Erfahrungsbericht USA: Jonas 2010-2011 (Teil III)

22.10.    

Heute hatte ich meine erste Schlagzeugstunde bei einem Jazzdrummer in einem Musikcollege, welches McNally Smith genannt wird. Er ist ganz und gar nicht mit meinem alten Drumlehrer zu vergleichen( Freejazzer). Er heißt Dave Schmalenberger und er spielt sehr viel Jazzcombo und Jazzstandards. Der Unterricht ist zwar ziemlich teuer aber Dave ist wirklich fit wenn es ums Swing spielen geht.
Am Abend war ich auf meiner ersten Party. Eigentlich unterscheiden sich die Partys nicht sonderlich von deutschen. Allerdings hatten wir viel Spaß. Nach der Party fuhr ich mit zu einem Freund und ich sah zum ersten Mal die Skyline von Minneapolis und ich hab noch nie eine schönere gesehen(Bilder folgen). Ich übernachtete bei Evan mit Judah. Wir hatten einen schönen späten Abend und am Morgen eine überragende Jamsession.

23.10.    

Nach einem brasilianischen Abendessen mit Verwandten ging ich auf eine Überraschungsparty für Westley Mager und er war wirklich sehr überrascht.

NEUES BILD VON MEINEM HAUS!!!

26.10.    

Für den heutigen Schultag hatten wir einen besonderen Plan im Rahmen der „Halloweek“(ein Projekt von Schüler für Schüler: jeden Tag ein anderes Outfit im Halloween-Stil). Am Dienstag war Jahrhundert Tag und einige Musiker trugen einen schwarzen Anzug( 50er; Mafia).Ein anderes, tolles Event fand in der dritten Stunde statt. Alle Musiker in meiner Musikklasse spielten in einem klasseninternen Konzert, welches benotet wurde. Ich spielte mit meiner kleinen Jazzcombo(Klavier, Trompete, Saxophon und ich am Schlagzeug)Dave Brubeck’s Klassiker „Take Five“. Das Konzert hat super Spaß gemacht und wir haben meiner Meinung nach den Song wirklich gut gespielt.
Der Nachmittag war ziemlich windig und so gegen halb Sechs bekamen wir einen Anruf von den Nachbarn, welche uns mitteilten, dass unser Trampolin in den Nachbargarten geblasen wurde. Das Trampolin hat die Maße 4*4 Meter, es wurde allerdings trotzdem etwa drei Meter davon getragen und es zerbrach in der Mitte. Jetzt habe ich ein Bild vom Minnesota- Wetter.

28.10.    

Heute hatten wir wegen Lehrerkonferenzen nur sehr kurz Schule (bis um halb eins). Ich traf mich mit Decarlo, um ein wenig zu chillen. Er erklärte mir, er habe ein Konzert mit einer Jazzcombo und ich wollte ihm zuhören also kam ich ganz einfach mit. Der Clou war, dass seltsamerweise kein Drummer auftauchte… Decarlo fragte mich, ob ich Lust hätte zu spielen…das war wirklich amerikanisch spontan…und noch viel spontaner war, dass der Drummer etwa eine Minute vor dem Konzert auftauchte.

29.10.    

Der heutige Tag begann schön, weil ich seit einer Ewigkeit mal wieder ausschlafen durfte. Danach brachte mich Jeremy zur Mall, in welcher ich mich mit Edith Eike traf. Edith ist für ein halbes Jahr nach Wisconsin gegangen und war mal in Minnesota zu Besuch. Sie wohnt in Deutschland etwa 13km von meinem Haus entfernt und sie war für ein Jahr Sängerin in meiner kleinen Rockband. Es war wirklich gut sie zu sehen und mal Erfahrungen zu teilen. Danach fuhr ich zu einem Drumshop, in welchem ich mich mit neuen Fellen für mein Drumset eindeckte. Die sind hier wie eigentlich alles andere auch ziemlich günstig zu bekommen. Danach traf ich mich mit Judah und Decarlo und wir fuhren gemeinsam in eine Mall und zu einem ziemlich großen Musikhaus in dem wir eine lange Zeit zusammen musizierten.

30.10.    

Ich fuhr mit meinen zwei Brüdern Jack und Jeremy nach Roseville um einige Geschäfte zu besuchen. Wir hatten den ganzen Tag Spaß…auf dem Heimweg bekamen wir Hunger und so fuhren wir zu einem White-Castle Burger Restaurant. Hier bekommt man die besten Burger der Welt und weil ich mich so wohl fühlte, bezahlte ich für meine Brüder. Am Nachmittag präparierten wir Kürbisse.
Unser Abendprogramm bestand aus Filmchen schauen.

31.10.    

Heute Morgen spielte ich wieder in meiner kleinen Dixieland- Band. Der Bassist war krank und so spielte sogar mein Gastvater Greg mit.

Am Nachmittag hatte ich wie üblich meine Orchesterprobe und am Abend gingen wir „Trick or Treating‘‘ Ich dachte einfach, dass dieses Event ein Teil der amerikanischen Kultur ist, welches ich nicht verpassen wollte.

Danach sind wir noch zu einem Lagerfeuer gegangen, welches von unserer Kirche für die Jugendgruppe arrangiert wurde. Alles in allem hatten wir ein super witziges, gehaltvolles Wochenende, in welchem ich meine zwei Gastbrüder noch wesentlich besser kennen lernen durfte.

02.11.    

Ich wurde nach dem Event am 28.10. zu einer Big Band Probe eingeladen, weil Decarlo ziemlich lobend über mich gesprochen hat. Diese Probe war heute Abend. Die Probe fand in einem kleinen Jazzclub in Saint Paul Midway statt. Die Big Band war gut und wir spielten eigentlich eine Stunde lang nur drei Stücke, die so lang waren weil jeder 32 Takte solierte. Aber es hat Spaß gemacht und ich hab neue Erfahrungen und Connections gesammelt.

03.11.    

Heute Morgen hatte ich mit meiner kleinen Jazz Combo in der Schule eine Probe. Wir spielen im Moment zwei Stücke, die ich mit Decarlo zu einem langen Stück umgeschrieben habe. Es besteht aus einem Bass Solo am Anfang, einem 5/4 Part, einem Drum Solo und danach der Dizzy Gillespie Klassiker ‚A Night in Tunisa‘. Während wir letzteres geprobt haben kam mein Musik  Lehrer in den Raum. Unsere Bassistin war noch nicht sehr weit mit Noten lesen, weil sie erst am heutigen Tage dazugekommen war. Mein Lehrer griff sich jedenfalls kurzerhand ihren Bass und spielte mit uns das Stück. Danach wusste ich, wie es sich anfühlt mit einem richtig guten Bassisten Jazz zu spielen.
Am Abend war Kirche angesagt. Ich fühle mich immer noch etwas unwohl, weil die Leute in der Kirche sehr stark in ihrem Glauben sind und alles sehr streng nehmen und manche Dinge kann ich einfach nicht glauben oder leben.

07.11.    

Heute war Jacks 18. Geburtstag, der natürlich gebührend gefeiert wurde. Nach der Kirche fuhren wir zu einem unglaublich guten Pizzabuffet. Danach sahen wir einen 3D Film im Kino. Anschließend hatte ich Orchester und am Abend bekam Jack einige Geschenke. Jeremy und ch hatten ihm eine ‚White Castle Burger‘- Geschenkkarte gekauft. Unteranderem bekam er noch ein Spiel, welches wir den ganzen Abend spielten. Das Bild zeigt Jack, während er versucht, Kerzen auszublasen. Das ist allerdings nicht möglich, denn diese Kerzen kann man nicht ausblasen.

08.11.    

Heute war ein besonderer Tag für mich, denn Mr. Bobnick unterrichtete uns heute zum ersten Mal in ‚Improvisieren‘. Zuerst sollten wir über einen sehr einfachen Blues improvisieren. Das witzige war allerdings, dass nur ein kleiner Teil der Musiker in Musik Theorie Jazzer waren, der andere Großteil bestand aus Klassikern, wie zum Beispiel Violine, Bassklarinette und Fagott. Allerdings musste jeder improvisieren, denn sogar ein Fagott ist ein Instrument, welches man in Jazzcombos einsetzen kann und auch sollte.
Am Ende der Stunde schaltete Mr. Bobnick das Licht im Raum aus und wir improvisierten in einem Kreis und jeder Musiker versuchte, das vorhergegangene Thema zu imitieren oder zu variieren. Das war wirklich ein atemberaubender Augenblick-Jazz im Dunkeln.