Am 28. August  2013 bin ich aus Armenien nach Deutschland abgereist. Damals war mir gar nicht wirklich klar, dass ich wirklich für ein ganzes Jahr meine Heimat verlassen würde. Meine Freundinnen und Freunde haben eine Abschiedsparty für mich organisiert, weshalb der Abschied von ihnen auch nicht besonders traurig, sondern eher fröhlich war. Sie freuen sich auch für mich, dass ich diese Chance bekommeFotor0422184658n habe.

 

 

 

 

 

 

Persönliche Veränderungen:

Daher realisierte ich nicht wirklich, dass ich für ein ganzes Jahr wegfahre. Ich hatte am Anfang des Jahres sehr viel Kontakt zu meinen Eltern und Freunden, das wurde dann aber auch etwas weniger, weil ich hier in Deutschland sehr viel unternommen habe und immer noch unternehme. Ich hatte aber trotzdem regelmäßig Kontakt zu ihnen. Sie stellten keine großen Veränderungen in meinem Verhalten fest, in meinem Aussehen aber schon. Sie sagen, dass sich meine Haare und meine Figur verändert haben und das ich älter geworden bin. Ich habe diese äußerlichen Veränderungen natürlich auch bemerkt, aber ich finde, dass ich mich auch innerlich verändert habe. Zunächst einmal bin ich nicht nur äußerlich älter geworden, sondern bin auch in meinem Verhalten und Charakter reifer und erwachsener geworden. Ich bin mir nicht sicher, ob man das von außen auch bemerkt, aber ich habe das Gefühl, dass ich zudem selbstständiger geworden bin und sicherer mit einer fremden Umgebung und fremden Mentalitäten umgehen kann. Das kommt hier in Deutschland bestimmt davon, dass ich die Sprache jetzt gut verstehe und mich sicher beim Sprechen fühle aber das ist sicherlich nicht der einzige Grund.

Die deutsche Mentalität:

Am Anfang war die deutsche Mentalität neu für mich. Ich wusste zwar, wie die Deutschen sind, aber die Mentalität theoretisch kennen und selbst erleben ist etwas sehr unterschiedliches. Daher war das trotzdem neu für mich, aber ich habe das Gefühl, dass ich einen Teil der Mentalität schon selbst angenommen habe und einige Gewohnheiten der Deutschen übernommen habe. Zum Beispiel habe ich am Anfang immer nur stilles Wasser getrunken und mochte kein Wasser mit Kohlensäure, mittlerweile trinke ich nur noch Sprudelwasser. Außerdem gehe ich früher ins Bett als in Armenien und plane mehr was ich unternehme und mache nicht mehr so viele Sachen spontan. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, aber durch diese kleinen Veränderungen fühle ich mich hier mehr zu Hause und mehr integriert als am Anfang. Ich stelle fest, dass meine Denkweise sehr stark wie die des Großteils der deutschen Bevölkerung geworden ist und meine Wortwahl einen sehr starken Kontrast zu der von mir am Anfang gebräuchlichen Sprechweise darstellt. Durch diese Erfahrungen glaube ich auch, dass ich jetzt generell besser mit anderen Mentalitäten umgehen kann, da ich gelernt habe, dass es am meisten bringt, offen für alles zu sein und die unbekannten Eigenschaften und Mentalitäten der Menschen zu akzeptieren und zu verstehen.

Mein Leben in Deutschland und die bevorstehende Rückkehr:

Dazu kommt auch noch, dass ich viele neue 1977380_633364693413507_6237243158633272627_n 1970658_612436535506323_192961592_nFreunde und Bekannte gefunden habe, die ich sicherlich sehr stark vermissen werde. Meine Gastfamilie ist mir auch sehr ans Herz gewachsen, ich fühle mich schon so angenommen und akzeptiert wie eine Tochter und Schwester. Eine andere sehr starke Veränderung ist außerdem, dass ich mich hier verliebt habe und jetzt einen Freund in Deutschland habe, mit dem ich sehr glücklich bin. Durch diese ganzen neuen Kontakte usw. fühle ich mich hier schon wie zu Hause. Es fühlt sich so an, als hätte ich zwei Heimaten. Einerseits will ich zu meinen Freunden und meiner Familie zurück nach Hause, weil ich sie lange nicht gesehen habe und mich freue, wieder bei ihnen zu sein, aber andererseits fühle ich mich hier auch wie zu Hause, als hätte ich schon immer hier gelebt. Daher ist es schwer für mich, Deutschland zu verlassen aber natürlich bin ich auch froh darüber, meine Heimat und mein zu Hause wieder zu sehen. Ich würde aber gerne noch mehr Zeit hier verbringen. Diese zwei Heimaten sind so unterschiedlich und trotzdem fühle ich mich in beiden so zu Hause. Meine Freunde in Deutschland und Armenien sind auch sehr unterschiedlich, das liegt aber meiner Meinung nach weniger daran, dass sie aus verschiedenen Ländern kommen, sondern mehr daran, dass sie einfach unterschiedliche Menschen sind. Es gibt aber schon generelle Unterschiede zwischen den armenischen und den deutschen Jugendlichen.

Studieren in Deutschland:

Mein Ziel ist es auch, später in Deutschland zu studieren. Als gute Vorbereitung dafür und um noch mehr Zeit hier zu haben, wollte ich auf meiner jetzigen Schule in Deutschland mein Abitur machen. Meine Betreuerin von der Organisation setzte sich bei diesem Vorhaben für mich sehr ein, wofür ich ihr auch dankbar bin. Sie informierte sich und fand heraus, dass es leider für eine armenische Schülerin nicht möglich ist, als offizielle Schülerin und nicht als Gastschülerin in Deutschland am Gymnasium anerkannt zu werden und das Abitur hier zu machen. Das finde ich sehr schade! Mein Ziel, in Deutschland zu studieren, will ich aber trotzdem umsetzen. Daher möchte ich einige Universitäten in Deutschland besuchen und mich informieren.

Meine noch verbleibende Zeit in Deutschland:

Es gibt auch noch andere Sachen, die ich in Deutschland sehen und unternehmen will, bevor ich abreise. Ich will auf jeden Fall nach Berlin, weil das die Hauptstadt von Deutschland ist und somit der „Kern“ und den möchte ich auf jeden Fall besuchen. Außerdem will ich Weimar auch gerne kennen lernen und mir dort das Goethehausmuseum anschauen. Sonst habe ich nicht so viele Pläne, was ich bis zur Abreise unternehmen will, ich will die restliche Zeit einfach noch genießen und schauen, was sich ergibt und was ich noch unternehmen werde. Mein Deutsch wird sich durch die Zeit hier auf jeden Fall noch weiter verbessern, was auch eins meiner Ziele ist. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, hier nach Deutschland zu kommen! Es war eine wunderschöne Zeit, die ich nie vergessen werde. Ich freue mich auf die restliche Zeit hier und bin dankbar, dass ich nach hier komme durfte!

Liebe Grüße
Elen

Kategorien: Elen in Deutschland

3 Kommentare

Nadine · 8. Mai 2014 um 16:50

Liebe Elen, das klingt wunderbar! Genauso sollte ein Austausch laufen 🙂

Britta Schwarz · 8. Mai 2014 um 16:56

Liebe Elen,
danke für Deinen Bericht, der wirklich wunderbar ist und der uns mal wieder zeigt, warum wir Austausch machen. Bis zum Seminar und Abschieds-Grillen in Köln Ende Juni alles Gute.
Deine Britta

Kerstin Doppelfeld · 9. Mai 2014 um 09:41

Liebste, beste, wunderbare Elen,

Dein Deutsch hat sich fantastisch entwickelt und ich bin sehr beeindruckt von Dir 🙂 Deine Texte hören sich alle ganz zauberhaft an, Du hast eine wirklich elegante Ausdrucksweise und Deine Schilderungen hören sich nach einem perfekten interkulturellen Austausch an. Das freut mich alles sehr für Dich! Weiterhin viel Spaß und mach weiter so!

Sei fest gedrückt von
Kerstin

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