Erfahrungsbericht Neuseeland: Sina 2008-2009

Sina aus Haan, Avonside Girls High School, Christchurch, Neuseeland, Juli 2008 - Juli 2009

Ich bin jetzt schon eine ganze Weile in Neuseeland und es tut mir Leid, dass ich mich erst jetzt melde. Fast schon neun Monate ist es her, dass ich mich am Flughafen von meiner Familie und meiner besten Freundin verabschieden musste. Erstaunlicherweise hielt sich der Nervenkitzel während des Fluges und dem relativ langweiligen Aufenthalt auf dem Flughafen in Singapur in Grenzen, und eigentlich begreift man erst nach ein paar Monaten, dass man wirklich hier ist. Der Moment, auf den man so lange hin gefiebert hat und der bis dahin nur in der eigenen Vorstellungskraft existiert hat... und dann ist das Leben hier nach den ersten Wochen so normal wie das, welches man in Deutschland zurückgelassen hat. Mit dem Bus zur Schule oder ins Kino, shoppen und im Starbucks sitzen und Kaffee trinken.

Ich wohne mit meiner Gastfamilie in Christchurch auf der Südinsel Neuseelands. Wie eigentlich alles hier liegt Christchurch natürlich am Meer. Es gibt kaum einen Kiwi (nicht zu verwechseln mit Kiwi fruit oder Kiwi bird ;) ), der nicht in der Nähe vom Strand wohnt und in meinem Fall ist der Strand sozusagen um die Ecke und mit dem Auto in zwei Minuten zu erreichen. Etwas, was ich in Deutschland auf jeden Fall vermissen werde, vor allem weil ich gerade meinen Surfkurs abgeschlossen habe (kann ich jedem nur empfehlen, der die Gelegenheit dazu hat).

Meine Gastfamilie? Das ist ein älteres Ehepaar und drei Töchter im Alter von 21, 24 und 26 Jahren, wobei nur die Älteste noch zu Hause wohnt. Dazu gehört noch ein Terrier, eine Katze und jede Menge Vögel (mein Gastvater züchtet eine Papageienart). Momentan habe ich noch eine Gastschwester aus China, die mit mir hier zur High School geht. Meine frühere Gastschwester aus Japan ist leider vor Weihnachten abgereist.

In Christchurch gibt es mehrere High Schools. Ich gehe auf die Avonside Girls High School, die natürlich direkt am Avonriver liegt, und deren Schulgelände unsere Schule in klein Haan vor Scham im Boden versinken lassen würde ;) In Deutschland wurde ich oft gefragt, wie ich mich dafür entscheiden konnte, auf eine Mädchenschule zu gehen und ich muss sagen es macht wirklich keinen Unterschied. Nach einer Weile fällt einem gar nicht mehr auf, dass keine Jungs da sind und die von der Shirley Boys High School sind ja nicht weit. ;)

Avonside bietet eine große Auswahl an verschiedenen Sportarten und die Fächervielfalt ist wahrscheinlich noch beneidenswerter. Mein Lieblingsfach ist Japanisch, aber auch Fächer wie Chemie und Bio sind hier mal ein ganz anderes Erlebnis. In Chemie dürfen wir Titrationen nämlich selber durchführen und in Bio haben wir einen Tagesausflug zum Strand gemacht um eine bestimmte Pflanzenart in ihrer natürliche Umgebung zu untersuchen. Ich habe mich auch an verschiedenen Sportarten ausprobiert... Volleyball, Turnen, Kayaking und Netball. Momentan spiele ich im Fußballteam. Insgesamt sind wir dieses Jahr etwa 50 "international students" und davon ca. 10 Deutsche bei einer stattlichen Gesamtzahl von 1600 Schülerinnen. Trotzdem geht die Lehrer-Schüler Beziehung weit über das akademische hinaus und alle sowohl Schülerinnen als auch Lehrer sind sehr hilfsbereit und an neuen Schülerinnen immer sehr interessiert! Im Allgemeinen sind die meisten Kiwis sehr offen und die Lebenseinstellung ist einfach easy going. Eben "sweet as, bro" mehr Kiwi geht nicht! ;)

Was natürlich im Land der Kiwis auch nicht fehlen darf ist der Sport, allen voran alles was irgendwie verrückt ist. Oder anders gesagt: Extremsport. Kein Wunder also, dass die Kawarau Brücke in Queenstown die Heimat des Bungy Jumping ist. Aber die Nationalsportarten Neuseelands sind natürlich Rugby, Netball und Cricket. Obwohl die All Blacks (Neuseelands Nationalrugbyteam) in der letzten Weltmeisterschaft doch tatsächlich nicht den Titel geholt haben. Deswegen sind die Kiwis aber nicht weniger begeistert von ihrem Rugbyteam... All Black-Shops findet man überall und die schwarzen Fahnen auch. ;) Leider wurden auch die Silver Ferns (Nationalnetballteam) von Australien geschlagen. Ich werde mir hier jedenfalls noch ein Spiel von den Crusaders ansehen, dem Rugbyteam von Christchurch. Auf jeden Fall eins der Dinge, die man gemacht haben sollte, wenn man in Neuseeland war.

Dazu gehört natürlich auch das Trampen (nicht zu verwechseln mit der fragwürdigen Reiseform per Anhalter). Neuseelands Naturvielfalt ist einfach atemberaubend und der ein oder andere Bushwalk lohnt sich wirklich. Neben der Natur lohnt sich natürlich auch der Einblick in die Kultur Neuseelands. Die Großeltern von vielen Neuseeländern waren auf den ersten vier Schiffen, die Neuseeland erreicht haben. Als erstes kamen die Maoris nach Neuseeland, dann die Europäer. Das erste, was die Maoris von Neuseeland sahen, gab dem Land seinen Namen: Aotearoa, Land der langen weißen Wolke. „Maori“ bedeutet „normal“, und war die Antwort auf die Frage von Captain Cook, wie sich die Einheimischen selbst bezeichneten. Neuseeländer europäischen
Ursprungs hingegen heißen "Pakeha".

Städte wie Christchurch spiegeln den britischen Einfluss in der neuseeländischen Geschichte wieder:
die Kathedrale, Speaking Corner, das Schulsystem. Besucht man hingegen ein Marae, kann man die Geschichte der Maoris hören, ihre Tänze sehen und dem Gesang lauschen. Neuseeland ist multikulturell und neben den britischen und amerikanischen Fernsehsendungen gibt es die neuseeländischen Sender und auch einen in Maori. Die Nationalhymne wird zweimal gesungen in Maori und in Englisch.

Aber ihr fragt euch sicher, inwiefern die Schule hier anders ist als bei uns in Deutschland. Zum einen ist da das Schulsystem... Hier fangen die Kinder meistens mit 5 Jahren in der Grundschule an, darauf folgt
Intermediate und dann erst die High School Jahrgänge 9-13. Ich gehe momentan hier in die 13 und
mal abgesehen davon, dass mir der Unterricht im allgemeinen sehr viel einfacher vorkommt als bei uns, heißt es hier „learning for life“, während bei uns in Deutschland mehr aufs akademische gesetzt wird. Die Einstellungen zu Tests und Examen sind lockerer und die Ergebnisse nicht weniger gut. Tja und natürlich ist die Ausstattung der Klassen- und Computerräume und vor allem der Bio- und Chemielabore ziemlich beneidenswert. Hauptgebäude und Schulgelände sind ebenfalls ein Anblick, dem unsere Schule wohl nicht das Wasser reichen könnte.

Wir haben jeden Tag fünf Stunden, insgesamt fünf verschiedene Fächer und in der 13 vier Freistunden. Jede Woche findet in der Aula eine Versammlung statt, wo wichtiges verkündet wird, Preise vergeben werden oder auch einfach mal von einer Schauspielschule ein Stück aufgeführt wird. Also, meine Zeit hier in Neuseeland war und ist immer noch einfach super! Ich kann nur jedem empfehlen, der noch darüber nachdenkt, vielleicht auch ins Ausland zu gehen, es auf jeden Fall zu tun! Es ist eine einzigartige Erfahrung. Ihr lernt dabei nicht nur viel über das andere Land, die Kultur und die Menschen, sondern auch über euch selbst. Aber für mich geht das Jahr hier bald zu Ende. Ich hatte das Glück, beide Inseln Neuseelands zu bereisen, die Nordinsel und die Südinsel und habe daher sehr viel von dem Land sehen können. Das High School Erlebnis hier ist eins, was ich nie vergessen werde, genauso wenig wie die Landschaftsszenen. Was ich vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin. Die Einstellung der Menschen hier. Der freundliche Umgang mit völlig  Fremden. Einfach ganz anders als man es zu meist in Deutschland antrifft. Und natürlich Fish&Chips, die Schulcomputer und die Schulbibliothek! ;D

Also, keep life simple. Sweet as, bro. ;)
Schöne Grüße vom andern Ende der Welt!

Sina

Ansprechpartnerin Neuseeland

Gaby Kühn

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