Erfahrungsbericht Neuseeland: Leonard 2013-2014

Eine Woche im Outdoor Pursuits Center

Unser Trip startet an einem schönen Sonntagvormittag. Wir, das sind zehn der drei Dutzend international students an der Hutt Valley High School in Lower Hutt auf der Nordinsel Neuseelands, treffen uns an der Schule, um im Schulbus zu unserem einwöchigen Camp in der Nähe von Taupo zu fahren. Nach einer gut gelaunten, ca. fünfstündigen Fahrt über die untere Nordinsel kommen wir schließlich beim Sir Edmund Hillary Outdoor Pursuit Centre (OPC) an, mit einem wunderschönen Blick auf die beiden Berge Mount Ruapehu und Mount Ngauruhoe.

Und schon am ersten Tag geht’s richtig los; nachdem wir unsere Ausrüstung zusammengestellt haben, geht’s in den Bush, auf eine dreistündige Bush-Banging-Tour. Das heißt, mit 20 kg schweren Rucksäcken querfeldein durch den Bush, und dabei immer auf den Weg achten!

Das OPC an sich ist auch sehr willkommend; der mit einem Kamin beheizte Gemeinschaftsraum ist ein guter Erholungsort und die nassen Sachen kann man im dafür eingerichteten Trocknungsraum für den nächsten Tag vorbereiten. Und das ist auch bitter nötig; denn da geht es dann zum caveing.

So fahren wir also um neun Uhr am nächsten Tag, nach einem guten Frühstück und voller, Vorfreude raus in die Pampa. Ausgestattet mit Helmen, Helmlampen und solider Kleidung geht’s ab in die Tiefe.

Dort folgen wir zunächst dem Wasser; nach zehn Minuten ist auch der letzte nicht mehr trocken. Unser guide führt uns durch Spalten, Risse und enge Gänge. Das hat nichts mit den rentnerfreundlichen Höhlentouren zu tun, die man vielleicht aus Deutschland kennt. Es ist mehr wie ein zu klein geratenes Labyrinth aus Fels, mit Wasser und glowworm caves. Das sind Höhlenabschnitte, in denen wir dann alle unsere Lampen ausschalten und plötzlich sind wir überall von perlenkettenartigen Leuchtkugeln umgeben. 

Zur nächsten Höhle müssen wir dann erstmal wandern, und zwar mit unseren rubberboots durch den Fluss. Da wir alle eh schon nass sind, macht es auch nichts, dass wir aufgrund der riesigen Rucksäcke und dem rutschigen Untergrund alle paar Minuten ausrutschen und ins Wasser plumpsen. Nach einer kleinen Mittagspause mit Sandwiches geht es dann in die zweite, kürzere, aber deutlich beklemmendere und nassere Höhle. Hier müssen wir fast gegen die Fluten durch den halb überschwemmten Tunnel waten und jeder von uns braucht mindestens fünf Minuten, um schließlich durch den engsten Abschnitt, den Ausgang, zu kommen.

Der Rest des Tages steht dann ganz im Zeichen der Vorbereitungen für den zweitägigen Ausflug, der am nächsten Tag anstehet. Einmal quer durch den Tongariro National Park, bitte.

Und dann geht es auch schon los. Wie voll bepackte Kamele traben wir los auf unser erstes Ziel hin, den Taranaki Wasserfall. Vom Whakapapa (wird Fakapapa ausgesprochen) Village brauchen wir gut zwei Stunden bis dorthin.

Nach einer kurzen, aber dringend nötigen Erholungspause geht es dann über die Plains in Richtung des Lower Tama Lake. Spätestens nach dieser, noch einmal zwei Stunden dauernden Strecke weiß jeder, dass er wohl nicht ohne Blasen an den Füßen davon kommen wird. Bei unserer Mittagspause genießen wir vorerst einmal völlig erschöpft unsere unglaubliche Aussicht. Schade, dass die Fotos noch nicht einmal die Hälfte der tatsächlichen Schönheit zeigen können.

Nun folgen die am meisten Kräfte zehrenden Stunden; eine gefühlte 400%-Steigung messende Geröllansammlung hoch, die sich Weg nennt, über den Bergrücken zwischen den Tamas, und dann in Richtung Norden bis zum Mount Ngaurohoe  oder Mount Doom, wie er in Lord of the Rings heißt. Und dem Namen entsprechend erhebt sich dieser Koloss nun auch vor uns, zwischen den nebelartigen Wolken. Von hier aus erleben wir auch die atemberaubendste Aussicht unseres Trips. Bereits ziemlich erschöpft erzählt uns unser guide nun, dass wir bald da sind. Die größte Lüge seit „Niemand hat die Absicht, eine Mauer usw.“ naja, wie auch immer. Denn nun heißt die neue Direktive Ost-Ost-Süd, in Richtung der Waihohnnu Springs. Dabei müssen wir über das Jahrtausende alte Flöss eines ehemaligen Gletschers wandern; und der hatte wohl nicht die Absicht, uns einen ebenen Weg zu hinterlassen. Unfähig auch nur noch einen Schritt zu laufen, schlagen wir nun an der Baumgrenze im Süden der Waihohnnu unsere Zelte auf. Diese Nacht wird keiner wach bleiben.

Der nächste Tag wirkt dagegen dann fast wie ein Kinderspiel. Diesmal sind es nur zehn Kilometer über die Waihohnnu Hut, wo wir dieses Mal unser Mittagessen abhalten, bis zur Desert Road im Südosten. Aber als wir dann um ein Uhr endlich vom Bus abgeholt werden, ist uns allen klar, dass außer einem Besuch bei den heißen Quellen heute nichts mehr auf dem Programm stehen wird.

Am nächsten Tag steht dann leider auch schon unser endgültiger Abschied von Mount Doom und Co. an. Nach einer „gemütlichen“ Runde rope climbing am Morgen brechen wir um zwölf Uhr auf zurück nach Lower Hutt, wo wir von unseren Familien schon erwartet werden. 

Auch wenn es mit Sicherheit das Anstrengendste war, was wir alle je in Neuseeland gemacht haben – und da gibt es hier gute Konkurrenz – waren wir uns alle einig, dass es unglaublich toll war.

Hutt Valley High School bietet einen Trip zum OPC zweimal jährlich für seine internationals an und übernimmt dabei den Großteil der Kosten. Also, auf zur Hutt High!

Ansprechpartnerin Neuseeland

Gaby Kühn

Tel.: 0221-60 60 855-14

gaby@opendoorinternational.de