Erfahrungsbericht USA: Jonas 2010-2011 (Teil I)

28.08.

Nach einem relativ unkomplizierten Flug, oder genauer gesagt nach zwei Flügen, kam ich endlich am Flughafen in Minneapolis an. Voller Vorfreude wartete ich geduldig etwa eine Stunde am Visacheckpoint.  Nach einer kurzen Erkundung des Flughafens fand ich die Eingangshalle, wo ich von meiner Gastfamilie erwartet wurde. In dieser Eingangshalle entstand auch das erste „Familienfoto“.

Nach einer Begrüßung fuhren wir nach Eagan, in den Ort, in dem ich die nächsten Zehn Monate verbringen sollte. Vorher fuhren wir durch den „Drive-through“ von McDonalds. Ich bekam einen kleinen Snack in Form eines Double-Cheeseburgers der nur einen sagenhaften $ kostete. Nachdem mir das Haus gezeigt wurde, spielten wir vier Partien Bodgia. Wie ich bereits vorher gelesen hatte, liebt die Familie Brett-, und Kartenspiele. Mir wurde also das Spiel Dominion beigebracht und sofort verliebte ich mich in das Kartenspiel. Wir haben mindestens 2 Stunden gespielt. Wissbegierig wollte ich natürlich so viel von Eagan sehen, wie möglich. Und so lernte ich den Walmart kennen.

Ein unglaublicher Supermarkt. Zu vergleichen wäre er mit einem Media- Markt, einem Aldi, einem C&A und einer kleinen Tierhandlung in einem Gebäude. Auf diesem Wege lernte ich auch die amerikanische Weise von einkaufen kennen: schlicht und ergreifend viel. Nach einer halben Stunde Schlagzeug spielen auf dem im Haus vorhandenen Drumset und nach zwei weiteren Partien Dominion  ging ich müde ins Bett.

Nach einer Nacht in einem sehr angenehmen Hochbett, ging es nach einem Frühstück in die Kirche. Ich muss sagen, ich war noch nie in so einem schönen Gottesdienst. In den USA beginnt ein evangelischer Gottesdienst mit einem kleinen Konzert von einer christlichen Band. Die Band spielte gut und die meisten gaben sich der Musik förmlich hin, in Form von Bewegungen  zur Musik und Gebärden in den Himmel. Nach einer wirklich sehr freien Predigt von einem Pfarrer in Hawaiihemd und Shorts, der stetig seine Hände in den Hosentaschen hatte, endete der Gottesdienst. Die Predigt war lang und voll von eigenen Erfahrungen und Witzen.

Nach dem Gottesdienst gab es Rindfleisch und Kartoffeln. Geplant für danach war eigentlich ein Zoobesuch des örtlichen Zoos in Eagan, aber daraus wurde nichts, weil wir einfach zu viele Runden Dominion spielten. Deshalb gingen wir etwas später am Nachmittag zu einem See mit Badestrand.
Yang Zhaojie, mein Gastbruder aus China, landete um halb neun in Minneapolis. Nachdem ich ihn kennen gelernt hatte, lernte er Dominion kennen.

30.08.    

Ich hatte mir meinen ersten Schultag stressig vorgestellt. Es war völlig ok, wenn man zu spät in den Unterricht kam. Der Lehrer sagte meistens: “ Well, it is the first day, it is ok.“

Der Stundenplan an meiner Schule besteht aus drei Stunden à 80 Minuten, Lunch und dann zwei weiteren Stunden. Folglich endet mein Schultag um 10 vor 4. Ich hab „meine Schule“ geschrieben, denn ich weiß nicht, wie ein Stundenplan auf einer „normalen“ High School aussieht, denn eigentlich bin ich nicht auf einer richtigen Schule…Meine Schule hat Räume in verschiedenen Gebäuden gemietet. Unser Hauptgebäude sieht aus wie eine Burg. In der Burg hab ich Fächer wie Physik, Mathe und Englisch. Dann hat die Schule Räume gemietet in Opernhäusern, Musikakademien, Museen und Bibliotheken. In diesen Häusern habe ich die künstlerischen Fächer wie Ensemble oder Musiktheorie.
Nach einer Stunde Mathe und zwei unterschiedlichen Stunden Musik aß ich den ersten Burrito meines Lebens und ich kann sagen, dass ich schon lange nicht mehr so ein gutes Mittagessen nach der Schule hatte.  Nach der Schule verpassten wir gleich zweimal den Bus, weil wir an der falschen Bushaltestelle standen ( so etwas wie Fahrpläne gibt es nur im Internet) und deshalb nahmen wir einen anderen Bus, der nur in die Nähe von Eagan fuhr. Wir nahmen den Bus zur „Mall of America“ und so sah ich mal eben eine der größten Malls der Welt.

31.08.    

Nachdem ich meinen Stundenplan für den B-Day abgeholt hatte, ging ich zu der Klasse „Study“. Man sitzt still zusammen und erledigt Schulkram.
Nochmal kurz zu meinem Stundenplan: In den USA bekommt man zwei Stundenpläne, die sich täglich abwechseln. Also einen für A- und einen für B-Day.
Schon in dieser Studystunde beschloss ich, einen weiteren Burrito zu essen.
Nach dem Burrito hatte ich meine erste „ Music-Buisness“ Stunde. Ich bin der Meinung, dass dieses Fach eines der wenigen ist, dessen Inhalt WIRKLICH wichtig ist. Der Inhalt hat weniger mit Musik als mit Business zu tun. Die erste Aufgabe in diesem Jahr bis Weihnachten ist, einen fiktiven Charakter zu erstellen. Wichtig ist, dass man Ein- und Ausnahmen beachtet. Wir bekommen fiktive Schecks von unserem Lehrer um Geld in die fiktive Bank unseres Lehrers einzuzahlen. Für jeden monatlichen Abrechnungsplan und für pünktliche Bezahlungen bekommen wir Punkte. Am Ende des Semesters werden die Punkte addiert und auf diese Weise wird die Note berechnet. So funktioniert das in jedem Fach. Man bekommt sogar einen Punkt für pünktliches Erscheinen und für mitgebrachte Utensilien  (Stift und Block)…

01.09.   

Nach einer erfolgreichen Stunde „Precalc“ hatte ich zum ersten Mal „Government“ und ich verstand nur Bahnhof. Extrem viele Worte, die ich noch nie in meinem Leben gehört hatte. Dann mussten wir auch noch einen Test schreiben. Es wurden allgemeine politische Fragen über Minnesota und politische Fragen über die USA abgefragt. Ich konnte so etwa drei Fragen ohne Wörterbuch beantworten. Die restlichen 27 musste ich unbeantwortet lassen. Nach „Government“ hatte ich Ensemble (nicht schlecht).

Ich hatte mir Burger für die Mikrowelle von zuhause mitgebracht, die ich in den Mikrowellen im Landmark-Centre (Hauptgebäude) zubereitete. Das ist praktisch, denn die Burger im Supermarkt kosten $1.30 und die Burger in der Stadt weit mehr. Danach hatte ich “Music-Theory level3“. Die Stunde hatte genau denselben Inhalt wie „Government“. Ein Test, in welchem ich auf Grund meiner beschränkten Englischkenntnisse schlichtweg verkackte.
Nach der Schule erwartete Jack (Us-amerikanischer Name von Yang Zhaojie) und mich eine Überraschung: ein zweiter Schreibtisch im Zimmer. Um mal über das Zimmer zu sprechen. In unserem Zimmer steht ein Hochbett, ein normales Bett, ein Fernseher auf einem Fernsehtischchen, jetzt zwei Schreibtische, eine Kommode, ein kleines Bücherregal, eine Holztruhe und ein in die Wand eingelassener Kleiderschrank mit Kleiderstange.
Nach den Hausaufgaben bekamen wir Besuch von den Nachbarn und von Freunden, die spontan ein überragendes kleines Barber Shop- Konzert für uns sangen. Es war atemberaubend gut. Wir unterhielten uns über die Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischem Musikunterricht.
Später aßen wir in einem mexikanischen Restaurant. Ich liebe mexikanisches Essen, aber das erwähnte ich ja bereits.

02.09.    

Der Tag begann mit dem „tryout“ für die Jazzcombo. Der Lehrer fand meine Ideen richtig gut, allerdings hat er schon zwei Drummer. Ich soll jetzt etwas auf dem Vibraphon vorbereiten, aber ich weiß nicht wo ich üben könnte.
Ich aß zusammen mit Decarlo, einem super coolen Trompeter und Bassisten.
Am Nachmittag erkundigte ich mich nach Taekwondo, es ist sehr teuer, aber der Dojang sieht super aus…ich muss das noch genauer überdenken…
Am Abend sahen wir gemeinsam einen amerikanischen Thriller und danach spielten wir Dominion.

 

03.09.    

Nach der Schule traf ich mich mit Decarlo. Er wollte mir Saint Paul zeigen…also er zeigte mir nicht ganz Saint Paul ? Er zeigte mir sein Haus und sein Drumset. Nachdem einige andere Leute bei Decarlo eingetroffen waren, gingen wir zusammen zu „Ellis‘ Drum Shop“. Ein kleiner aber feiner Laden mitten im Schwarzen- Viertel von Saint Paul. Nachdem wir zu fünft auf den feinsten Drums in dem Shop Quintette gespielt hatten, kaufte ich ein neues Fell für meine Snare in Eagan. Danach fuhr ich unfassbar lange zweieinhalb Stunden nach Hause…

04.09.    

Nachdem ich das erste Mal ausschlafen durfte, planten wir den Tag. Wir hatten sehr viele Ideen aber letztendlich gingen wir in eine Filmhalle, wie im Film: Man kauft Tokens und kann diese in jeden Spielautomaten werfen. Wenn man einigermaßen erfolgreich war, bekam man Tickets, welche man wiederum gegen einen Gewinn eintauschen kann, doch meistens kann man das, was man bekommt nicht wirklich Gewinn nennen?. Danach liefen wir durch eine relativ kleine Mall.
Zu Hause angekommen, telefonierte ich mit Mum und Dad. Nach einem äußersten guten Abendessen spielten wir eine Runde Dominion, allerdings hatte ich nach dieser Runde mehr Lust auf drummen als auf noch eine Runde. Später bekam ich eine kleine Unterrichtsstunde mit der Ukulele.
Im Moment liege ich in meinem Hochbett und schau College Football. Super coole Sportart.

05.09.    

Nach einem weiteren super guten Kirchenbesuch…

…………gingen wir Bowlen…

    
Ich war zwar unglaublich schlecht, aber alles in allem war das ein großer Spaß.
Nach dem Mittagessen, beschlossen wir, etwas von der amerikanischen Landschaft zu besichtigen. Eigentlich wollten wir zu den „Minnehaha Falls“, ein Wasserfall, nach welchem der Mississippi und der Minneapolis River zusammentreffen. Vorher allerdings besichtigten wir das erste Haus in Minnesota:

… und die erste Toilette.

Nach der Besichtigung gingen wir zu den Falls….als nächstes folgen Bilder von der Landschaft.

Danach haben wir diese Gerätschaften in dem anliegenden Park ausgeliehen.

Nach einer tollen Biketour durch den Park, haben wir noch kurz die Falls von unten besichtigt…

Am Abend hatte ich für die ganze Familie Omas Wurstsalat gemacht und der kam wirklich gut an.

06.09.    

Nachdem ich ausgeschlafen, aufgeräumt und Hausaufgaben erledigt hatte, spielte ich mit Tommy und Jeremy Wii. So gegen  Uhr gab es Mittagessen, welches von meinem Gastbruder aus China zubereitet worden war. Ich habe in meinem Leben noch nie so guten Reis gegessen. Danach fuhren wir in die Mall of America  (MoA), eine der größten Malls der Welt. Neben 350 Shops findet man noch ein LEGO-Land, einen Freizeitpark mit 3 Achterbahnen und ein riesiges Aquarium mit der größten Qualle der Welt. Obwohl wir 3 Stunden durch die Mall gelaufen waren, hatten wir noch nicht mal den kompletten Ostflügel gesehen.

10.09.    

Nach der Schule traf ich mich mit Evan, Adam, Decarlo und Judah. Nach drei Stunden relaxen in Saint Paul Downtown fuhren wir mit dem Bus zum Highland-Footballfield. Dort spielten Central-High gegen Highland-High. Die Tribüne war nicht überdacht und es regnete in Strömen, doch wir hatten verdammt viel Spaß. Nach drei Stunden nass-werden holte mich Ruth am Footballfeld ab.

11.09.

Sehr schöne Kanutour auf dem Thomaslake.

12.09.    

Nach dem Kirchenbesuch fuhren wir zu der Schwester von Greg. Auf der Hinfahrt hatten wir ein rotes Auto vor uns. Es fuhr nicht gerade schnell und mit den Worten „ Get out of my way“ (abgenervt) überholte er scharf. Jeremy blickte über seine Schulter und bemerkte trocken „ Oh, that’s Grandpa“.
Der Nachmittag war schön. Nach einem guten chinesischen Mittagessen und verschiedenen Outdoorspielen, spielten wir Hearts. Bei diesem Spiel bekam der Bruder von Greg ( 53 Jahre alt) einen Wutanfall, weil er einen Stich NICHT bekommen hatte. Wenn man das so liest scheint das ein wenig lustig zu sein. Das ist es definitiv nicht. Mit 20 Jahren hatte Scott(Name des Bruders) einen Motoradunfall. Alle Knochen in seinem Kopf und in seinen Armen und Beinen brachen und seine Wirbelsäule nahm Schaden. Nach 8 Monaten Koma erwachte er. Die Wirbelsäule extrem schief zusammengewachsen, doch er kann laufen, allerdings nicht sonderlich gut. Er benötigt einen Krückstock. Seinen rechten Arm trägt er in einer Schlinge. Und wie man vielleicht bemerkt hat: Er hat einen Hirnschaden und immer mal gewisse Aussetzer.

17.09.    

Nach der Schule ging ich mit Judah, Decarlo und Decarlo’s Mum in die MoA. Decarlo’s Mum ist eine der liebevollsten Frauen die ich in meinem Leben jemals kennengelernt habe. Sie hat einen echt tollen Humor.

18.09.

Nachdem wir das Haus gesäubert hatten, fuhr ich zu Decarlo. Zuerst fuhren wir mit seiner Mum zu einem Drumcenter, danach aßen wir chinesisch und danach fuhren wir durch Saint Paul und ich bekam wirklich schöne Orte zu sehen. Am späten Nachmittag fuhren Decarlo und ich Longboard.

19.09.     

Ich hatte meinen ersten Gig in einer Kirche in Edina mit der Dixiland Band von  Gregs Vater. Am Nachmittag veranstalteten wir ein Picknick im Kreis der Familie. Am Abend hatte ich meine erste Probe mit dem Community- Orchestra. Zu vergleichen wäre es mit dem Harleshäuser- Kammerorchester. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass das Community- Orchestra Blasmusik spielt. Für den Nachmittag war ein Familienpicknick geplant, doch irgendwie erschienen nur wenige Menschen, das Essen war allerdings wirklich nicht schlecht und die Stimmung auch nicht.

20.09.

Wir fuhren zu einer Lasertaganlage und hatten riesigen Spaß.