Erfahrungsbericht USA: Leonie 2012-2013

Als ich am 20. Juli 2012 in den Flieger nach Chicago gestiegen bin hatte ich keine Ahnung, was mich in den nächsten 10 Monaten erwarten würde, außer, dass ich bei einer Familie in einer Stadt in Wisconsin direkt am Lake Michigan wohnen würde und dort zur Schule gehen würde. Und doch flog ich nicht zu ganz fremden Leuten, denn mein zukünftiger Gastbruder Sean hatte mich schon im Mai  zu Hause in Deutschland besucht, also kannte ich ein Familienmitglied schon.

Mein Gastvater Jeff und meine Gastschwester Colleen haben mich in Chicago am Flughafen mit einem riesigen Welcome-Luftballon in Empfang genommen und wir sind nach Hause gefahren. Zwei Tage später ging es gleich in den Urlaub nach Orlando, Florida. Das war die perfekte Art, meine Gastfamilie kennenzulernen, da wir eine Woche lang die ganze Zeit zusammen waren. Wir waren in Disneyworld Epcot, Typhoon Lagoon und Magic Kingdom, sind nach Anna Maria Island an den Strand gefahren und haben entspannte Pooltage eingelegt. 

Zurück in Wisconsin habe ich mich gleich dem High School Girls Tennis Team angeschlossen, auch wenn die Schule eigentlich erst einen Monat später anfing. So habe ich schon vor Beginn des Schuljahres Freundinnen gefunden und konnte mit Tennis etwas ganz Neues ausprobieren. Mit meiner Gastfamilie habe ich auch unglaublich viel unternommen. Wir haben einen Road Trip nach Virginia zur Familie meiner Gastmutter Karen gemacht, wir sind in den Wasserpark in die Wisconsin Dells gefahren, wir waren bei Baseballspielen in Chicago und Milwaukee und es gab Barbecues mit den Nachbarn. Ich habe mich in kürzester Zeit wie zu Hause gefühlt und aus Karen und Jeff wurden ganz schnell Mom und Dad. Als die Schule dann anfing, war ich erstmal total beschäftigt, da ich jeden Tag bis drei Schule hatte und gleich im Anschluss zwei Stunden Tennistraining und Spiele, zu denen wir mit den berühmten gelben Schulbussen gefahren sind. 

Die Schule war auch ganz anders, als in Deutschland, da ich jeden Tag die gleichen Fächer hatte. Mit Forensic  Science, Sociology und Marketing habe ich auch ein paar Fächer gewählt, die man in Deutschland so nie finden würde.

Als die Tennissaison dann vorbei war, bin ich mit meiner Gastmutter zum Abschluss-Banquet gefahren. Als wir abends nach Hause kamen, hatten meine Gastschwester und mein Gastvater mein Zimmer umdekoriert. Halloween stand vor der Tür und in meinem Zimmer hing ein Geist vor dem Ventilator, Spinnweben rankten sich um mein Bett, ein Skelett dekorierte meine Tür und meine Lampe war durch Schwarzlicht ersetzt worden. Ein paar Tage später waren wir auf einer Pumpkin-Farm und haben Kürbisse gekauft, sind Heuwagen gefahren und Kamel geritten. Eine meiner schönsten Erinnerungen des ganzen Jahres! An Halloween bin ich mit einer Freundin nach Illinois gefahren. Dort hat ihr Onkel sein ganzes Haus in eine Halloween-Hochburg verwandelt. Wir sind Trick-or-Treating gegangen, haben uns Zombie-Outfits angezogen und selber Candy verteilt.

Im Oktober fand auch Homecoming statt, DAS Schulevent im Herbst. Ich bin mit Mom und Colleen Dress-shopping gefahren, habe auf der Tribüne unser Footballteam angefeuert und das anschließende Feuerwerk bewundert. Am Tag des Balles war ich abends mit Freunden essen, bevor wir dann zur Fete gefahren sind und stundenlang getanzt haben. Das nächste große Event war Thanksgiving, das wir bei uns zu Hause mit einem riesigen Truthahn gefeiert haben. In der Weihnachtszeit bin ich mit meiner Gastfamilie zum Nutcracker-Ballet nach Chicago gefahren, eine Familientradition. Außerdem waren wir beim Christkindl Market in Chicago, ich habe meine erste Stocking bekommen, in die Santa Weinachten Candy gefüllt hat, und wir haben den Tannenbaum aufgebaut und dekoriert. 

Im Januar war ich mit einem Freund bei einem Spiel der Green Bay Packers. Im Februar bin ich mit meiner besten Freundin Kailee und der Kirche zu einem High-School Winter Retreat gefahren. Das ist eine meiner liebsten Erinnerungen. Ich habe so viele nette und liebenswürdige Menschen getroffen, denen ich mich gleich so nah gefühlt habe und mit denen ich so viel Spaß hatte.

Im März standen die soccer tryouts an, denn ich hatte mich entschlossen, für meine Highschool Fußball zu spielen. Einziges Problem: Auf dem Fußballplatz lag noch Schnee. Also haben wir erst mal in der Halle trainiert. Und innerhalb kürzester Zeit fanden schon die ersten Punktspiele und Turniere statt. Die Mädels in meinem Team waren wirklich klasse! Wir haben vor den Spielen abends Pasta-Parties veranstaltet und unglaublich viel Spaß gehabt. Vielleicht lag es daran, dass wir am Ende der Saison Meister geworden sind. Und ich habe einen Award für „most improved player“ von meinem Team bekommen, ein toller Abschluss für eine super Saison! 

Im Mai stand dann das letzte große Schulevent des Jahres an – Prom. Das durfte ich mit allem Drum und Dran erleben: Langes Abendkleid, Date und Corsage (Die Blume, die Mädchen am Handgelenk tragen, wenn sie ein Date haben), Essen gehen und eine Limousine. Ein paar Tage später war meine Graduation Ceremony. Zwar habe ich nicht wirklich meinen Abschluss gemacht, ich durfte aber trotzdem an der Feier teilnehmen. Ganz amerikanisch mit Cap, Gown and Tassel. 

Und irgendwie verging die Zeit dann auf einmal ganz schnell. Die Abschluss-Finals in der Schule standen an und dann war auch schon der letzte Schultag gekommen. In den letzten Tagen habe ich mich viel mit Kailee und anderen Freunden getroffen, ganz viel ungesundes Essen gegessen und es schien so unrealistisch, dass ich in einer Woche schon im Flieger nach Deutschland sitzen sollte. Doch der letzte Tag war dann doch ganz schnell da. An diesem Tag hat meine Gastmutter mir Farbe und Pinsel gegeben und mir gesagt, ich könne meinen Namen in meinem Zimmer an die Wand schreiben, damit ich weiß, dass es immer mein Zimmer bleibt. Und da steht er jetzt. Leonie Ruhnke, 07/20/2012 – 06/18/2013, Germany. Und ich habe ein Scrapbook von meiner Gastmutter bekommen, mit Fotos aus dem ganzen Jahr und lieben Worten von Mom, Dad, Colleen und Sean.

 

Ich habe jetzt zwei Familien. Eine in Deutschland und eine in den USA und ich glaube es ist überflüssig zu sagen, dass ich sie so bald wie möglich wieder besuchen werde!!