Erfahrungsbericht Neuseeland: Pina 2010-2011

Pina aus Köln, Rangitoto College, Auckland, Neuseeland, Juli 2010 - Januar 2011

Fast ein Jahr ist es nun schon her, dass ich am 13. Juli für 6 Monate ans andere Ende der Welt aufgebrochen bin. Nach einem traurigen Abschied am Flughafen und dem 30-stündigen Flug ins Ungewisse kam ich schließlich am Flughafen in Auckland im neuseeländischen Winter an. Der erste Eindruck von meiner Gastfamilie war super, neben den beiden Gasteltern hatte ich noch eine brasilianische Gastschwester und drei Gastkatzen. 
Die ersten Tage und Wochen waren besonders aufregend, denn alles war anders: die Sprache, die Jahreszeit, die Menschen. Besonders das Busfahren war zunächst ungewohnt. Das lag zum einen daran, dass jede Busstation gleich aussieht und einfach nur „Busstop“ heißt. Wie sollte ich also dem Busfahrer beschreiben, an welcher Station ich aussteigen wollte? Das zweite Problem war, dass die meisten Busfahrer (zumindest in Auckland) Ausländer sind und kaum Englisch verstehen. Zu guter Letzt kam dazu, dass dein Bus, auch wenn du wie dort üblich die Hand ausgestreckt hast, manchmal einfach weiter fährt. So kam es dazu, dass ich jeden Tag mindestens einmal zu spät kam. Die meisten „Kiwis“, wie sich die Neuseeländer selber nennen, sind allerdings sehr offen, freundlich und vor allem relaxt. Sie nehmen es einem also nicht übel, wenn man mal zu spät kommt, im Gegenteil war ich oft die einzige, die pünktlich war und damit „typical German“.

In der Schule ist das allerdings ein bisschen anders. Die ist nämlich dort wesentlich strenger als bei uns in Deutschland. Schuluniform ist an fast allen Schulen Pflicht und muss auch immer korrekt getragen werden. Einmal in der Woche ist „Assembly“, eine Versammlung in der Aula der Schule, bei der die wichtigsten Termine der Woche verkündet werden und natürlich Anwesenheitspflicht herrscht. Die Schulfächer sind dafür um einiges kreativer und umfangreicher als wir es kennen. Neben den Pflichtfächern Englisch und Mathe kann man zwischen Fächern wie Kochen, Fotografie, Tanzen, Maori und vielen anderen wählen. Mein Lieblingsfach war zum Beispiel Möbelbauen, in dem ich, als eins von zwei Mädchen im Kurs, eine kleine Schmuckbox aus Holz gebaut habe. Anschluss habe ich auch relativ schnell gefunden, wenn auch zunächst nur mit anderen Austauschschülern an meiner Schule. Zudem hatte ich von meinem Mathe Klassenraum eine tolle Sicht auf das Meer mit Rangitoto Island im Hintergrund.

Das Meer ist sowieso fast von überall schnell erreichbar in Neuseeland, auch ich habe nur eine Minute Fußweg von einem kleinen, schönen Strand entfernt gewohnt. Die meiste Zeit wurde, zumindest im Sommer, dann auch am Strand verbracht. An einem Morgen im Dezember kurz vor Weihnachten bin ich mit Freunden um 5 Uhr morgens aufgestanden und wir haben uns am Strand den Sonnenaufgang angeschaut.

Abgesehen von den Stränden ist die Natur Neuseelands auch sonst unglaublich schön und abwechslungsreich. Besonders auf meiner 10-tägigen Südinseltour mit anderen Austauschschülern bekam ich viel davon zusehen: Sowohl die schneebedeckten Berge mit Gletschern, die wir auf einem Helikopterflug von oben betrachten konnten, als auch das türkisfarbene Wasser beim Kajakfahren oder eine Übernachtung auf einem Boot auf dem Milford Sound.

Ein anderes Highlight war auch der Urlaub mit einer Freundin und ihrer Gastmutter an der Westküste der Nordinsel in ihrem sehr abgelegenen und nur mit dem Boot erreichbaren Ferienhaus. Als wir schließlich ankamen liefen entlang des schwarzen Strandes wilde Schafe (von denen es sehr viele gibt) und Pferde herum. Dort habe ich auch meinen Geburtstag gefeiert mit einem typischen English Breakfast und bin das erste Mal im Oktober im Meer geschwommen.
Auch die vielen Ausflüge und die Zeit mit meiner zweiten Familie, die ich dort gefunden habe, oder einfach nur der für mich ungewohnte sonntägliche Gang zur Kirche mit ihnen waren tolle Erfahrungen während meines Austauschaufenthaltes. Der Abschied nach den viel zu schnell vergangenen 6 Monaten fiel mir darum umso schwerer, obwohl es natürlich auch schön ist, Familie und Freunde in Deutschland nach der langen Zeit endlich wieder umarmen zu können.

Ich hoffe bald noch einmal ans wunderschöne andere Ende der Welt zurückkehren zu können und all die Menschen, die ich lieben gelernt habe und so sehr vermisse, noch einmal zu sehen und die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Ansprechpartnerin Neuseeland

Gaby Kühn

Tel.: 0221-60 60 855-14

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