Hallo ihr Lieben, die sich hier zu meinem Blog verirrt haben,

fast zwei Monate bin ich jetzt schon hier, und es fühlt sich gleichzeitig an wie ein ganzes Leben und wie ein Wimpernschlag. Daran merke ich zum Glück, das ich es wirklich schaffe mein großes Ziel hier zu erreichen, mir ein zweites Leben aufzubauen. Und zwar ein richtig richtig gutes Leben. Und ich muss sagen: Es klappt ganz gut. Deshalb möchte ich einfach nur von den Sachen schreiben, die ich hier liebe. An den Leuten, der Stadt, dem Land, der Sprache, der Kultur und an meinem ganz eigenen Leben. Denn natürlich, vieles ist auch nicht so toll, ich vermisse meine Familie und meine Freunde in Deutschland und ich vermisse meine Heimatstadt Köln. Außerdem ist es manchmal schwierig für mich, dass es natürlich dauert richtige Freundschaften aufzubauen. Aber nichtsdestotrotz habe ich eine riesengroßes Glück und lasse euch an alledem teilhaben.

Grund 1: Sevilla. Seit ich das erste Mal durch die Straßen des Barrio Santa Cruz geschlendert bin, bin ich in diese Stadt verliebt. Voll und ganz. Und jedes Mal entdecke ich etwas Neues oder jemand erzählt mir von etwas, das ich mir noch anschauen möchte. Sevilla hat wunderschöne Viertel, kleine Gässchen, süße Cafes und eine Menge leckere kleine Restaurants, ein Dutzend Parks und noch mehr schöne kleine und beeindruckend große Gebäude, die mich immer in Staunen versetzen. Mein Lieblingsort sind bislang die Gärten des Alcazars, eines alten Palasts hier und natürlich der weltberühmte Plaza de Espana. Mein nächstes großes Ziel ist die Giralda und die Kathedrale von Sevilla. Ich empfehle jedem einen Besuch hier, denn Sevilla ist einfach nur wundervoll.

Grund 2: Reiten. Ich erfülle mir hier jetzt meinen Kindheitstraum und gehe zweimal die Woche reiten. Jedes Mal wenn ich die Reitschule betrete, die Pferde sehe, bin ich wie ein fünfjähriges Mädchen und kann nicht aufhören zu strahlen. Ich bin immer besonders pünktlich da und bleibe nach der Stunde noch lange um im Stall zu helfen und Zeit mit den Pferden zu verbringen. Ich fahre mit dem Fahrrad, was hier sehr unüblich ist, denn normalerweise werden hier alle im Auto zu allen Orten gefahren. Ich mag es unabhängig zu sein, ohne Stress und mir würde es nicht gefallen, meine Mutter um so viele Fahrten zu bitten. Ich bin so so so froh hier die Möglichkeit zu haben Reiten zu gehen, auch wenn ich durch mein fehlendes Vokabular im Bereich Pferd und Reiten schon die ein oder andere peinliche Situation erleben durfte.

Grund 3: Meine Freunde. Und das sind sowohl andere Austauschschüler, als auch Spanier. Am Anfang habe ich etwas darunter gelitten, dass die Leute hier soviel lernen müssen und sich deshalb unter der Woche nicht verabreden. Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Zum einen hab ich selbst sehr volle Wochen, zum anderen gehe ich am Wochenende ja trotzdem mit ihnen aus und verbringe mit ihnen Zeit in der Schule. Manchmal finde ich es etwas schade, dass es natürlich mehr Zeit dauert richtig tiefgehende Freundschaften aufzubauen, grade mit den Leuten hier, die alle schon ihre festen Freundeskreise haben. Aber Freunde habe ich natürlich trotzdem und am Wochenende gehen wir oft zusammen aus. Und ich liebe liebe liebe die anderen Austauschschüler in Sevilla. Ganz bei mir in der Nähe wohnen zwei Jungs, und wir verstehen uns super und machen ganz banale Dinge, die wir halt machen müssen zusammen oder gucken die gesamte Rocky Filmreihe mit meinem Gastbruder. Mit den anderen Austauschschülern treffe ich mich in Sevilla, wir besichtigen die Stadt, picknicken, gehen essen oder reden einfach nur. Viele sind mir schon richtig ans Herz gewachsen ( falls ihr das lest: Vielen Dank für alles, ich hab euch unfassbar lieb, und eine Frage: was macht Opppa hier?!)

Grund 4: So jetzt doch ein Name. Liebe Cara, du hast dich ja beschwert, dass du noch nie erwähnt wurdest und verdienst es als eigener Grund erwähnt zu werden, denn ich kann nicht fassen, was ich für ein Glück habe, dass du hier bist. Ich habe das Gefühl dich schon ewig zu kennen, dir alles anvertrauen und einfach ich selbst sein zu können. Ich freue mir jedes Mal ein Bein ab, wenn ich dich sehe und kann es nicht erwarten, noch all das zu machen, was wir uns hier vorgenommen haben.

Grund 5: Meine Freiheit. Und meine Familie. Das ist ein Grund der zusammen spielt. Meine Familie ist sehr sehr liebevoll und passt gut auf mich auf. Mir mangelt es an nichts und ich habe eine unfassbare Freiheit. Solange meine Mutter weiß wo und mit wem ich unterwegs bin, kann ich alles machen worauf ich Lust habe und draußen bleiben so lange ich will. Und wenn ich eine Idee habe, was wir zusammen machen könnten, dann machen sie das möglich. Meine Familie ist zwar nicht super aktiv, aber ich genieße auch die Zeit zusammen auf dem Sofa, die Gespräche mit ihnen und dass ich immer neue Pläne schmieden kann.

Grund 6: Die Leute. Spanier sind schon anders als Deutsche. Oder unterhält man sich in Deutschland in quasi jeder Schlange in der man steht mit den Leuten vor und hinter einem? Unterhält sich eine halbe Stunde auf einem Flohmarkt mit einem Händler, darüber, dass Angela Merkel offenbar von den verschiedensten Küsschen-Sitten in Europa überfordert ist? Kann man in jedem Restaurant auf die Toilette gehen, ohne 50 Cent bezahlen zu müssen? Gibt weltfremden Menschen Küsschen auf die Wange und wirklich zweifellos nett gemeinte Komplimente? Ich glaube nicht. Aber ich liebe es.

Grund 7: Was ich hier alles lerne. Es ist wahr. Man lernt nicht nur eine Sprache. Ich werde selbstständiger, habe das Gefühl kleine Dinge mehr zu schätzen zu wissen, spontan zu sein, nicht so schnell zickig zu werden und irgendwie zu mir selbst zu finden. Merken was und wer einem gut tut und was nicht. Ich habe das Gefühl meine Familie und Freunde in Deutschland mehr zu lieben, obwohl ich nicht wirklich Heimweh habe. Ein Auslandsaufenthalt bringt so so so viel mehr, als ich vorher gehofft habe.

Grund 8: Nuestra Senora de Valme. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber dieses Cafe in Dos Hermanas macht einfach so unfassbar leckeres Eis, dass ich es erwähnen muss. Vor allem von der Sorte „Tres Chocolates“ träume ich. Also, wer immer mal hier ist, dieses Eis lohnt sich WIRKLICH.

Klar, es gibt noch viel mehr, und letztendlich sind es die kleinen Sachen, die einfach so und unerwartet passieren, die mich zum Lächeln bringen und vielleicht unbedeutend erscheinen mögen. Aber es gibt eben auch die großen Dinge, für die ich einfach nur unfassbar dankbar bin. Und die gibt es in jedem Auslandsjahr. Man muss sie sich nur manchmal vor Augen führen. Also wenn ihr überlegt einen Schüleraustausch zu machen, aber irgendwie Angst habt: macht es. Es ist eine tolle Zeit. Manchmal schwierig, aber glücklich werden kann im Austausch jeder.


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