Welche Eigenarten des Gastlandes hast Du bereits kennen gelernt?

Neben dem breiten chilenischen Akzent und einigen typischen Speisen, wie Empanadas oder Humitas, habe ich vorallem die Sonntage kennen und schätzen gelernt. Diese sind bei mir in Deutschland eigentlich immer recht unspektakulär, weil ich eigentlich nichts tue außer ein bisschen Sport, Schulzeug und viel Schlafen. Hier ist so gut wie jeden Sonntag Besuch da. Ich habe an die zwanzig Onkel und deshalb wird Sonntags mit allen möglichen Verwandten gegrillt und gelacht. Das nennt man hier ein „asado“, was aber auch nur im chilenischen Spanisch so benutzt wird. Sonst wird dieses Wort eher mit „Braten“ übersetzt.

 Welchen „Aha-Effekt“ hast Du bereits gehabt?

Ich bin komplett ohne irgendwelche Erwartungen oder Vorstellungen hier angekommen. Das war mir wichtig, mich einfach mal total uneingeschränkt auf etwas Neues einlassen zu können. Deshalb hab ich auch fast alles, was mir hier begegnet ist, relativ schnell als selbstverständlich hingenommen. Der einzige wirkliche „Aha-Effekt“ den ich hatte, bezieht sich auf eine Speise die Completo genannt wird. Das ist ein Hotdog, der aber mit Avokadocreme, ein wenig Kraut, Tomate (manchmal mit Öl), Ketchup, Mayo und Senf gegessen wird. So zu sagen das chilenische Fastfood Nummer eins. Das schmeckt so gut! Als ich meinen ersten Completo gegessen habe, habe ich mich wirklich gefragt, wie ich mein ganzes Leben so blöd sein konnte, meinen Hotdog nur mit Ketchup und Mayo zu essen. Logisch, dass das viel besser schmeckt, wenn man mehr drauf tut. Und diese kombination schmeckt unglaublich frisch und (für mich) irgendwie nach Sommer.

 Welche Unterschiede zu Deutschland (Schule, Familie, etc.) sind Dir bereits aufgefallen?

In meiner Gastfamilie ist der größte Unterschied, dass ich einen Vater, eine Mutter, einen Bruder und eine Schwester habe. In Deutschland lebe ich nur mit meiner Mutter zusammen. In einer Familie mit mehreren Leuten zu leben ist auf der einen Seite einfacher, weil z.B. nicht immer die ganze Aufmerksamkeit auf einem selbst liegt, aber natürlich muss man auch mehr Rücksicht nehmen und es gibt mehr zu beachten als ich das gewohnt bin.

In der Schule ist alles sehr anders als ich es aus Deutschland kenne. Es gibt eine Schuluniform und die Schule hat zum Pausenhof hin keine Tür, sondern ist einfach offen. Ab und zu kommen Straßenhunde in’ s Klassenzimmer gelaufen und vor der Schule (auch überall sonst!!!) stehen lauter Palmen. Der Unterricht ist häufig sehr entspannt. Teilweise dürfen wir sogar Musik hören. Was für mich den größten Unterschied ausmacht, ist die Mentalität in der Klasse. Die Klassengröße liegt nämlich hier bei 46 Schülern, nicht wie auf meiner deutschen Schule bei 23. Außerdem ist das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern viel lockerer. Man begrüßt die Lehrer mit der Hand und die Lehrerinnen mit einem Kuss auf die Wange. Da ich im Durchschnitt auch eher junge Lehrerinnen habe, würde ich das Verhältnis fast als freundschaftlich bezeichnen.

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Was hast Du Dir für die Zeit im Gastland persönlich vorgenommen?

Für meine Zeit hier in Chile habe ich mir einiges vorgenommen. Zunächst mal natürlich Spanisch zu lernen und mich in einem anderen Land zurecht finden zu können. Auch sportlich fit zu bleiben, weil mir das einfach sehr wichtig ist und es mich total entspannt zu trainieren. Ich habe mir vorgenommen, den perfekten Mittelweg zu finden, zwischen sich anpassen und sich selbst treu bleiben und ich habe mir vorgenommen niemals „nein“ zu sagen, wenn mich jemand fragt, ob ich etwas Neues ausprobieren will, auch wenn ich mir erstmal überhaupt nicht vorstellen kann, dass mir das Spaß machen könnte. Ich habe mir vorgenommen, so viel wie möglich zu reden und so viele verschiedene Dinge und Ansichten in mir aufzusaugen, wie ich irgendwie speichern kann. Vor allem aber habe ich mir vorgenommen eine der spannendsten und tollsten Zeiten meines Lebens zu haben.

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Wie würdest Du die ersten Wochen in einem Satz beschreiben?

Diese Frage ist für mich so ziemlich die schwerste die ich mir vorstellen kann. Ich könnte bestimmt mehrere Bücher schreiben, über diese par Wochen. Nach viel Nachdenken bin ich jetzt wieder bei der langweiligsten, aber dennoch zutreffendsten Beschreibung angekommen, und hier ist sie:

Sie waren gut!


2 Kommentare

Michelle · 15. April 2015 um 11:21

Hey Mateo 🙂 Würdest du sagen, dein Spanisch ist schon besser geworden?

Claudi · 26. April 2015 um 17:02

Hi Maeto, es macht mir große Freude deine Berichte zu lesen. Wir wünschen dir weiterhin eine erlebnisreiche Zeit 🙂

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