Als Austauschschüler in Fulda, Minnesota in den USA


„Hey! So, you are an exchange student, too? Where are you from?“
„I’m from Fulda in Germany.“
„Seriously? Wow, That’s awesome. Now you can say that you come from Fulda and live in Fulda in Minnesota again! How is it like in Fulda, Germany?“
„Oh, you probably think it’s quite big. We have around 62.000 inhabitants.“
„Sixty-two thousand?!? Wow, I can’t imagine how it’s like to live in a big city like that. It must be quite a difference for you to live in Fulda, Minnesota now with its 1200 inhabitants!“

Ein großer Unterschied: Ja, dieser Aussage konnte ich immer nur zustimmen. Denn als Stadtkind kann man sich ein Leben auf dem Land meist gar nicht vorstellen. Und wahrscheinlich erst recht nicht das, in einem Dorf im Süden von Minnesota. Als Dorf, also „village“, bezeichnet man es dort gar nicht. Fulda nennt sich ganz stolz „city“ mit ihrem Wasserturm, der humorvoll als Wahrzeichen erwähnt wird.
Den Wasserturm habe ich anfangs noch jeden Morgen gesehen, wenn ich auf den knallgelben Schulbus gewartet habe. Mit diesem bin ich täglich zur High School gefahren, da mein Haus ca. zwei Kilometer von Fulda entfernt war.
Als es dann November wurde, habe ich den Wasserturm nicht mehr so häufig zu sehen bekommen. Im Winter in Minnesota ist es nämlich kalt, neblig und es schneit sehr viel. Wir hatten sage und schreibe sechs Monate schnee- und eisbedeckten Boden. Es hat mich sehr erstaunt, wie man in solchen Situationen seinen Tagesablauf nach dem Wetter planen muss. Jeden Morgen wird man von „snow blowern“ von dem Schnee befreit und vorher sollte man auch nicht das Haus verlassen, da man mit dem Auto schnell stecken bleibt oder in den Graben rutscht.
Das war mal eine ganz andere Erfahrung, trotzdem war ich im Mai dann sehr froh, als man von Minustemperaturen und Schnee nichts mehr in der Wettervorhersage gehört hat. :)

Besonders gut gefallen hat mir das Schulleben an der Fulda High School. Ich wurde als Senior eingestuft und durfte somit auch an „Graduation“ und „Prom“, dem Abschlussball, teilnehmen.  An Kursen habe ich Mathe, Englisch, Politik, Psychologie, Anatomie, Band und Kochen belegt. Am meisten Spaß hat mir Kochen gemacht, da ich wirklich auch was fürs Leben gelernt habe. Nun überrasche ich immer wieder gern meine Familie hier in Deutschland, wenn ich einmal das Kochen übernehme.
In meiner Freizeit habe ich Cheerleading gemacht. Dabei hat mich immer wieder erstaunt, wie stark der School Spirit bei den Basketball- und Footballspielen ist, wo auch die meisten Leute aus der Ortschaft auftauchen. Dieses Identifizieren mit der Schule und auch die Tatsache, dass jeder jeden kennt, war eine ganz neue und positive Erfahrung für mich.

Meiner Gastfamilie bin ich sehr dankbar, da ich an ihrem Familienleben teilnehmen durfte und sie mir viele neue Orte und Dinge gezeigt haben. „Mein Jahr“ in den USA war ein einmaliges Erlebnis, das ohne meine Gastfamilie nicht möglich gewesen wäre.
Auch meine Eltern hier in Deutschland rechne ich sehr hoch an, dass sie mich dabei unterstützt haben, ein Jahr ins Ausland zu gehen.
Ich bin froh, dass ich den Schritt gewagt habe, mein gewohntes Umfeld zu verlassen und als Austauschschüler in die USA zu gehen. Es war eine große Umstellung, an die man sich erst gewöhnen musste, und das war nicht immer einfach. Jedoch habe ich dabei so viel gelernt und eine ganz andere Sichtweise auf so viele Dinge im Leben bekommen (auch auf mein Heimatland Deutschland), dass ich es gerne wieder tun würde.

Sara