Erfahrungsbericht USA: Sina - Meine Gastschwester aus Wisconsin zu Besuch in Deutschland

Als ich nach einem dreiwöchigen Besuch im August 2013 wieder in Chicago O'Hare am Flughafen stand (meine Gastfamilie lebt in Waukesha, Wisconsin), versprach mir meine Gastschwester Paige hoch und heilig, dass sie mich diesen Sommer besuchen kommen würde. Möglich gemacht haben das ihre Eltern, die ihr das Flugticket letztes Jahr als Weihnachtsüberraschung geschenkt haben.
Die Daten standen also, drei Wochen Deutschland! Da ich unheimlich gerne Dinge plane und organisiere, war dies mein neues Projekt und ich versuchte, so viel wie möglich in diese drei Wochen zu quetschen, was wirklich nicht grade leicht war. Das Resultat lest ihr nun hier:

Am 27. Juni landete Paige nach einer stressigen Reise (4 Stunden Verspätung in Chicago und verpasster Anschlussflug) um 17 Uhr abends in Hamburg. Es war unglaublich aufregend und irgendwie unwirklich, die „Schwester“, die man fast ein Jahr lang nicht gesehen hat, wieder drücken zu können und ich brauchte ein paar Stunden, bis mir klar wurde, dass sie wirklich für die nächsten drei Wochen da sein würde.

Nachdem wir den ersten Abend entspannt zu Hause verbracht hatten, lernte Paige am nächsten Tag sogleich die deutsche bzw. Hamburger Partykultur kennen, denn wir gingen auf den Schlagermove!
Leider kann sie nun auch den Refrain von „Atemlos“ mitsingen, was ich nicht verhindern konnte. Es war aber trotzdem ein klasse erster Tag.

 

Auf den ersten größeren Trip begaben wir uns dann am Sonntag. Wir fuhren mit dem Zug nach Düsseldorf (sie war ganz begeistert von deutschen Zügen, Zitat: „Die haben ja sogar ein Radio!“), um nach einem kurzen Stadtbummel von dort aus nach Lyon zu fliegen, wo uns meine Freundin Heloise erwartete, die ich von meinem Auslandssemester in den USA kenne. Sie fuhr mit uns in ihr Heimatdorf Sainte-Enimie, das im Süden Frankreichs liegt. Dort hatten wir ein paar (wenige) schöne Tage, machten eine Kanutour, schauten das Fußballspiel und vor allem tranken und aßen wir sehr, sehr viel. Nachdem wir Mittwoch noch einen Tag in Lyon verbrachten, reisten wir am Donnerstagmorgen ab. Bevor wir allerdings nach Hause fuhren, machten wir noch Halt in Köln, wo Paige den Dom und die Schlösser an der Hohenzollernbrücke bewunderte.

 

 

 

Freitag stand mir ein wichtiges Ereignis bevor: Meine Abiturientenentlassung. Es war ein toller Tag und superschön, meine Schwester an diesem Tag dabei zu haben!

Am Wochenende besuchten wir meine Großeltern in Lübeck, gingen auf dem Kiez (Reeperbahn, Hamburg) feiern und zu einem Geburtstag meiner Freundin, die auf einem Bauernhof lebt, von dem Paige auch ganz angetan war.

Montag fuhren wir dann das erste Mal in die Hauptstadt zu meiner Freundin Michelle, die ich durch die Teamerausbildung bei ODI kennengelernt habe und die auch ein Schulhalbjahr in den USA verbracht hat. Sie hatte Dienstag Geburtstag und uns zu ihrer Party eingeladen. Der Tag begann mit einer Limofahrt (das Gefährt war pink!) durch Berlin mit 4 Flaschen Sekt für 5 Mädels und endete mit einer tollen Party und einem 7:1 Sieg über Brasilien!
Nach diesem Kurzaufenthalt in Berlin ging es Mittwoch früh weiter nach Oberstdorf in Bayern, wo meine Eltern eine Wohnung gemietet hatten. Das Wetter dort erinnerte eher an Weltuntergang im Herbst: Nur Regen und 12 Grad Durchschnittstemperatur. Wir machten das Beste daraus und als wir Donnerstag zum Schloss Neuschwanstein fuhren, war es größtenteils sogar trocken. Den Abend verbrachten wir in einem typisch bayrischen Brauhaus mit bayrischer Musik, bayrischem Essen und natürlich Maßkrügen voll Bier :)

Freitag mussten wir leider schon wieder abreisen, da mein Abiball am Samstag stattfand. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, nochmal in München vorbeizuschauen und einen kleinen Stadtbummel zu machen. Das Highlight dort war für Paige wahrscheinlich der Besuch in einem Trachtengeschäft und das Anprobieren eines Dirndls. Leider konnte ich sie nicht dazu überreden, die 200 Euro für das gute Stück auszugeben :(
Nach einem legendären Abiball war am Sonntag dann Ausschlafen angesagt, um für das FINALE am Abend fit zu sein, das wir mit einigen meiner Freunde schauten. Das Ergebnis brauche ich hier wohl nicht noch extra zu erwähnen :)

Montag gingen wir mit zwei Freundinnen von mir zu „Körperwelten“ nach Hamburg. Eine tolle Ausstellung! Anschließend lernte Paige bei „Jim Block“ noch den „deutschen Way of American Burger“ kennen. (Für alle, die noch nie dort waren: sehr zu empfehlen!)

Am nächsten Tag ging es wieder in die Hansestadt, dieses Mal allerdings mit gepackten Koffern, denn nach unserem Besuch bei „Dialog im Dunkeln“ fuhren wir direkt wieder nach Berlin. Paiges Rückflug ging von dort und wir nutzen die letzten Tage, um zu Fuß die Stadt zu erkunden, was bei unserem ersten Besuch leider etwas zu kurz kam. Obwohl wir nur zwei Tage Zeit hatten, haben wir es zu so gut wie allen Touristenattraktionen geschafft, was uns unsere Füße noch ein paar Tage später übelnahmen. Highlight des Aufenthaltes war der Besuch im Friedrichstadtpalast am letzten Abend. Freitagmorgen klingelte dann der Wecker um 5:30 Uhr und wir fuhren zum Flughafen. Nach ein paar kleinen Krokodilstränen ging es dann auch für mich, ohne meine Schwester, wieder nach Hause, was sich sehr seltsam anfühlte, schließlich haben wir in den letzten Wochen alles zusammen gemacht.

 

Es waren tolle drei Wochen, wir haben uns richtig gut verstanden und sind noch enger zusammengewachsen. Vor allem habe ich auch vieles über deutsche Eigenarten gelernt, was man vielleicht nicht immer wahrnimmt, wenn man hier sein Leben lang wohnt. Zum Beispiel hat sich Paige immer darüber amüsiert, dass Deutsche an roten Ampeln stehen bleiben, auch wenn kein Auto kommt. Und es stimmt wirklich! Der hastige Lebensstil New Yorks oder Chicagos hat uns hier wohl noch nicht erreicht. Oder auch, dass Deutsche ihre Hunde überall mithin nehmen ist irgendwie typisch und vor allem anders als in den USA. Der größte Kulturschock war für sie jedoch, dass man hier für Toiletten und Wasser im Restaurant Geld bezahlen muss. Da sind uns die USA wirklich einen Schritt voraus, würde ich sagen.

Alles in allem war meine amerikanische Schwester aber sehr pflegeleicht und hat vor allem bei neuem (deutschem) Essen keine Scheu gezeigt. Von Döner über Flammkuchen bis Kassler, Obatzda und Currywurst hat sie alles probiert und auch genossen.
Da ich das nächste Jahr in Kolumbien leben werde ist es noch nicht klar, wann wir uns wiedersehen, aber bis dahin bleibt uns die Erinnerung an diese unvergessliche Zeit! An dieser Stelle auch nochmal Danke an ODI, denn ohne euch hätte ich meine Gastschwester nie kennengelernt! :)

Sina Nickel, USA, August 2011 bis Januar 2012