Nach gefühlt endlos langer Vorbereitung auf meinen Freiwilligendienst in Ecuador ging es am Donnerstag, den 1.09.2022 endlich los.

Vorbereitung

Ein paar Tage davor musste ich noch von Stuttgart nach Berlin fahren, um dort in der ecuadorianischen Botschaft mein Visum endlich zu erhalten. Der Höhepunkt eines zähen und dokumentenreichen Prozesses. Trotz des endlich erhaltenen Visums wurde meine To-do-Liste die letzten Tage vor der Ausreise tendenziell eher länger als kürzer: viel Sonnencreme einkaufen (da diese hier in Ecuador sehr teuer ist, man sie aber trotzdem braucht, wegen der starken Sonneneinstrahlung), ein Haufen Medikamente besorgen (für jede auszudenkende Krankheit), meinen Eltern erklären wie Sie meine zahlreichen Zimmerpflanzen bitte am Leben erhalten, einen passenden Koffer finden und Probepacken (nur um zu merken, dass man viel zu wenig Platz hat – rückblickend habe ich natürlich die falschen Sachen aussortiert).

Die größten Herausforderungen vor meiner Ausreise waren die vielen und auch emotionalen Verabschiedungen von Freunden und meiner Familie.

Als ich am Mittwoch, den 31.08.2022 dann für den Flug einchecken konnte, das letzte Gesundheitsformular zur Einreise ausgefüllt hatte und meine To-do Liste endlich fertig abgearbeitet war, wurde die ganze Sache greifbarer. Seit fast einem Jahr wusste ich, dass ich diesen Freiwilligendienst antreten werde und in den letzten Wochen war es immer Dauerthema bei jedem Gespräch. Und jetzt geht es endlich los.

Ausreise

Nach wenig erholsamen Schlaf wache ich Donnerstag um halb 4 Uhr morgens auf und fahre mit meiner ganzen Familie und meinem Gepäck (das zugegebener Weise ziemliches Übergewicht hatte) zum Flughafen. Dort werde ich erst mal panisch, da der Flughafen komplett überfüllt war und ich natürlich Angst hatte, meinen Flug zu verpassen. Trotzdem hat alles einigermaßen gut geklappt. Nachdem ich mich von meiner Familie verabschiedet hatte, geht es durch die Sicherheitskontrolle. Dort durfte ich meine falsch eingepackten Flüssigkeiten (5 Deos und 4 Zahnpasta) dank eines kleinen Weinkrampfes doch noch mitnehmen.

Von Stuttgart fliege ich mit einer Gefühlsmischung aus Trauer und Vorfreude alleine nach Amsterdam, wo ich endlich wieder meine Mitfreiwilligen treffe. Diese habe ich das letzte Mal im Juli auf dem Vorbereitungs-Seminar mit ODI gesehen. 

                                                                         

Angekommen in Ecuador

Zu zwölft steigen wir um 10 Uhr morgens in Amsterdam in unser Flugzeug und landen fast 11 Stunden später um 16 Uhr Ortszeit am Flughafen von Quito auf 2800 m Höhe. Ein Gepäckstück einer Mitfreiwilligen liegt zwar noch in Frankfurt, das restliche Gepäck ist aber gut in Quito gelandet. Unser Visum wird kurz kontrolliert und schon sind wir offiziell in Ecuador angekommen. Vom Flughafen werden wir mit einem kleinen Bus zu unserem Orientation-Camp mit FIIDES gebracht. Die Sonne ist greller und das Treppensteigen fällt mir am Anfang schwerer als in Deutschland, aber sonst sind keine großartigen Veränderungen zu spüren. In der Unterkunft angekommen gibt es ein leckeres Abendessen, das eher still verläuft. Wegen unseres Jetlags müssen wir alle unsere ganze Energie in den Versuch stecken, nicht direkt einzuschlafen. Deshalb, und weil es abends sehr kalt in Quito wird, gehen wir sehr früh ins Bett.

                      

Orientation-Camp

Die nächsten zwei Tage lernen wir viel über Ecuador, dessen Geschichte, wie man sich am besten verhält und über die Do´s and Dont´s. Abends wird gemeinsam musiziert und Salsa getanzt. Ganz elementar: die Schritte sind nicht so wichtig wie der Hüftschwung beim Tanzen. Am Samstag verlassen wir zum ersten Mal unsere Unterkunft und gehen zu einem Supermarkt. Unglaublich viele neue Eindrücke stürzen auf mich ein. Viel Zeit zum Verarbeiten der Eindrücke bleibt aber nicht, da wir kurz darauf von unseren Gastfamilien abgeholt werden. Johanna, meine Mitfreiwillige, die mit mir in der Gastfamilie ist, und ich werden von unserer Gastmutter und unserem Gastvater sehr herzlich begrüßt. Danach fahren wir gemeinsam mit dem Auto zu unserem neuen Zuhause. Schon während der Autofahrt treten die ersten Kommunikationsschwierigkeiten auf, da wir beide kaum Spanisch verstehen und noch weniger sprechen können. Das Haus liegt an einem Berghang und man hat einen tollen Ausblick auf Tumbaco, ein Vorort von Quito (fast wie zu H/ause). Dann folgt eine lange Führung durch das Haus und wir können beide unser eigenes Zimmer beziehen. Nach einem gemeinsamen Abendessen wird mir kurz vor dem Einschlafen zum ersten Mal alles zu viel. Ich merke, wie ich all das Neue nicht wirklich verarbeiten kann, dass mich die schwierige Kommunikation belastet und ich mein Zuhause vermisse. Trotzdem realisiere ich immer noch nicht ganz, dass ich jetzt wirklich hier bin. 

Am nächsten Morgen geht’s mir allerdings schon wieder besser. Wir lernen die ganze Familie beim großen Sonntagsessen kennen und am Nachmittag fahren wir gemeinsam in die verschiedenen Gärten unserer Gastfamilie und ernten Mais, Rote Beete und Bohnen. Während der holprigen Autofahrt über steile und enge Feldwege, schauen Johanna und ich uns immer wieder an und wir wissen beide, dass sich die ganze Situation surreal für uns anfühlt.

                               

Projektbeginn

Ich bin zwar erst seit vier Tagen in Ecuador, aber es fühlt sich eher an wie 4 Wochen. Mit dem Start in die neue Woche, startet auch mein Projekt. In der Schule María Troncatti ist heute der erste Schultag. Es werde viele Reden gehalten und die ecuadorianische Nationalhymne wird gesungen. Wir sind insgesamt 3 Freiwillige in der Grundschule, wobei ich hauptsächlich mit Emma zusammenarbeite, da wir dieselbe Lehrerin, Melissa, in der Zukunft im Englisch-Unterricht unterstützen sollen.

Die ersten drei Tage im Projekt waren eher wenig ereignisreich, da wir natürlich erst alles kennenlernen müssen. Bis jetzt haben wir viele Plakate gebastelt und Arbeitsblätter für die Schüler*innen erstellt. Trotzdem konnten Emma und ich uns schon mit einer eigenen Idee einbringen, indem wir überall im Klassenzimmer die Gegenstände mit den englischen Begriffen beklebt haben. 

Damit wir auch bald mehr im Unterricht mithelfen können, müssen wir unser Spanisch verbessern. Die nächsten zwei Wochen haben wir jeden Abend einen zwei-stündigen Spanischkurs und natürlich lernt man auch im Alltag jede Menge neue Vokabeln.  

                              

Erste Eindrücke

In der ersten Woche ist schon so viel passiert, wie man meinem etwas langen Text entnehmen kann. So viel, dass ich immer noch nicht alles verarbeiten kann. Trotzdem wurden mir schon in den ersten Tagen einige Unterschiede zu Deutschland klar:

  • Der Verkehr ist deutlich lauter und chaotischer. Wie genau die Verkehrsregeln aufgebaut sind, ist mir noch unklar. Auch die Busfahrten sind jedes Mal ein Erlebnis, da bei den ruckeligen Anfahren sportliche Höchstleistungen im Festhalten gefordert sind. Auch ganz wichtig: je weiter hinten im Bus man sich aufhält, desto höher fliegt man in die Luft. Die Busse hier sind super günstig, man zahlt in Tumbaco pro Fahrt 35 Cent. Dies finde ich wirklich gut, da sie somit für die meisten Anwohner gut nutzbar sind. Auch geschickt gelöst ist, dass man nach Wunsch ein- und aussteigen kann. Reguläre Haltestellen gibt es zusätzlich.
  • Das Essen ist sehr anders, schmeckt mir aber größtenteils gut. Vor allem die Vielfalt an Obst und Gemüse ist beeindruckend. Obstsorten von denen man in Deutschland noch nie was gehört hat, gibt es viele, wie zum Beispiel Granadillas. Hier in Ecuador ist es außerdem typisch, die Suppe mit Popcorn zu essen. Am Anfang war es etwas ungewohnt, aber mittlerweile finde ich es sehr lecker.
  • Was einem sehr schnell auffällt, sind die vielen Straßenhunde. Egal ob auf meinem Weg zur Schule oder direkt vor unserem Haus, überall sind Hunde.
  • Ein definitiver Unterschied ist, dass man das Toilettenpapier nicht in die Toilette wirft, sondern in einen Mülleimer, der neben jeder Toilette zu finden ist. Nach ein paar Tagen hat man sich aber auch daran gewöhnt. Ob ich mich je an die kalten bis lauwarmen Duschen gewöhnen kann, ist mir jetzt noch unklar.
  • Direkt auffallend ist die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Ecuadorianer*innen, zur Begrüßung wird sich hier meistens umarmt.

Ich bin gespannt und freue mich auf alles was noch kommt. Sowohl auf mein Projekt, mehr Spanisch zu lernen als auch das Land zu bereisen und die Kultur kennenzulernen.

Falls ihr interessiert seid an noch mehr Bildern und Eindrücken, könnt ihr gerne bei meinem Instagram Account „Lindeenecuador“ vorbeischauen. Dort kommen hoffentlich weiterhin regelmäßige Updates über meinen Freiwilligendienst.

Liebe Grüße aus Ecuador

Linde


1 Kommentar

Johanna · 16. September 2022 um 02:46

Hey Linde, ich finde du hast das echt super geschrieben! „Von der Rechtschreibschwäche zur Bloggerin“ 😉 (Zitat)

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