsere Betten. Ich bin meinen Gasteltern echt dankbar, dass sie uns auf diesen unvergesslichen Trip mitgenommen haben!

Ende Januar war meine Zeit in Kanada auch schon vorbei - ein sehr tränenreicher Abschied, da mir einfach alles, insbesondere meine Gastfamilie so ans Herz gewachsen waren. Am Flughafen schossen wir noch viele letzte Fotos und meine Gasteltern gaben mir einen Brief und ein Geschenk mit, das ich erst im Flugzeug öffnen durfte. Auf dem Flug nach Vancouver öffnete ich zunächst den Brief und war durch ihre Worte zutiefst gerührt, aber das Geschenk hat mich echt umgehauen… es war ein Anhänger für mein Pandora-Armband in der Form einer 3, aber mittlerweile trage ich es als Kette, da es mich immer wieder an meine Gastfamilie erinnert. Die 3 ist nämlich meine Lieblings- bzw. Glückszahl und das hatten sie sich anscheinend gemerkt, was mich riesig freut.

Ich habe mich inzwischen schon wieder einigermaßen gut in Deutschland eingelebt, muss jetzt zwar noch einige Sachen für die Schule aufholen, aber das klappt soweit ganz gut. Besonders schwierig war und ist es tatsächlich sich das „Thank you“ beim Verlassen des Busses zu verkneifen. In Kanada hat das jeder aus Höflichkeit gegenüber dem Busfahrer gesagt und ich mag diesen Brauch sehr, weshalb ich mich jedes Mal schuldig fühle, wenn ich es nicht sage. 

Mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden schreibe ich täglich und am Wochenende skypen wir meistens. Ich vermisse sie sehr und deswegen bin ich umso glücklicher, dass sie mich im Sommer besuchen kommen und ich auch mit meiner Familie nächstes Jahr nach Kanada fahre. 

Um das ganze also noch einmal zu resümieren: Ich hatte eine großartige Zeit in Victoria, habe unendlich viel erlebt und bin um so viele Erfahrungen, Freunde und natürlich Englischkenntnisse reicher, dass ich es wirklich nur jedem ans Herz legen kann auch so einen Aufenthalt zu machen!

Ansprechpartnerin Kanada

Gaby Kühn

Tel.: 0221-60 60 855-14

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