ODI: Warum hast du dich für ein Jahr in Spanien entschieden?
Lena: Für mich war von Anfang an klar, dass ich in ein spanischsprachiges Land wollte, weil mir die Sprache einfach total gut gefällt. Also blieb mir die Wahl zwischen Südamerika und Spanien.. aber mit dem Gedanken, so weit weg von zuhause zu sein konnte ich mich dann doch nicht recht anfreunden. Und wenn man bedenkt, dass man später „mal eben“ zurück kann um Freunde, Gastfamilie usw. zu besuchen ist das schon ziemlich praktisch. Außerdem hatten die Offenheit und Herzlichkeit der Spanier, von der immer alle redeten, es mir irgendwie angetan.

 

ODI: Wie ist dein Aufenthalt bis jetzt verlaufen?
Lena: Super! Ich könnte sogar sagen, perfekt! Das was uns vorher so von wegen Kulturschock etc. erzählt wurde, ist bei mir komischerweise gar nicht eingetreten. Von Anfang an ist alles glatt gelaufen und noch hatte ich auch keine längere Phase, in der ich mich schlecht gefühlt habe oder traurig war. Selbst wenn ich mal einen schlechten Tag hatte, waren immer Freunde und Familie für mich da. Aber das ist ja Teil des normalen Lebens und passiert mir genauso in Deutschland.

 

ODI: Was gefällt dir besonders gut? Was ist nicht so gut?
Lena: Wie erwartet gefallen mir die spanischen Menschen mit ihrem allgemein fröhlichen Gemüt und ihrer Offenheit und Herzlichkeit sehr! So hört man oft ein „Qué pasa, hija?“ („Wie geht’s, Tochter?) im Vorbeigehen von einer Nachbarin und bleibt kurz stehen um ein bisschen zu plaudern, obwohl man sie eigentlich nur vom Sehen kennt. Die spanischen Frauen haben halt irgendwie immer etwas zu reden, sind allerdings auch ziemliche Tratschtanten, sodass sich die Neuigkeiten ziemlich schnell in der Nachbarschaft verbreiten. ;-)
Was mir außerdem sehr gefällt ist die spanische Lebensphilosophie, die man mit „bloß nicht zu viel arbeiten und immer schön relaxt bleiben“ beschreiben kann. Siesta steht also auf dem täglichen Nachmittagsprogramm, bzw. füllt diesen in manchen Fällen sogar gänzlich aus und man wird erst wieder so gegen 6 Uhr richtig aktiv. Das hat zur Folge, dass man um 12 Uhr abends Kleinkinder mit ihren Eltern auf der Straße sieht, die noch eben mal einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt machen.. in Deutschland ja eher ein seltenes Bild. Das Blöde dabei ist, dass wegen der fast schon obligatorischen Siesta vor 5 Uhr Nachmittags kein Geschäft aufmacht und diejenigen, denen der typische Mittagsschlaf nicht so gefällt, in dieser Zeit einfach mal keinen einzigen Einkauf tätigen können.
Außerdem gefallen mir speziell auf Cádiz bezogen (natürlich) der Strand und das Meer und zurück in Deutschland in meinem kleinen Dörfchen werde ich das alles auch sehr vermissen.. aber bis dahin heißt es, jetzt noch die warmen Monate zu genießen und braun zu werden ;-)

Das einzige was mir nicht so gut gefällt ist die Anhäufung von Ausländern, und im Speziellen, Deutschen hier. Für mich ist es eher unglücklich verlaufen und ich bin mit 2 anderen Deutschen in einer Klasse gelandet, was natürlich schon einen Einfluss auf die Beziehungen zu Spaniern hat - man wird leicht mit den Anderen in einen Topf geworfen. Außerdem wird man immer wieder dazu verführt Deutsch zu reden, was natürlich in Anwesenheit der Spanier total unhöflich ist. Besonders schwer zu vermeiden war es am Anfang als man noch so gut wie kein Spanisch konnte..
Ja, das ist das Einzige was mich ein wenig stört, denn ich hatte es mir eigentlich so vorgestellt, dass ich meine Zeit hier wirklich ausschließlich mit Spaniern verbringen würde und die anderen Deutschen in seltenen Fällen mal treffen würde, aber wenn man sich ein wenig anstrengt, kriegt man auch das gebacken und außerdem lernt man natürlich andere Leute außerhalb der Schule kennen und findet Freundeskreise in denen es keine anderen „Nicht-Spanier“ gibt.

 

ODI: Wie sehen das Schulsystem und der Schulalltag aus?
Lena: Der Schulalltag ist ähnlich wie in Deutschland. Die einzigen Unterschiede sind, dass es nur eine, allerdings halbstündige, Pause zwischen der 3. und 4. Stunde gibt und der Unterricht im Allgemeinen viel frontaler gestaltet ist.
Im Gegensatz zu Deutschlands 3-spurigem Schulsystem liegt hier ein einspuriges vor, d.h. Gesamtschule. Die letzten 2 Jahre, das „bachillerato“ können als Vorbereitung für die „Selectividad“, vergleichbar mit dem deutschen Abi, angesehen werden.
Im Allgemeinen erscheint mir das Schulniveau hier um einiges niedriger als in Deutschland und man kann mit einfachem Auswendiglernen Bestnoten erreichen.

 

ODI: Konntest du schon vorher Spanisch? Und wie kamst du am Anfang sprachlich klar?
Lena: Vor meinem Auslandsjahr hatte ich schon 4 Jahre Spanisch in der Schule als AG einmal pro Woche. Trotz dieser Grundlagen fiel es mir anfangs natürlich schwer mit dem Spanisch und bei meinen ersten Versuchen hatte ich das Gefühl, in diesen 4 Jahren gar nichts gelernt zu haben. Da kam der dreiwöchige Sprachkurs in Madrid genau richtig um noch mal die alten Grammatikkenntnisse aufzufrischen und natürlich noch viel mehr dazu zu lernen.
Richtig angefangen Spanisch zu sprechen habe ich dann aber erst bei meiner Ankunft in Cádiz und ich muss sagen, dass eigentlich gar nicht so viel Zeit verging bis ich meine Konversationen führen konnte.

 

ODI: Wie würdest du Spanien und die Spanier kurz und knapp charakterisieren? Was ist typisch spanisch?
Lena: Wie oben schon gesagt, die Spanier sind herzlich, freundlich zu jedermann, offen und meist sehr frohen Gemüts. Ihr Motto für schwierige Situationen: „no pasa nada“ (etwa: ist ok, passt schon), das heißt, wenn mal etwas Sorgen macht, sagen sie sich „das wird schon wieder“ und machen sich einfach mal keinen Kopf drüber..

 

ODI: Wie hast du dich in Deutschland und vor Ort bislang betreut gefühlt?
Lena: Ich habe mich von ODI bis jetzt sehr gut betreut gefühlt. Besonders das Vorbereitungsseminar hat mir vor der Abreise noch mal Sicherheit gegeben und Ängste genommen und wenn immer ich Fragen hatte/habe wurde mir geholfen und Tipps gegeben.
Hier in Cádiz gibt es die örtliche Betreuerin, mit der es etwa einmal im Monat ein Treffen gibt, auf dem mit allen Aktuelles besprochen und ein bisschen geplaudert wird. Dazu, ihre direkte Hilfe in Anspruch zu nehmen, hatte ich bis jetzt aber noch keinen Grund.

 

ODI: Was wird dir am meisten fehlen, wenn du wieder zurück in Deutschland bist?
Lena: Ich kann gar nichts Konkretes nennen, irgendwie wird mir das Gesamtpaket fehlen.. aber vermissen werde ich denke ich mal meine Freunde am meisten, die spanische Lebensweise und das gute Wetter. Und dann noch, dass ich auch mal zu spät kommen kann und das als völlig normal angesehen wird ;-)


ODI: Vielen Dank!

Ansprechpartnerin Spanien

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

jana@opendoorinternational.de