Ein interessantes Thema für meinen dritten Bericht aus Chile. Es gibt viele Länder, zu denen mir sofort einige Antworten einfallen würden. Mit Chile ist das ein wenig komplizierter.
Anders als bei uns in Deutschland, ist Chile (politisch gesehen) ein extremes Land. Wer immer hier über Politik redet, vertritt eine Meinung, die entweder klar rechts oder klar links ist. Eine Breite Mitte wie in Deutschland gibt es nicht. Zu fast allem, was ein Chilene von sich gibt, gibt es einen anderen, der genau das Gegenteil vertritt. Trotzdem glaube ich ein paar Dinge gefunden zu haben, die hier so gut wie niemand sagen würde.

Schüleraustausch, Chile, Stipendium, kultureller UnterschiedSchüleraustausch, Chile, Stipendium, kultureller Unterschied

(La Moneda, hier arbeitet die Präsidentin Chiles)

Als erstes fiel mir sofort eine Äußerung ein wie „Der Süden ist hässlich“ oder „Ich mag den Süden nicht“. Egal was auch immer für unterschiedliche Meinungen vertreten werden, in diesem Fall ist man sich einig. Der Süden soll wunderschön sein und wird den ganzen Tag von allen hoch angepriesen. Ich habe noch niemals jemanden getroffen, dem der Süden nicht gefällt oder der nicht wenigstens einmal gerne dort hinreisen würde.

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(Der „Cerro Santa Lucía“ in Santiago)

So schön und grün der Süden auch sein mag, gibt es natürlich auch nicht so erfreuliche Dinge, in denen sich vermutlich alle Chilenen einig sind. Dazu gehört für mich ganz klar die Metro in Santiago. Mal davon abgesehen, dass sie eine der besten in Südamerika sein soll, hört man die Leute über die Metro nur schimpfen. Das hat einen einfachen Grund: Sie ist zu voll. Seit dem letzten Freitag, kann ich aus eigener Erfahrung das Grücht bestätigen, dass auf einem Quadratmeter dieser Metro in etwa sieben Leute platzfinden müssen und dies noch im besten Fall! Es ist nämlich auch möglich, dass man einfach nicht in die Metro reinkommt und z.B. drei oder vier Metros abwarten muss.

Ein weiterer Punkt in dem sich Rechts und Links hier einig sind, bezieht sich auf Schulen und Universitäten. Die meisten Schulen in Chile sind Privatschulen und müssen monatlich bezahlt werden. Die öffentlichen Schulen sind oft sehr schlecht. Wer mehr Geld hat, kann eine Schule von besserer Qualität besuchen und erhält somit eine bessere Bildung. Dass dieses System so wie es ist bleiben sollte, würde kein Chilene jemals sagen, es sei denn einige wenige mit sehr viel Geld und sehr wenig sozialem Verständnis.

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Alles in allem bin ich eigentlich ganz froh, dass Chile ein derart durchmischtes Land ist, so dass man so pauschal eigentlich gar nicht über „die Chilenen“ sprechen kann. So hört man immer wieder neue Meinungen und Ansichten und kann sich zu allem seine eigene Meinung bilden. Als Austauschschüler muss man für sich ein Stück weit die richtige Balance finden zwischen „sich anpassen“ und „sich selbst treu bleiben“. Dass es hier viele verschieden Arten gibt „chilenisch“ zu sein, macht diesen Prozess für mich um einiges einfacher.


1 Kommentar

Tim · 20. Mai 2015 um 14:36

Fährst du mit deiner Familie auch mal in den Süden? 😉

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