Erfahrungsbericht USA: Annika 2011-2012, Teil 1

Hallo über den großen Teich,

ich denke es ist mal wieder an der Zeit, ein Lebenszeichen zu versenden.
(Warnung: meine Deutschkenntnisse sind rapide gesunken!)

In den letzten zwei Monaten hat sich hier viel getan. Zunächst einmal hat die Schule angefangen, und es ist einfach komplett anders. Meine Schule unterscheidet sich nicht nur von der deutschen Schule, sondern auch von der „typischen amerikanischen High School“. Sie wird nach dem „Expeditionary Learning Outward Bound“ (ELOB) (http://www.elschools.org) Prinzip geführt und ist eine von 20 Schulen im ganzen Land, die von der Bill und Melissa Gates Stiftung im Rahmen des „Delta“ Projekts gegründet und unterstützt werden.
Wie beeinflusst das das Schulleben? Nun ja, wir sind „nur“ ca. 300 Schüler und von der Lunch Lady bis zum Schulleiter kennt dich hier jeder beim Vornamen. Wir arbeiten viel an alltagsbezogenen Projekten, gehen raus in die „Communtiy“ haben Field Trips und fahren Campen (darauf werde ich später zurückkommen).
Die Stimmung in der Schule ist durchweg 24/7 positiv, teilweise sind bis zu vier Lehrer im Raum (nur einer von ihnen unterrichtet, die anderen machen Scherze und observieren, bis sie still und heimlich wieder so verschwinden, wie sie gekommen sind). Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn einem der Lehrer im Flur mit einem „high five“ entgegen kommt oder ähnliches.
Außerdem sind wir eine bunte Mischung aus sechs (zuvor sogar sieben, ein Junge aus Indonesien hat die Schule gewechselt) Austauschschülern: drei Mädels aus Venezuela, China und Deutschland (ich) sowie drei Jungs aus Kolumbien, Frankreich und Brasilien. Es macht wirklich riesigen Spaß beim Lunch sowohl mit ihnen als auch den „Amis“ rumzualbern. Sprachliche Missverständnisse bei der internationalen Version natürlich mit inbegriffen, meistens halten wir uns die Bäuche vor Lachen, wenn wir schließlich rausgefunden haben, was gemeint war. 

Nun also zurück zum Camp mit der Schule. Jeder Jahrgang fährt für 3 (Freshmen and Sophomores) bzw. 2 (Juniors und Seniors) Tage nach „Oh Da-Ko-Ta“.
Es war wirklich eine ganz neue Erfahrung mit knapp hundert Leuten Campen zu gehen und so viel Spaß zu haben. Neben einigen Gruppen (eine Art Klassenlehrerstunde, zwei bzw. drei Mal pro Woche, wird hier Crew genannt), Aktivitäten (Teamwork, eine Rallye und so was) wurde größtenteils gegessen und „Sport“ betrieben. Wir haben quasi die Hälfte der Zeit Kickball oder Football gespielt. Mit Lehrern natürlich ;).
Kickball war auch das Stichwort für den Dean unserer Schule. (Zur Erklärung: meine Schule ist zu klein für ein eigenes Sport Team also beteiligen sich Lehrer sowie Schüler in den Sport Teams der zwei großen Schulen, abhängig in welchem „Distrikt“ man wohnt)
Er ist der Coach für das Mädchen Soccer Team und hat mich quasi vom Camp direkt „rekrutiert“, sodass ich in drei Wochen mit dem Pre Season Training starte, damit ich im Frühjahr „fit“ für die Try Outs bin, weil er mich offensichtlich wirklich in seinem Team haben will. Und auch ich bin durchaus an dem Team interessiert, dieses Jahr waren sie unter den Top 5 Teams im ganzen State. ?

Neben alltäglichen Dingen (abends um halb elf noch schnell bei Wal Mart einkaufen, im deutschem Restaurant gefragt werden, ob man denn „Fair German“ spricht, nachdem man als deutsche Austauschschülerin vorgestellt wurde, oder einfach nur Football spielen nach der Schule) bin ich hier wirklich beschäftigt und schaffe es „nur“ zwei bis drei Mal im Monat für mehr als 20 Minuten an den Computer.

Überdies waren wir im gefühlt kleinsten Zoo der Welt (in Racine), und haben einen genialen Tag am See mit der ganzen Familie verbracht und waren dort auch „Tubing“ (wenn ein Luftkissen hinter dem Boot hergezogen wird…), kann ich übrigens nur empfehlen, es war ein riesiger Spaß. Mit meinen Gastcousinen bin ich dann ganz dezent einmal um den ganzen See mit dem Kajak gepaddelt…

Ich hatte auch eine „little Texas experience“. Meine Gastmutter und ich sind zum Bullriding gegangen. Ich dachte, das wäre nichts für mich, aber ich habe mich durchaus geirrt und wir haben einstimmig beschlossen, dort noch mal hin zu gehen. Ich weiß noch nicht mal wie ich das beschreiben soll, weil es total Klischee ist, aber ich mag’s ...

Ein weiteres Event hat noch heraus gestochen: Wie ich bereits erzählte, wohne ich ziemlich nah an Milwaukee und vorletztes Wochenende sind wir zu einem Baseballspiel der Milwaukee Brewers gefahren, sie spielen in der National League und glücklich wie es war sollten sie an diesem Tag nach etwas über 30 Jahren wieder in die Playoffs einziehen, aber nur wenn ein anderes Team verlieren würde. Die Brewers haben gewonnen, doch niemand hat das Stadium verlassen, die Rufe wurden laut, doch das andere Spiel auf den Monitor zu legen. Nach etwas Warten wurde dies getan und alle beobachteten den Ausgang des anderen Spiels (das Team aus Chicago gewann, somit verlor das Team, das verlieren musste, damit die Brewers in die Playoffs einziehen).
Das gesamte Stadium war eine riesige Party und ich denke, das war ein würdiges erstes Baseballspiel für mich.

Wo wir schon beim Thema Sport sind, ganz Wisconsin ist Gelb-Grün-Navy Blau. Gelb und grün sind die Farben der Green Bay Packers (die haben dieses Jahr den Superbowl gewonnen) und navyblau sind die Milwaukee Brewers.

Das war’s soweit (und ich habe wahrscheinlich die Hälfte der Sachen, die ich erzählen wollte, vergessen…)

Viele Grüße aus dem immer noch sonnigen Wisconsin,

Annika